R.I.P. Michael Jackson

Text: | Ressort: Musik | 28. Juni 2009

Der „King of Pop“ ist tot – dies sollte sich mittlerweile auch bis in den letzten Winkel herumgesprochen haben. Ein Ereignis, das auch mich zutiefst bewegt hat. Und nach wie vor bewegt. Denn dies muss ich ja doch einmal sagen: Michael Jackson war einer von denen, die meinen Geschmack, meinen Stil, kurz meine Seele gerettet haben.
Nein, ich werde hier jetzt nicht parlieren über das Leben von Michael Jackson – dies haben mittlerweile größtenteils ungebeten und unaufgefordert die ganzen Blöden dieser Erde längst getan. Und dabei allerlei Humbug von sich gegeben wie Supernase Thomas Gottschalk, der dergestalt kenntnisfrei von „für die Bühne geboren“ faselte, dass man sich regelrecht wünscht, es würde jetzt endlich mal ein strenger Vater mit harter Hand Zucht und Ordnung in das Leben des Bratrock-Schönlings bringen. Nein, dieses ganze Gefasel überlasse ich doch zu gerne den Society-Experten und Medien-Lebenwesen des Planeten, die daraus ja einen Lebensinhalt ziehen.
Hier geht es in erster Linie um mich – um einen weißen, pubertierenden DDR-Jungen, Anfang der 80er Jahre aufwachsend am gefühlten, möglicherweise sogar realen Arsch der Welt, in einer 3000-Seelen-Gemeinde, Lichtjahre entfernt von allem, was irgendwie als modern, hip und angesagt durchgehen konnte. Kein Punk, keine New Wave oder so etwas in der Richtung. Echt schmale Optionen – folgerichtig drehte es sich schließlich darum, über die in ländlichen Regionen schier unvermeidliche Zwischenstation Blues zu einer ausgewachsenen Metaller-Sozialisation aufzulaufen. So etwas kann ja so richtig in die Hose gehen, wie das Beispiel eines einstigen Mitstreiters zeigte, der direkt vom Thrash Metal zu Roxette wechselte und mir damit den Schrecken meines Lebens einjagte. Ja, genau an dem Punkt war es Michael Jackson, der meine Seele rettete: Mit dem Hit-Overkill „Thriller“ und dann vor allen Dingen mit der ebenso famosen Platte „Bad“ (und den entsprechenden Knallern „Dirty Diana“, „Smooth Criminal“ und na klar „Bad“) hat er ziemlich nachhaltig Wirkung bei mir gezeigt – gewissermaßen etwas eingepflanzt, was ich mit ausgeprägter Affinität zu, ähem, Black Music bezeichnen möchte. Ganz simpel: Er bewahrte mich mit seiner Musik einfach davor, anfangs zwischen Iron Maiden, Judas Priest und Saxon, später dann zwischen Metallica, Nuclear Assault, Sodom und Destruction in solchen Kategorien wie „Negermusik“ auch nur zu denken. Was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist – auch hier kann ich genügend entsprechende Beispiele aus meinem damaligen Umfeld droppen. Michael Jackson hielt mir immer ein Türchen offen, ein Türchen, hinter dem ich HipHop und R’n’B entdecken sollte, Funk und Soul sowieso, aber auch Electro, Techno und House. By the way: Am anderen Türchen, auf dem „Synthie-Pop“ geschrieben war, standen Depeche Mode – und irgendwie landete ich ja auf diesen Weg auch bei Electro, Techno und House.
Das muss an dieser Stelle ja mal gesagt werden: Dieser Michael Jackson hat nicht gerade unwesentlichen Anteil daran, dass sich in meiner musikalischen Gegenwart ebenso Little Boots und Celan, Steve Bug und Fat Freddie’s Drop, Martyn und Tortoise, Cam’Ron und We Insist! tummeln. Nebeneinander und vollkommen problemlos. Ach was, problemlos – da habe ich sogar noch meinen riesengroßen Spaß dran!
Dafür gibt’s auf jeden Fall meinen Respect. Über die Höhen und Tiefen eines irgendwie verkorksten Lebens eines Menschen, der vermutlich nie so etwas wie Realität kennen gelernt hat, wage ich mir nicht ein Urteil zu bilden – dies mögen andere Leute tun, die sich für berufen fühlen. Ich sage: R.I.P.
PS: Außerdem mal ganz aktuell gefragt – gibt es einen besseren Krisensong als „They don’t care about us“? Eben!

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3 Kommentare »

  1. michael ist gar nicht tot. er ist wieder auferstanden: in dem muster, das meine tränen in meinem taschentuch hinterließen, ist sein abbild und seine präsenz untrüglich. ich habe es gerahmt. kann man hier irgendwo bilder anhängen?

  2. Schick’s uns, Alter! Schick’s uns!
    (redaktion@png-online.de)

  3. so nice, mr. j.

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