John R. Carlson – Foresight

Text: Matthias | Ressort: Musik | 2. August 2009


John Carlson stilistisch festschreiben zu wollen, ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Denn nicht nur wechselt er dermaßen graziös und leichtfüßig zwischen verschiedensten musikalischen Einflüssen hin und her, sondern ihm gelingt es auf diesen beiden über zehnminütigen Tracks eine ungemein faszinierende Symbiose aus diesen Versatzstücken. Fast schon traditionell anmutenden Jazzharmonien werden mit repetetiven Strukturen des amerikanischen Minimalismus zusammengebracht und auch geradlinig Popfiguren sowie irische Folkmelodien lassen sich vernehmen. Der Pianist Carlson arbeitet auf dieser EP wieder mit dem Percussionisten Oliver Sonntag zusammen, der ein sehr reduziertes aber ungemein effektives rhythmisches Grundgerüst unter die windigen Melodiebögen Carlsons legt. Die Songs – ja man kann durchaus hier von Songs sprechen – bleiben beiden stets harmonisch verortet und nachvollziehbar und erhalten durch die treibenden Pattern einen überraschend direkten und fast schon „rockigen“ Charakter. Wer unbedingt Namen braucht, kann sich an Referenzpunkten wie Terry Riley oder Philip Glass auf der einen Seite und Brian Eno, Erik Satie und Can. Besonders erstaunlich ist natürlich die Tatsache, dass es sich hier um freie Improvisationen handelt, die live in einem Take aufgenommen wurden. Man würde sich mehr Platten von dieser Güte wünschen. Absolut gelungen.

(Parvo Art / A-Musik)

Matthias Rauch

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