Und ob wir dies gut finden!

Text: Jensor | Ressort: Allgemein, Kunst, Veranstaltungen | 16. Februar 2009

Zwei Künstler, die das wunderbare und reizvolle Antlitz der Persona Non Grata inzwischen schon über Jahre (in einem Fall sogar über gefühlte glückliche Ewigkeiten hinweg) prägen, stellen sich in Leipzig-Connewitz in einer gemeinsamen Ausstellung vor: „Face To Face – Colored Papers“ heißt die Ausstellung von Jana Kermes und P.M. Hoffmann, die seit einigen Tagen in der Ecksteingalerie (Bornaische Str. 51, Leipzig-Connewitz) zu sehen ist. Und zwar noch bis zum 27. März (hingehen, wenn ihr in der Stadt seid!).
Grafiken – gerne auch im wirklich großflächigen Stil – zwischen Comic und künstlerischem Porträt; so lässt sich „Face To Face“ wohl am besten beschreiben. Dabei kommen durchaus verschiedene Charaktere zusammen: Gerade Peter Hoffmann illustriert und zeichnet mit einem ausgeprägten Comic-Background (zu verfolgen via des inzwischen dahin geschiedenen EEE-Verlags mit den Serien „Kreuzfeld & Jacob“ sowie „Die zehn kleinen Grufties“; gestattet sei auch gerne der Verweis auf die kommende PNG # 77, die von einem kleinen, aber feinen Sonderheft der „FäNS“ trefflich aufgewertet wird) – was allerdings nicht bedeutet, es hier mit einer entwicklungsfreien Eindimensionalität zu tun zu haben. Auch Comicstyles unterliegen einer permanenten künstlerischen Entwicklung, sei nur mal all jenen deutlich ins Stammbuch geschrieben, die allein schon ob der Nennung des Wortes „Comic“ die Nase rümpfen. Wobei es andererseits mindestens ebenso großer Käse ist, die ganze Geschichte auf Funny-Plattheit zu reduzieren – gerade wer sich mal davon überzeugen möchte, wie viele inhaltliche Ebenen man in eine, ähem, simple Grafik bekommt, sollte mal in der Ecksteingalerie reinschauen. Die Konstanz auf der einen und die permanente Stilentwicklung von P.M. Hoffmann auf der anderen Seite lässt sich zudem zumindest für all jene, die wenigstens ein wenig mit seiner Arbeit vertraut sind, in der Ausstellung trefflich nachvollziehen – beispielsweise anhand von Motiven, die sich schon einige Zeit wie ein roter Faden durchziehen wie etwa das Porträt der Nonne. Aus Japan hat er sich zudem den Mut zu ausgeprägter Farbintensität mitgebracht; der Hang zu immer größerer Abstraktion lässt sich ebenfalls in den (beinahe ausnahmslos) neuen oder zumindest deutlich überarbeiteten Grafiken finden. Im Kontrast dazu stehen die Arbeiten von Jana Kermes, die der (auf-) fordernden Intensität von Peter Hoffmann einen feingliedrigeren, beinahe schon sinnlichen Umgang mit Motiv, Material und Farbe entgegenstellt. Gut zu verstehen, was P.M. meint, wenn er davon spricht, auf welch grundlegend andere Art und Weise Jana an die Sache herangeht – wenn er spricht von einem wesentlich künstlerischen Ansatz beispielsweise. Da wäre die auf den ersten Blick nur als Nuance zu erhaschende Idee, gewissermaßen als Arbeitsfläche der Grafiken die fotografische Struktur von Häuserwänden zu nutzen. Und darauf einen derart sorgsamen und durchdachten Umgang mit Farbe zu pflegen, der das Anrührende, Verletzliche der eigentlichen Porträtmotive irrsinnig verstärkt. Echt, ich war ziemlich platt, als ich zum ersten Mal in den Raum mit Janas Grafiken trat.

Mehr noch: Das Prinzip der Gemeinschaftsausstellung wird sogar mal auf wunderbare Weise wörtlich genommen – es gibt nicht nur das klassische Nebeneinander von autark geschaffener Kunst, sondern auch den direkten Clash von zwei durchaus unterschiedlichen stilistischen Ansätzen und Arbeitsweisen. Was „Face To Face“ ganz besonders interessant macht: Es gibt einige Grafiken zu sehen, in denen sich der stark comic-beeinflusste Stil von Peter Hoffmann mit dem wesentlich subtileren, ähem, künstlerischen Ansatz von Jana Kermes trefflich verbindet. Wobei gerade diese Unterschiedlichkeit in den Arbeiten eine höchst anregende Spannung und Reibung erzeugt, die ich persönlich gerne öfter sehen würde. Oder um es mal mit P.M. zu sagen: „Eigentlich kann man davon als Künstler nur profitieren, weil man andere Sichtweisen, andere Arbeitsweisen kennen lernt und sich da einfach auch selbst weiterentwickelt.“ Wäre eigentlich prima, wenn dieser Austausch von Ideen und ganz konkreten Arbeiten (diese wurden auf elektronischen Weg getauscht und dann quasi als Collagen montiert) weitergehen würde – da kann einiges gehen. Bis dahin: Wer in der Stadt ist, ruhig mal reinschauen in die Ecksteingalerie (diese ausgesprochen angenehme Einrichtung weit abseits des Leipziger-Kunst-Mainstreams kann übrigens jede Form von Hilfe und Solidarität gebrauchen, da sie dringend von der Schließung bedroht ist) und zwar donnerstags bis samstags von 17 bis 22, sowie sonntags von 12 bis 18 Uhr.
PS: Vielleicht sieht man da ja auch schon mal das grafische Hauptmotiv der Pop Up 2009 (ich zumindest würde mir wünschen, das Bild würde das Rennen machen). Und apropos Pop Up 2009 (14. bis 17. Mai) – zur Messe ist auch eine Ausstellung zum Thema Persona Non Grata in Vorbereitung, die im Leipziger MZIN stattfinden soll. Alles weitere demnächst an dieser Stelle …

www.ecksteingalerie.de

www.Janakermes.de

www.pmhoffmann.de

www.popup-leipzig.de

www.mzin.de

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2 Kommentare »

  1. und was ich noch schwer gut finde, gerade:

    Land of Kush – Against the Day (kommt demnächst auf Constellation)

    http://www.cstrecords.com/bands/land-of-kush

    musst ich nur schon mal kundtun.
    und, nein, keine myspace-seite.

  2. so siehts aus: das unterste bild auf dieser seite gibt einen ausblick – auf die (pop up (über des meisters rechter schulter) und die kommende png (linke schulter).

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