Lord Cut-Glass – s/t

Text: | Ressort: Musik | 2. August 2009


Mit dem Prädikat “schottische Folklore” wurde die CD in unserer großen Redaktionsrunde kurz angeprießen und traf damit offenbar nicht ganz den Nerv der werten Kollegen. Dabei fallen mir auf Anhieb gar keine schlechten schottischen Bands ein. Folklore: na ja, im Singer-/Songwritersegment wird da gern mal drauf zurückgegriffen, also so verkehrt konnte das gar nicht sein. Wäre das Label jemandem aufgefallen, hätte es aufgrund der Cemical Underground Nachbarn Arab Strab, Mogwai und Konsorten, mit Sicherheit Begehrlichkeiten geweckt und wäre bekannt, dass es bei Lord Cut-Glass um das Projekt des ehemaligen Delgados Frontmann Alun Woodward handelt erst recht – zu Recht. Im Gegensatz zur ablehnenden Voreingenommenheit war der Begriff Folk gar nicht mal so falsch. In nur 36 Minuten packt Herr Woodward elf Stücke die Geschichte atmen und Geschichten erzählen. Mit verschmitztem Lächeln erzählt oder glaubhaft durchlitten, stets aber Pub-tauglich einfach instrumentiert: Gitarre, Fiddel, Piano, da mal ein bisschen Schlagzeug, dort ein paar Bläser. Mitunter tritt der herbe Akzent mit dem rollen „R“ durch und die Zeiten der christlichen Seefahrt werden wieder heraufbeschworen. Warum ist der Vorfahren musikalisches Gut eigentlich bei uns so peinlich geworden? Fragt man sich angesichts solch simpel und gleichwohl angenehmer Rückbesinnung. Doch es ergeht sich mitnichten in Shanty und Trallala, hier ein Story-Song, da eine Moritat, ein Tango, eine Westernmelodie und so mancher Schunkler.
(Chemical Underground/Rough Trade) Klaus

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