Dälek – Gutter Tactics

Text: | Ressort: Musik | 21. Januar 2009


Nach ihren zweifachen Ausflügen ins mystifizierende Nirvana zwischen Douglastannen und Tremolo-Armeen besinnen sich Dälek wieder auf ihre ureigene, düstere und industrialisierte Ursuppe. „Gutter Tactics“ rotiert in genau jenen zentrifugalen Gefilden, welche ihr einstiges Debüt so gravierend anders machte, als all das, was es damals sonst noch so gab. Flirrende Apokalypse-Flächen, kämpferisches Naturell, Feedback, so weit das Ohr reicht. In diesen Wäldern existiert nun wirklich und im doppelten Wortsinne keine Lichtung. Gern erinnere ich mich ja beim Dälek-Verzehr immer wieder an die 90er Version von Fabrikschornstein-Pop der Marke Meat Beat Manifesto, nur das diese sich niemals so tief in der Drehmaschine versteckten. „Gutter Tactics“ dürfte jetzt schon zu den darkesten Musikmomenten des Jahres 2009 gekrönt werden müssen. Für Pop-Fanatiker meiner Coleur fehlt natürlich ab und an der Sonnenstrahl-erahnende My Bloody Valentine-Schub, welcher mich förmlich an die letzten beiden Dälek-Alben ankleben ließ. Aber diese beiden New Jersey-Hardheads wären schließlich nicht Ebensolche, würden sie nicht auch immer wieder ihr eigens abgestecktes Sphärikfarbenfeld umdekorieren. So glänzen sie als HipHop-unterfütterte Dope-Variante der Ruhrpott-ansessigen Partikelwandler von Bohren & Der Club Of Gore. Mittels allerlei Krautrock-Konvoluten umzingeln Dälek per „Gutter Tactics“ unangefochten die Nervenenden jeglicher Testpersonen und verbieten das Händewaschen nach dem Waldausflug. Ab und an entbedrohlichen sie per Hall die Wogen des Ungewissen und Unbenannten. Via vereffekteter Vocalspuren leisten Dälek nebenher ein beeindruckendes, aktuelles Update eines einstigen Unheilreporters namens MC 900 Ft. Jesus, der in „The City Sleeps“ vom „umtriebigen“ Brandstifterism in den Straßen New Yorks berichtete. Diese unheilvoll prophezeiende Grundstimmung ist allen brandend hoffnungsrodenden Werken Däleks gemein und kann mitnichten wegdiskutiert werden. Nebenbei bin ich diesen Meistern des Dunklen überaus dankbar, dass sie es immer wieder schaffen, auch Twang-orientierte „Indie-Heads“ für, zumindest den „anderen“ HipHop zu interessieren. Dafür müssen ja nun nicht immer die Beastie Boys herhalten. Manchmal meine ich, dass Dälek einzig für meine ureigene Verzückungsmentalität ins Leben gerufen wurde. Das ist natürlich Unsinn, aber „Gutter Tactics“ versetzt mich einmal mehr ins Grübeln darüber.
(Ipecac)

www.myspace.com/dalek
www.ipecac.com/

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