Hilde Marie Kjersem – A Killer For That Ache

Text: | Ressort: Musik | 21. Januar 2009

Leise und zunächst unauffällig schleichen sich die Songs von Frau Kjersem an, scheinbar ungefährlich. Doch sie nehmen unvorhersehbare Wendungen, gehen holprige Wege, führen den Hörer in ein verschachteltes Labyrinth und wieder hinaus aufs offene Feld, in die große Weite. Geschickt wird mit Kontrapunkten gearbeitet und die folkige Grundstimmung durch noisige, elektronische Breaks gestört, um schließlich doch zum roten Faden zurückzukehren. Laut-leise, einstimmig-mehrstimmig, ohne plakativ zu werden und die getragene Grundstimmung zu brechen. Und wo gibt es heutzutage noch elfenartige Enya-Chöre und Waldhorneinsatz in der zeitgenössischen Popmusik? Mit ihrem ersten Soloalbum ist Frau Kjersem auf dem besten Wege, eine Art norwegische Kate Bush zu werden, experimentell und extravagant, aber ohne den schrillen hohen Gesang. Inspiration für die Songthemen fand sie in den Medien. Einzelne Ereignisse wurden seziert und collagenhaft wieder zusammengesetzt, Kommentare repetiert, reale und fiktive Standpunkte und Sichtweisen verschmolzen. „Kunstkacke, Jazz…!“, ruft es da von weit Hinteren, und zumindest Letzteres spielt hier im Hintergrund mit hinein. Aufgewachsen mit sieben Geschwistern im Küstenstädtchen Ålesund, war sich die kleine Hilde Marie schon mit zehn sicher, ihren Lebensunterhalt später mit Musik bestreiten zu wollen. Glücklicherweise schlug sich die Begeisterung des Vaters für Kenny Rodgers und Science Fiction nicht direkt im vorliegenden Album nieder. Mit 14 bestritt das Töchterlein seinen ersten Auftritt, studierte dann Musik und veröffentlichte mit dem inzwischen aufgelösten TUB Quartett 2004 ihren ersten Tonträger und im Jahr darauf eine Duoproduktion mit Jazzgitarrist Jan Ebertson unter dem Titel „Twelve O’ Clock Tales“. Nun also das Solodebüt: gelungen; eindringlich bleiben die Songs dank Widerhaken im Hinterkopf hängen und wirken lange nach. Ein süßes Gift.
(rune grammofon/Cargo)

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