Rose Kemp – Unholy Majesty

Text: | Ressort: Musik | 7. Januar 2009

Konnte man den Vorgänger “A Handfull Of Hurricanes” (2007) noch gut als Folk mit rockigen Versatzstücken verorten, gewinnen auf „Unholy Majesty“ ebenjene Elemente die Oberhand. Machte der intensive Vortrag damals schon demütig, gerät er heutzutage geradezu beängstigend und einschüchternd. Von der sanft wispernden barfüßigen Folkelfe bis zur oldschooligen Meltalfurie reicht nun die Spannweite. Dramatik und Theatralik feiern fröhliche Urstände. Die John-Lord-Gedächtnisorgel wimmert, abgehangene fette Iommi-/Blackmore-Riffs, Bonham-Beat und dann diese Stimme, dieses Organ. Mit etwas ähnlichem müssen die Sirenen der griechischen Mythologie ausgestattet gewesen sein. Ein Wucht, ein Wahnsinn, Walhalla, Walkürengesang… eine Progrock-/Metaloper vor dem Herrn.
Aufgewachsen ist Rose Kemp als Kind von Maddy Prior und Rick Kemp quasi auf Tour. Schon als Dreikäsehoch stand sie neben ihren Eltern gemeinsam mit Steeleye Spam auf der Bühne. Erste Aufnahmen von und mit ihr gibt es von 2002 auf dem acapella Folkalbum „Bib And Tuck“ von Maddy Prior And The Girls. Im Jahr darauf erschien bereits mit „Glance“ ihr Solodebüt.
Wo Wolfmother und Konsorten einfach ein paar Takte und Posen geklaut haben setzt Frau Kemp mit der Weiterführung an. Das ist zwar „Retro“ in Reinkultur, aber für eine solche Frauenstimme ist wohl nun erst die Zeit reif und selbst die alten Herren dürften eingestehn, dass dies hier in punkto Bombast, Druck und Ausdrucksstärke einen Schritt weiter geht, als alles andere vor ca. 30 Jahren. Ein schmaler Grat, mit der Absturzgefahr hinab in die dunklen Tiefen von Gothrock und Kitsch, doch hier souverän gemeistert.
(One Little Indian/Rough Trade)

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