Glorytellers – Glorytellers

Text: | Ressort: Musik | 29. Februar 2008

Unter allen so leichtsinnig kolportierten Unsinnigkeiten, die das Ende von Karate erklären sollen, deucht mich diese für Fans sicher unaussprechliche, gar undenkbare Möglichkeit als am wahrscheinlichsten: die letzten Karate-Alben waren unerträglicher, völlig in sich selbst verrannter Muckerscheiß.

In ihren immer komplexeren Arrangements, getrieben durch die ja nachvollziehbare Ambition, der Zeit meisterlich und für immer zu entkommen, waren Karate nichtsdestotrotz gescheitert, mit zunehmend fragilen, kaum mehr begehbaren, die eigene Seele in verkünstelten Strukturen verschließenden Songs – „Pockets“, die Wand am Ende einer Sackgasse, die man nicht mehr umgehen konnte, nicht ein verwinkeltes, hakenschlagendes Stück. Geoff Farina jedoch beweist mit Glorytellers noch ein einmal die Kraft einer Kertwende. Nicht länger der Gejagte, der Getriebene, hat er sich mit dem Rücken an diese Wand gelehnt, und hat an Songs gewirkt, mit denen er der Zeit und allen seinen Helden, die die Zeit fast verschluckt hat, aufwarten konnte. Das Debüt dieses neuen Projektes wagt es, sich von der Zeit einnehmen zu lassen, ganz und gar, um dann in ihren innersten, heimlichsten Katakomben nach den Ursprüngen im Jazz und Blues zu suchen, die Geoff Farina nun deutlicher denn je in die Seele seiner Songs signiert. Er prägt sie nicht nur in die Struktur, eine sich unter den Noten regende Tendenz; in den schönsten Momenten, entlässt er sie, als die lebendige Rhythmik umschmeichelnde Harmonien. In dieser ausdrücklichen Affirmation von Geschichte, seiner aufrichtigen und in sich selbst gültigen Weiterschreibung großer Traditionen gelingt es Farina also tatsächlich, seine Songs der Zeit entreißen – betont unmodern, ewig, wahrhaft zeitlos wirkt dieses wunderbare Album.

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