Max Müller – Die Nostalgie ist auch nicht mehr das was sie früher einmal war

Text: | Ressort: Musik | 31. August 2008

Da sagt er wieder einmal was, dieser triftigste hiesige Poet, aller hiesiger triftigsten Poeten. Die Musik von Max Müller fühlt sich auch heute an wie die End-80er/Anfang 90er Jörg Buttgereit-Filme. Dunkel gefärbte Milieubeschreibung, hart (anzusehende) Milieubewältigung und doch immer wieder Momente unangestrengten Humors. Den angestrengten mag der ehemalige Mutter-Mikroslasher Müller ja nicht. Jedenfalls könnte man zum Erstgesagten hin ja schon ungemein nostalgisch werden. Aber nur in Bezug auf die deutsche Horrorfilmwelt in der Nach-Buttgereit-Ära. Max Müller nämlich schenkt mir und euch ein so wundervoll eindringliches, fast nach Pop-Katalog erstellt wirkendes Album, das in Note und Wort alles hält und übertrifft, was man sich von diesem Adressaten erhoffen konnte.

Musikalisch wählt Müller ansatzweise den selben schon fast säuselnden Fluff-Weg des einstigen Mutter-Albums „Hauptsache Musik“, welches viele Rezipienten als Vehikel ansahen, das sie der Totalverarschung preisgeben sollte. Mit „Die Nostalgie…“ spricht Müller aber im gleichen Duktus weniger über sein geografisches denn sein seelisches Umfeld. Und hier wirkt eben diese sanfte Versöhnungs-Bescorung wahre Wunder. Hier die Schachmatt-Orgel, dort die Prä-Wave-Riffs und dann noch eine perfekt getimte Saxofonspur. Hier hängt alles am richtigen Nagel.

Textlich serviert Müller in einmal mehr unvergleichlicher Unverbiegbarkeit, das, was ihn umtreibt, und vor allem das, was ihm zuwider erscheint, glasklar nach seinem Hinterzimmer-Gabber-Motto „Ihr benehmt euch wie Schweine!“. In „Gürtelschnalle“ zählt er all diese Checker- Softeis-Lutscher wie Leute „die sich Namen geben, die nicht geschützt sind, die sich Musiker, DJ, Künstler nennen, bei Geburtstagen Cocktail-Gutscheine verteilen…“ etc. auf. Wir kennen ja schließlich alle unsere Pappenheimer.
An anderer Stelle malt er sich aus, wie es wäre, wenn die Frauen Krieg führen würden, während die Männer nichts mehr tun müssten. Hier schlummert wieder das von mir so geliebte provokative Diskussionsarsenal des Max Müller. Ich höre es schon allerorts trapsen, von wegen Es-sich-leicht-Machen per Umfunktionierung der Verhältnisse und Missverständnis der Frauenrolle. Max Müller will genau das und redet gern auch mit euch in seiner unvergleichlichen Direktheit darüber. Bei aller Nostalgie-Schelte im Plattentitel (ist ja schließlich auch nur ein Filmzitat) fühle ich mich doch bei jedem neuen Durchlauf immer aufgelöster und erwäge schon, den Mutterschen und Müllerschen Backkatalog als Fundament eines heimischen Hörabends zu bestimmen. So viel Nostalgie muss man mir zugestehen. Aber jetzt ist erst noch einmal das neue Album dran, denn wenn ich mich nicht extrem irre, dürfte dieses das beste deutschsprachige Erzeugnis bleiben, was 2008 zu Gesicht bekommt. Und nicht vergessen: „Vorsicht vor Leuten, die ihren Namen auf der Gürtelschnalle tragen!“
(Angelika Köhlermann)

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