My Soundtrack by Beach House

Text: | Ressort: Musik | 15. März 2010

Vermutlich hätte sich Russell Tyrone Jones, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Ol’ Dirty Bastard, zu seinen Lebzeiten doch ein wenig gewundert, wenn ihn jemand in einem Atemzug mit den Discopop-Superhelden Bee Gees genannt hätte. Ähnlich erstaunt würde vermutlich Stevie Nicks dreinschauen, wenn ihre Fleetwod Mac in Verbindung mit Michael Jackson genannt würden. Freilich wirkt der Einstieg bis hier her etwas verstörend, weshalb das Schlamassel nun der Reihe nach aufgerollt werden soll. Erase and Rewind.

Wer hier bereits den Artikel über den famosen Beach House Auftritt vergangene Woche im UT Connewitz gelesen hat, der interessiert sich vermutlich spätestens seither für das Top-Duo aus Baltimore. Musikalisch selbst wiederum soweit von ODB und den Bee Gees entfernt, wie Mario Barth von Helge Schneider.

Dennoch: Vor dem Konzert hatten wir die Möglichkeit, ein wenig über die musikalischen Vorlieben von Victoria Legrand und Alex Scally alias Beach House zu erfahren. Welches Lied würden sie in einer beschriebenen Situation wählen? Mit welchem Lied würden sie die Erde vor Aliens repräsentieren? Was sollte auf ihrer Beerdigung gespielt werden?

Am Ende entsteht daraus ein durchaus abwechslungsreiches und spannendes Mixtape. Von Ol’ Dirty Bastard über die Bee Gees, Fleetwood Mac bis hin zu, natürlich, Michael Jackson.

Welches Lied würdet ihr wählen, wenn….

…ihr eure Heimatstadt verlassen müsst um in die Ferne zu ziehen.

Alex Scally: Meine Wahl ist sehr wörtlich zu nehmen. Und zwar habe ich mich für „I was a stranger“ von Smog entschieden. Im Grunde geht es in dem Lied darum, ein Wrack zu sein. Du hast einige Probleme, ziehst dann aber in eine andere Stadt. Dort weiß niemand wer du bist und was du getan hast. Doch das ist toll, ein großartiges Gefühl.

Victoria Legrand: Ich habe mich für „Sweet Substitute“ von Karen Dalton entschieden. Wenn ich wegziehen müsste, dann denke ich, wäre das aufgrund eines gebrochenen Herzens und damit verbundenem Kummer. Ich würde die Stadt verlassen, mein Herz wäre gebrochen aber ich hinterlasse eine schadenfrohe Botschaft mit diesem Lied. Achtet auf den Text.

…ihr die ganze Nacht aus wart, es ist bereits Morgen, ihr seid völlig betrunken, habt kein Geld mehr und seid die Letzten auf der Tanzfläche.

AS: Ich entscheide mich für „More than a woman“ von den Bee Gees. Wenn du deinem Elend gegenüber stehst, dann musst du dich einfach hindurch tanzen. „More than a woman“ ist ein legendäres, fröhliches Dancefloor-Liebeslied. Das ist meiner Meinung nach das einzig brauchbare, um dem ganzen Schaden entgegenzutreten.

VL: Für mich wäre das ein sinnloser Moment. Wenn eh schon so viel Schlimmes passiert ist, dann ist es auch egal was dann noch kommt. Deshalb würde ich mich für „I want pussy“ von Ol’ Dirty Bastard entscheiden, denn das ist einer der wesentlichen Bestandteile von ODB: nichts macht wirklich Sinn.

…ihr mit dem Auto quer durch Norwegen fahrt.

VL: Ich nehme ein Lied, dass ich tatsächlich gehört habe, als ich das erste Mal durch Norwegen gefahren bin. Und zwar ist das „Splendor and concealment“ von einer Band aus Baltimore namens Human Bell. Es ist ein instrumentales Stück, enthält keine Stimmen, doch die Musik hat perfekt zu der Landschaft gepasst, die sich ständig verändert hat.

AS: Bei mir ist es „Strawberry Letter 23“ von Shuggie Otis beziehungsweise von Brothers Johnson. Das ist eine erstaunliche Reise in dem Lied, das wirklich aufregend und schön auf der einen Seite ist, auf der anderen aber auch nachdenklich stimmt.

…ihr mitten in der Nacht alleine im Bus sitzt und bis zur Endhaltestelle fahrt.

AS: „Nobody wants a lonely heart“, ein unfassbar trauriges Lied von Arthur Russel. Auf der anderen Seite ist es auch eine Art Gospel und richtet dich wieder auf. Dieses Gefühl ist genau das richtige Mitten in der Nacht, denke ich.

