R.I.P. Vic Chesnutt

Text: | Ressort: Musik | 29. Dezember 2009

Auch ich verneige mich zunächst einmal einfach nur stumm: Vic Chesnutt ist tot.

Verstorben am ersten Weihnachtsfeiertag – dem Vernehmen nach an einer Überdosis an Medikamenten. Ich werde mich hier nicht und keinesfalls spekulativ über irgendwelche Hintergründe bzw. Ursachen äußern. Dies steht mir nicht zu. Sicherlich ist es auch überhaupt nicht wichtig – nicht zuletzt, weil es derzeit genügend andere gibt, die dies tun und durchaus dankenswerter Weise all jene Dinge und Geschehnisse erzählen und erwähnen, die zum Verständnis der Person Vic Chesnutt von Bedeutung sind. Dies ist gut so. Meine Sache ist es nicht.
Schon eher, darauf hinzuweisen, wie groß dieser Verlust ist. Man ist ja schnell bei der Hand mit größenwahnsinnigen Beschreibungen und hemmungslosen Euphemismus (genau so schnell wie mit Namedropping, by the way). Aber dieser Mensch war schon außergewöhnlich. Unique. Einzigartig. Und lebendig. Lebendig im Sinne einer Unberechenbarkeit, einer Unfertigkeit, einer Unvollkommenheit, manchmal gar einer Sinnlosigkeit, die sich aber nun einmal zwingend aus dem Prinzip Lebendigkeit ergeben muss. Weil Leben unberechenbar, unfertig, unvollkommen und manchmal sinnlos ist. Darüber hat Vic Chesnutt auf Platten wie „Drunk“, „Is The Actor happy?“, „The Salesman And Bernadette“, „Silver Lake“, „Ghetto Bells“ oder „North Star Deserter“ gesungen.
Es sind diese Platten (und noch einige mehr, etwa „Nine High A Pallet“, eingespielt mit Widespread Panic als Brute), die da ein Rastloser, ein Getriebener, ein Unzufriedener, ein Zerrissener hinterlassen hat. Und er schenkte uns 2009 gleich drei weitere Platten: Den Soundtrack zu „Mitte Ende August“ sowie „At The Cut“ und „Skitter On Take-Off“. Ich finde, es gibt noch genügend Leute da draußen, die diesen Nachlass, diesen Schatz entdecken sollten. Auch wenn ich – bewahre! – nie einstimmen werde in den Chor jener, die wehklagen darüber, dass diese Musik nie zum breit wahrgenommenen Overground werden konnte und wohl auch nie wird. Dies hat seine Gründe. Und genau in diesen Gründen findet sich die Einzigartigkeit Vic Chesnutts. Man kann nun mal das eine nicht ohne das andere haben.

R.I.P.

Auch PNG trauert

Text: Jensor
Foto: Klaus (Starclub/Beatpol, DD), mehr Fotos

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Ein Kommentar »

  1. In Vorbereitung ist eine Gedenkveranstaltung am 12.02. im UT-Connewitz, bei der noch einmal seine Musik erklingen wird und zwei Dokumentationen zu sehen sein werden.

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