Ben Weaver – The Axe In The Oak

Text: | Ressort: Musik | 22. August 2008

Er ist immer noch nicht 30 und klingt immer noch älter als Dylan – im Übrigen auch weiser wie mir jeder Dylan-Hasser sofort zustimmen würde. (Von denen gibt es ja aber auch immer weniger, die sterben einfach weg oder werden von seiner Radio-Show eingelullt – nein! ich will gar nicht wissen, wie gut die ist! – ist mir schnuppe! – nein! – Schnauze! – und wenn Dylan da den ganzen Tag Ben Weaver rauf und die Anthology Of American Folk Music runterspielt! – davon will ich nichts hören! – so wie die Dylan-Fans nichts von den Rüstungsaktien und War Bonds des Herren hören wollen! – allen anderen, „die wissen wollen, wie das mit Bob Dylan und seinen investierten Dollars in die Rüstungsindustrie steht“, empfehle ich auf Anraten von Reiner Schweinfurth, dem Chefredakteur des JS-Magazins (dem Evangelischen Magazin für Junge Soldaten) „The Mansion on the Hill“ von Fred Goodman – die ganze schmutzige Wahrheit über die man jetzt keine Bücher mehr schreiben muss, da steht es schwarz auf weiß für alle, die noch immer an Schulhof-Legenden glauben wollen, soviel zum Thema Dylan.(Punkt!)).

Wenn Ben Weaver seine Geschichten erzählt, mit schütteren Sätzen, die wie gute Skizzen mit wenigen kargen Details ganze Bilderreigen andeuten, lässt er so etwas wie eine Poesie der Eckdaten entstehen. Und mit seinem sechsten Album hat er wieder eine adäquate musikalische Sprache für seine komischen wie eine Folge von Vignetten gestalteten Erzählungen gefunden. Wie bereits zuvor „Paper Sky“ entstand auch „The Ax In The Oak“ in Zusammenarbeit mit Brian Deck, der in der Vergangenheit legendäre Hänger-Bands wie Souled American aber auch Iron and Wine und Modest Mouse produziert hat – was aber für Weaver viel wichtiger war, hat Deck als ehemaliges Mitglied der auf immer und ewig sträflich unterschätzten Califone immer wieder ein grundsätzliches Verständnis gezeigt, wenn es darum ging, der manchmal etwas konservativ und muffig wirkenden Americana ungewöhnlichere Seiten abzuringen oder sie gar mit Elektronik zu hintertreiben.
Denn in der Beziehung sind sich Califone und der späte Ben Weaver ähnlich: Im Gegensatz zum frühen Dylan (Punkt!) wollen sie nicht das „alte, unheimliche Amerika“ (Greil Marcus) mit all seinen verführerischen Lügen und strapazierten Mythen pflegen, sondern einen nahezu europäischen Blick auf ihre Heimat riskieren, vergleichbar mit dem jungen Jim Jarmusch in seiner Verehrung für Wim Wenders. Großteile von „The Ax In The Oak“ hat Ben Weaver im Juli letzten Jahres in einer Berliner Hinterhof-Wohnung geschrieben.

Nachdem die Aufnahmenin Chicago beendet waren, kehrte er dorthin zurück, um das Artwork des Albums zu malen. „I had many pictures in my head at that time. This record is not about Berlin, but about what being in Berlin allowed me to create.“ Deutlich zu hören ist die offenbar ungebrochene Begeisterung für Christian Fennesz, Österreichs Meister der verstörten Gitarren. Von ihm und seinen Glitches nahe des Kitsches haben Weaver & Deck eine Menge gelernt, wie sich in ihren skurrilen Arrangements zeigt, wo es selbst in einem vordergründig akustischen Stück hintergründig klickert und klappert, mit diesen verzerrten hochfrequenten Sounds wie man sie von AFX oder eben Fennesz kennt. Dazu benutzt Ben Bilder von Alligators And Owls, Hawks And Crows, vom Red Red Fox und White Snow und Dead Bird, aber meistens geht es doch wieder nur um rgendein Mädchen und am Ende kann man der Unbekannten nur zustimmen, wenn er sie fragt, was sie liebt und sie mit dem Songtitel antwortet, Anything With Words. Auch wenn sein erstes Instrumental Said In Stones interessant vor sich hinpluckert, sind es seine Worte…
(Glitterhouse)

offizielle Webseite
Ben Weaver auf MySpace

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