Seeland – Tomorrow Today

Text: | Ressort: Musik | 26. Juli 2009


„Erwachsenenpop“ lautet hier mal das Stichwort. Kein kieksendes Boy-meets-Girl-Dings mit hormonschwangeren Schaufensterpuppen als Interpreten. Merke: Pop kommt mitnichten von Poppen! Nein, hier geht es mal wohlsituiert und gesetzt zu. Die Achtziger sind zwar vorbei, aber ihr Sound lässt weder Künstler noch Publikum in Frieden ziehen. Seeland zeigen wie dies auch unpeinlich und unprätentiös gehen kann. Ein paar simpel erscheinende Tonfolgen aus dem Keyboard, sauber arrangiert, dazu samtig kontemplativen Gesang und fertig ist die edle Retroscheibe. Wenn es nur wirklich so einfach wäre. Ha! Für Hängengebliebene und Dabeigewesene kommt als zweite Ebene noch das gehobene Rätselraten hinzu: Waren das bei „Fade To Grey“ nur drei oder doch vier Keyboards übereinander? Und wo her kennt man diesen Sound und jene Harmonie? Heaven 17, Human League, Propaganda oder doch ABC? Die Stilsicherheit des Duos Tim Felton und Billy Bainbridge kommt nicht von ungefähr. Ersterer war mal Gitarrist bei Broadcast (1996-2005) und der Zweite bei Supernal, Plone (1994-2001) und zuletzt als Tastenklimperer auch bei Broadcast, nachdem er zunächst nur kurzfristig live aushelfen sollte. Seeland formten die beiden dann im Winter 2004/05. Die melancholischen Synthieklänge reichern die beiden zusätzlich mit zart gezupfter Gitarre und sanft gestreicheltem Drums an und vermeiden, trotz aller Verweise und Zitate, den Eindruck eine reine Kopie der Vergangenheit zu sein. Elemente von gestern für heute, quasi Recycling auf popkultureller Ebene.
(LoAF recordings/Alive!)

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