Hercules and Love Affair – Hercules and Love Affair

Text: Joerg | Ressort: Musik | 30. Juli 2008

Hercules and Love Affair

Würde auf ein deutsches Produkt tippen zuerst, Ladomat-Veröffentlichung, Whirlpool Production oder ähnliches, Donna Summer, Amanda Lear, Frank Farian und lustige bis extrem gefühlige Trompeten, schäbige Beats, blubbernde Synthiebässe und Samples – dazu dieses Gemisch aus Soul-Stimmen, alles gewieft oberflächliche Geschichten. Und Indie-Disco, wie man sie kennt von F.S.K. oder Hot Chip. Hier jedoch purer, straighter – auch ernster.
Stellenweise glaube ich, Scott Walkers erstes Discoalbum zu hören. Dann wieder witziger. Das Ganze mit ganz viel Wucht, und durchgängig ohne Breakbeats. Die denkbar simpelsten, wirkungsvollsten Bässe münden in Grooves, die die Songs himmlisch gerade dastehen lassen, und die Stücke enden wie sie beginnen, Tastendruck und los, bzw. stop. Da kommt nicht nur charmant und verführerische Tanzmusik bei raus, das ist gleichzeitig ein Befreiungsschlag gegen überhandnehmenden Produktionsoverkill im Dance- und Elektro-Indie-Sektor. Gar kein Interesse am krönenden Abschluß oder an abgezockten Ausstattungdetails. Auch muß nicht mit Terrorsounds Marke Justice mitgehalten werden. Die Koordinaten (wozu auch die überaus einprägsamen, überraschend wandelbaren Stimmen gehören, einmal männliche und einmal weibliche Leadstimme, auch mal zusammen, mal plus Chor) reichen von Erasure über diverse Minimal-House-Styles, trickyeske Coolness bis zu New-Wave-Abkömmlingen wie Klaus Nomi, Grace Jones oder Gary Numan. Ja, bravo – und dazu noch „Songs“, und viel – ungewöhnlich viel nichtanbiedernder Sex! Überaus zufrieden und glücklich begebe ich mich vom einen zum anderen Male rein in den Albumfluss, will Kontrolle verlieren und wenns klappt schweben. Natürlich kein Kopfhörermix das hier, sondern dies „muss“ richtig Mono-Disco-Anlage aufgedreht werden, in der guten Stube zur Not, und Anschlag, und dann wird’s erst gemütlich und fängt an zu kribbeln. (Sony/BMG)

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