Patrick Wolf – The Bachelor

Text: | Ressort: Musik | 4. August 2009

Vielleicht ist es ja wirklich nur eine Frage der Übersättigung, wie Freund Klaus im Zusammenhang mit Patrick Wolf meinte. Nach dem Genuss von „The Bachelor“ jedenfalls kann ich gut verstehen, was er damit meinte – natürlich findet sich in dieser Singer/Songwriter-Figur des Patrick Wolf eine Menge an Zutaten, die einem nach einer Weile gehörig auf die Nerven fallen können: Das überkandidelte Pathos-Gehabe beispielsweise, das permanente Drehen am ganz großen Rad, die offensichtliche Künstlichkeit des Ganzen ebenso wie die stete Mystifizierung des Tuns. Stimmt alles, kann ich auch keineswegs in Abrede stellen – und ich glaube gerne, dass man keinen Bock mehr darauf hat, wenn man schon drei Patrick Wolf-Platten gehört hat. Für einen Typen wie mich, der dieses Phänomen maximal so am Rande mitbekommen hat, macht „The Bachelor“ aber durchaus noch einen trefflichen Eindruck – und dies übrigens auch aus den bereits aufgezählt en Gründen. Eben weil es schon gewaltig aufhorchen lässt, wenn endlich mal einer aus dieser Riege der Singer/Songwriter auch den Mut besitzt, auf dieses Prinzip der Authentizität, des unbedingten Eins-zu-Eins-Seins in erfreulicher Konsequenz zu ignorieren. Denn auch wenn mir der Waschzettel da etwas anderes weismachen möchte: Nie und nimmer lässt sich „The Bachelor“ als klassische Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit lesen, gewissermaßen als der Versuch eines gitarrenbegleiteten Psychogramms. Diese 13 Songs (exklusive des Intros „Kriegsspiele“) vertonen in meinen Ohren doch eher das Wechselspiel zwischen den Andockpunkten der Realität und dem eigenständigen Schweben der Figur Patrick Wolf. Ein Wechselspiel, das durchaus mit Missverständnissen und Seltsamkeiten behaftet ist. Und es ist gerade das Besondere, das Außergewöhnliche an „The Bachelor“, eben diese Missverständnisse und Seltsamkeiten musikalisch zu transportieren. Mit Songs, die eben die schon erwähnte pathetische und großartige Geste pflegen – mit einer Opulenz, einem Bombast, einem Übermaß an Gefühlen, mit einer Haltung, die nur zu gerne einmal genussvoll am Klischee und am Kitsch vorbeischrammt. Dies wäre durchaus manchmal ein wenig beängstigend, wenn sich dieser schmale, blonde Junge, der da auf dem Cover zu sehen ist, nicht gleich ganz offensiv und von vornherein als romantische Figur identifizierbar machen würde. Dies ist – ich erwähne es gerne noch einmal – durchaus derart außergewöhnlich, dass ich dieser Platte gerne intensiv und angeregt zuhöre. Was natürlich die Frage nicht beantwortet, wie oft man derlei hören möchte, hören kann, hören will.
(Bloody Chamber Music/Rough Trade)

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