Flo Fernandez – La Pomme d’Enfer

Text: | Ressort: Musik | 12. März 2009


Gleich zum Anfang seines Albums ist Flo Fernandez schon gestorben. So sieht es aus. Er tat nur so. Eine dumme Idee, gibt er zu, eine Schnappsidee – Verlust bedrohlich wie in eine Steinplatte meißeln. Leere zur Ewigkeit machen. Nur für einen Augenblick. Nur ein Eindruck. Dann wieder aufzustehen und zu sagen, mit gönnerhaftem Lächeln: Liebste, das muss gar nicht so sein! Eine Idee, auf die man nur kommen kann, wenn man nicht mehr ganz beisammen ist. Wenn wirklich irgend etwas in einem kaputt gegangen ist – vielleicht nicht für die Ewigkeit, jedoch auf alle absehbare Zeit. Tausende aus dem Hinterhalt verschossene Pfeile haben nicht nur das Herz, sie haben auch das Hirn zerfetzt. Und so deutet aus dem grauenhaft unbedachten Exempel vor allem auch der Wunsch, sich selbst völlig zu entrücken, zu entfliehen, aus dieser hoffnungslos ramponierten Existenz, die selbst solch wahnsinnig aufgetragener Leim nicht mehr kitten kann.
„La Pomme D’Enfer“, das zweite Album des Hamburgers, erzählt von dieser Reise, die niemals geplant verläuft, den Protagonisten jedoch zunehmend entrückt. „Far From Pain“ heißt dann geglückterweise das fast letzte Stück auf dieser Sammlung, alles auf diesem Album, das wahrhaftig nach Wolkenjagen klingt. Der Songwriter versucht das Leichte, das Ätherische zu greifen, um sich der Leidensschwere zu entreißen und ganz weit weg tragen zu lassen. Von dort oben ist dann im Blick zurück die dunkle Erinnerung wie durch Watteschleier melancholisch, sanft verklärt.
(Dian/Broken Silence)

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