Wegbeschreibung

Text: | Ressort: Diary | 9. August 2008

Hinweg über einen Flickenteppich aus Teer, vernarbten Steinschrunden ausweichend, Spurrillen folgend, die von schweren Lastwagen in heißen Sommern geformt wurden, zäh gewordener Straßenbelag, welcher seinerzeit mittels Masse und Kontinuität verschoben ward, modellierbar wie ein schwacher Charakter.
Ich inhaliere Abgase, absorbiere warme Omnibusluft, ich schließe angewidert die Augen. Im Blindflug verkrampft die Luft anhaltend verlangsame ich die Fahrt, bis der Zweihunderter behäbig weicht, mir die Bahn frei macht.

Frisch angelegte, weiße Rechtecke bilden eine Spur, man sieht sie noch, die silbrigen Hilfslinien, die nötig waren, um die Norm der Fahrradwegbegrenzung einzuhalten. Ein wenig erhaben sind die Markierungen und leuchten unnatürlich wie frisch gekaufte Turnschuhe, denen man künstliche Patina beifügen möchte, indem man mit schmutzigen Sohlen auf sie tritt. Die auf dem Fahrradweg parkenden Autos werden das schon richten, und um ihnen auszuweichen, muss auch ich die Rechtecke immer wieder befahren. Manchmal denke ich, dass ich dabei mein Leben riskiere.
Ohnehin müsste man bloß den linken Arm ausstrecken und ein überholendes Auto würde diesen mit einem harten Schlag brechen, so dass ich ein kräftiges Knacken in der Schulter hörte. Welches Geräusch machen eigentlich Herzen, so man sie bricht?

Den Laternenpfosten umarmend schließe ich mein Fahrrad fest. Wie jeden Morgen kontrolliere ich den Aggregatzustand des Hundehaufens, der dort seit mehreren Wochen liegt. Beschaffenheiten zu analysieren, zu oft auch die Eigene, ist schließlich meine Nebentätigkeit.

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