VL: Ich habe mich für „She belongs to me“ von Bob Dylan entschieden. Du reist, kannst überall hin, du hast unzählige Haltestellen. Das Lied handelt davon, Künstler zu sein, ein Freigeist oder einfach etwas, das man nicht auf etwas festlegen kann. Dafür würde ich mich entscheiden.

…Aliens auf die Erde kommen und ihr die Welt mit nur einem Lied repräsentieren müsst.

VL: Ich nehme „Smooth Criminal“ von Michael Jackson. Für mich war Michael Jackson auf eine gewisse Art selbst ein großartiger Alien, ein übernatürliches Wesen. „Smooth Criminal“ ist einer meiner Lieblingslieder von ihm, deshalb würde ich es auswählen. Ich denke die Aliens würden die verrückten Vibes von Michael fühlen.

AS: „Dreams“ von Fleetwood Mac, denn ich glaube, die Aliens würden unsere Musik verstehen wollen. In diesem Lied gibt es Frauen, Männer, es ist tanzbar, emotional. Zusätzlich handelt es noch von Donner und Blitzen, somit könnten sie auch noch unsere Natur besser verstehen. Außerdem könnten sie dann vielleicht eine Ahnung davon bekommen, wie großartig unsere Popkultur ist.

…ihr Samstagabend zu Hause bleibt und Süßigkeiten in euch hineinstopft, während all eure Freunde auf einer Party sind.

AS: Das ist ziemlich schwer, aber ich denke „Sweet Agony“ von Dolly Parton passt ganz gut. Einfach deshalb, weil es davon handelt, dass man sich einen Dreck schert aber auf der anderen Seite auch davon, wie fertig man ist.

VL: Eine schwierige Frage, da ich das noch nie gemacht habe. Ich passe.

…wenn ihr von einer erfolgreichen Mission vom Mars zurückkehrt.

AS: „Wild and Free“ von Curtis Mayfield. In letzter Zeit haben wir viel Curtis Mayfield gehört. Dieses Lied handelt für mich von Stolz, Glück und Feiern. Wenn man vom Mars heimkehrt, möchte man bestimmt Feiern. „Wild and Free“ ist genau das richtige Lied, dass dafür sorgt, dass du dich bewegen willst. Es macht dich glücklich am Leben zu sein und einfach du zu sein.

VL: Mir fällt nichts ein, tut mir leid.

…wenn ihr beerdigt werdet.

VL: Ich möchte ein Lied wählen, dass nicht all zu traurig ist. Es ist traurig genug sich das vorzustellen, auch wenn man weiß, dass der Tod unvermeidbar ist. Ich entscheide mich für „Superfreak“ von Rick James. Über diese Frage habe ich schon öfter nachgedacht und ich verbinde mich selbst mit dem Lied, weshalb das gut passen würde.

AS: Ich möchte kein Langweiler sein, aber ich entscheide mich für einen weiteren Fleetwood Mac Song, und zwar „You make loving fun“. Ich war auf jeden Fall ein ziemlich glücklicher Mensch, weshalb ich möchte, dass die Leute auf meiner Beerdigung Spaß haben. Aus diesem Grund wäre „You make loving fun“ ein toller Abschiedsgruß.

Zum Schluss bleibt dann nur noch eine Frage offen: Wann ist eigentlich der ideale Moment, um Beach House aufzulegen?

VL: Wenn es in der ganzen Stadt einen Stromausfall gibt. Du kannst keine Musik mit deiner Stereoanlage hören. Also nimmst du den Kassettenrekorder, der mit Batterien läuft, steckst dein eigenes Beach House Tape hinein und hörst es dir im Freien an.

AS: Wenn du in deinem Schlafzimmer bist mit dem Mädchen, dass du seit sechs Monaten hier haben möchtest. Es ist drei Uhr morgens und durch das Fenster weht eine warme Brise hinein.

Beach House – Silver Soul

Beach House – Gila

My Soundtrack by Beach House

Playlist:

Smog – I was a stranger

Karen Dalton – Sweet Substitute

Bee Gees – More Than a Woman

Ol’ Dirty Bastard – I Want Pussy

Human Bell – Splendor and Concealment

Brothers Johnson – Strawberry Letter 23

Bob Dylan – She belongs to me

Arthur Russell – Nobody Wants a Lonely Heart

Michael Jackson Smooth Criminal

Fleerwood Mac – Dreams

Dolly Parton – Sweet Agony
Curtis Mayfield – Wild and Free

Rick James – Superfreak

Fleetwood Mac – You make Loving Fun

Links:
www.myspace.com/beachhousemusic
www.beachhousebaltimore.com

von Stefan Kronthaler

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