Allroh – Hag Dec

Text: | Ressort: Musik | 18. November 2009

Was soll ich zu Anne Rolfs (ex-Wuhling) Debütalbum noch sagen? Alles, was auch hier zutrifft, schaukelte ich schreibenderweise schon in puncto ihrer Vorgänger-EP „Nym“ in den Himmel und auf diese Seiten. Die schon aus Wuhling-Tagen hervorgegangene Freundschaft mit Steve Albini zahlt sich heuer natürlich einmal mehr aus. Das von Albini produzierte „Hag Dec“ gibt sich dabei als so etwas, wie ein Musterkatalog von des Meisters Gitarrenverzerrungsvarianten. Hier hat man tatsächlich desöfteren den Eindruck, dass gleich Big Blacks „Kerosene“ noch einmal startet, um den angepeilten Flughafen erst einmal für unzählige Schleifen links liegen zu lassen. Da ist so viel Rapeman, Arsenal und Shellac drin, auf dass die Retro-Herzkammer von uns in die Jahre gekommenen Musikjournalisten ein um das andere Mal zum Empfang bitten möchte. Und all das geschieht hier ohne Umschweife und vor allem ohne Schlagzeugspur. Nur Anne und ihre Gitarre und ihre entfremdeten deutschen Flehgesänge, die wahrscheinlich u.a. auch die hiesige Abform dessen sein dürfen, was einst Elizabeth Frasier bei den Cocteau Twins mit dem Englischen vollbrachte. Allroh ist gnadenlose, verfuzzte Energie in Höchstbrennstufe ebenso, wie Auffangbecken für Perfektionsgenervte. Allroh ist vor allem echt und hiermit meine ich ganz bestimmt nicht den Terminus „ehrlich“ im Sinne der Elogen aus mit Berufsjugendlichen überfüllten, städtischen Rockbüros. Vielmehr verleihe ich Anne Rolfs hiermit den Lydia Lunch der 80er-Gedächtnispreis 2009 und dies darf bitteschön einzig und allein positiv verstanden werden. (Graumann)

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