Piroth – Safe Haven

Text: | Ressort: Musik, Veranstaltungen | 23. November 2009

Nina und Johanna Piroth haben es sich in ihrer Kajüte kuschelig eingerichtet, während das Schiff die dunkle schwere See durchpflügt. Die Reise führt durch das Ungewisse und das Sehnen gilt dem sicheren Hafen. Fast egal wo. Gediegene Melancholie umgarnt uns warm, im Kamin knistert das nach frischem Holz duftende Feuer und draußen brodeln die Wellen und der kalte Wind des Alltags faucht und bläht die Segel. Von innen wärmt ein bernsteinfarbener Grog und von außen zarte Melodien und Harmoniegesänge. Man fühlt sich wohl und klagt ein wenig nebenbei. Gepflegte Befindlichkeit und ein bisschen Selbstmitleid, so mag es der Folkie von heute und der von gestern sowieso. Dabei zeigen sich die beiden Schwestern auf ihrem zweiten Album sehr experimentierfreudig, was mit Sicherheit auch auf tatkräftige musikalische Unterstützung von Markus Kärnebro (Schlagz., E-Git., Lap Steel, Chor), Marcus Johansson (Bass, Lap Steel, Chor), Patricia Naumann (Klavier, Akkordeon), Jenny Söderberg (Trompete) und Harald Björk (Synthie, Aufname, Mix) zurückzuführen ist, nachdem das Debüt quasi allein zu zweit eingespielt wurde. Dennoch wurden die zahlreichen Helfer zurückhaltend eingesetzt, das Kammermusikflair und die nahezu private Intimität wahrend.
Neben die geradezu klassischen Referenzen aus dem Folk-Bereich gesellen sich Einflüsse aus Bossa Nova, Chanson, Indiepop und meinethalben auch Punk, wenn die zwei doch so süß drauf bestehen. In der Tat bricht es bei „Theatre“ wütend aus ihnen hervor, dass man den wild Entschlossenen nicht im Wege stehen mag. Beim nächsten Song hat sich der Sturm schon wieder gelegt, die Wut ist verraucht, und katzengleich streichen sie uns um die Füße, als wollten sie gekrault werden. Die Fahrt dauert noch, das Ziel noch außer Sicht, aber man ist ja noch jung. Auf dass da noch viele solche Abende sind, gemütlich mit guter Musik, Gesellschaft und so…

(Oma Gusti Records/Sound Pollution/Rough Trade)

www.myspace.com/sisterspiroth

Piroth – Fog Dancers from Oma Gusti on Vimeo.

-->

Kommentieren