The Unwinding Hours – s/t

Text: | Ressort: | 26. März 2010

Da komme ich ums Namedropping einfach nicht herum. Wer The Unwinding Hour sagt, muss auch Aereogramme aussprechen – der musikalischen, stilistischen, ästhetischen und personellen Überschneidungen wegen. Aereogramme, diese Schotten, die uns mächtig beeindruckt haben ob ihrer emotionalen Konsequenz bei höchster Perfektion der Darbietung beeindruckt haben und dies vor allem via „Sleep And Release“ und der „Seclusion EP“. Und denen dann aber irgendwie die erwähnte Konsequenz und Perfektion abhanden kam – was wohl neben diversen anderen Gründen (von anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten ist unter anderem auf der MySpace-Seite der Band die Rede – www.myspace.com/aereogrammeofficial) ein nicht zu unterschätzender Aspekt der Bandauflösung vor gut drei Jahr gewesen sein dürfte. Zumindest klang „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ irgendwie ziel-unsicher, unentschlossen, schwankend, geradeso, als wüsste die Band nicht so recht, wohin die Reise nun eigentlich gehen soll (was jetzt nicht unbedingt eine musikalische Wertung sein soll). Aber ein paar Dinge scheinen da noch offen geblieben zu sein, die erledigt und getan werden müssen. Dinge wie das Songtrio „Knut“, „Tightrope“ und „Little One“, mit dem The Unwinding Hours auf furioseste Art und Weise in diese Platte starten. Hinter der Band stecken – für all jene, die es bis dato noch nicht mitbekommen haben – Craig B und Ian Cook, Stimme und Gitarre von Aereogramme, die nun in der Tat relativ naht- und übergangslos an die Ästhetik der Ausgangsband anknüpfen, nur eben diesmal mit jener Konsequenz, die aus „Sleep And Release“ einen Klassiker von, ähem, Emo gemacht hat. Denn am Ende des Tages reden wir natürlich genau davon. Von hochemotionalisierter Rockmusik voller Pathos, die mehr als nur einmal in den Landen des Kitsch‘ zu verorten ist. Nur eben in der schottischen Definition, die sich eher aus den Traditionen von Noise-Pop und (Mogwai-geprägten) Post-Rock speist (im Gegensatz zu der amerikanischen Idee von emotionalen Stadion-Rock, was mir ja grundsätzlich schon mal sympathisch ist). Was aber nichts daran ändert, dass das bereits erwähnte Einstiegs-Songtrio zum Ergreifendsten, Bewegendsten, Großartigsten, schlicht Besten zählt, was ich seit langer, langer, langer Zeit aus dieser Ecke vernommen habe. Obwohl oder gerade weil The Unwinding Hours sehr konsequent und unverhohlen offenkundig alle verfügbaren Register ziehen (man könnte auch salopp sagen: Sie gehen ästhetisch schnurgerade und direkt den naheliegendsten Weg des geringsten Widerstandes zu höchstmöglicher Wirksamkeit): Diese einnehmende Dynamik des sich aufbauenden Wall Of Sounds, von der „Knut“ lebt, ist nun nicht gerade eine bahnbrechende musikalische Innovation, aber dergestalt wirkungsvoll, dass ich mich frage, warum ich dies nicht viel öfter höre – vermutlich, weil es dann doch viel schwieriger ist, dies treffsicher hinzukriegen, als es sich im Ergebnis anhört. Auch die melancholische Schrammel-Indie-Halbballade und der sanfte Herzensbrecher („Tightrope“ und „Little One“) zählt eigentlich zum Standardprogramm einer wahren Heerschar von Bands; nur dass diese zum einen eben nicht über das songwriterische Handwerkszeug verfügen und andererseits auch nicht einen zutiefst charismatischen Sänger wie Craig B an den Start bringen können, der auch mal über ein paar Untiefen hinweg hilft. Denn dies will ich nicht verhehlen: Nach dem famosen Einstieg geht der Band ein bißchen die Luft aus, die beiden Folgesongs wirken im gesamten Kontext eher wie eingestreute Füller, ehe man mit „Peaceful Liquid Shell“ wieder mächtig an Fahrt gewinnt. Sei‘s drum – nicht nur wegen des nunmehr schon mehrfach erwähnten Opener-Festes lohnt sich diese Platte. Es ist auch die – bei aller lustvoll inszenierten melancholischen Emotionalität – leichtfüssige Unbeschwertheit, die mich aus „The Unwinding Hours“ anstrahlt, die mich so wunderbar mit dieser Veröffentlichung versöhnt. Geradeso, als wäre der unglaublich schwere Druck, der aus meiner Sicht hörbar vernehmlich auf „My Heart Has A Wish …“ lastet, mit dem Ende von Aereogramme vollkommen verschwunden. In diesem Sinne ein echter Neuanfang, um an einer bekannten (und funktionierenden, wohlgemerkt) Ästhetik weiter zu arbeiten.

(Chemikal Underground)

www.theunwindinghours.co.uk

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Ein Kommentar »

  1. […] : Persona Non Grata : : : » The Unwinding Hours – s/t http://www.persona-non-grata.de/2010/03/26/the-unwinding-hours-st – view page – cached Da komme ich ums Namedropping einfach nicht herum. Wer The Unwinding Hour sagt, muss auch Aereogramme aussprechen – der musikalischen, stilistischen, ästhetischen und personellen Überschneidungen wegen. Aereogramme, diese Schotten, die uns mächtig beeindruckt haben ob ihrer emotionalen Konsequenz bei höchster Perfektion der Darbietung beeindruckt haben und dies vor allem via „Sleep And… Read moreDa komme ich ums Namedropping einfach nicht herum. Wer The Unwinding Hour sagt, muss auch Aereogramme aussprechen – der musikalischen, stilistischen, ästhetischen und personellen Überschneidungen wegen. Aereogramme, diese Schotten, die uns mächtig beeindruckt haben ob ihrer emotionalen Konsequenz bei höchster Perfektion der Darbietung beeindruckt haben und dies vor allem via „Sleep And Release“ und der „Seclusion EP“. Und denen dann aber irgendwie die erwähnte Konsequenz und Perfektion abhanden kam – was wohl neben diversen anderen Gründen (von anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten ist unter anderem auf der MySpace-Seite der Band die Rede – http://www.myspace.com/aereogrammeofficial) ein nicht zu unterschätzender Aspekt der Bandauflösung vor gut drei Jahr gewesen sein dürfte. Zumindest klang „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ irgendwie ziel-unsicher, unentschlossen, schwankend, geradeso, als wüsste die Band nicht so recht, wohin die Reise nun eigentlich gehen soll (was jetzt nicht unbedingt eine musikalische Wertung sein soll). Aber ein paar Dinge scheinen da noch offen geblieben zu sein, die erledigt und getan werden müssen. Dinge wie das Songtrio „Knut“, „Tightrope“ und „Little One“, mit dem The Unwinding Hours auf furioseste Art und Weise in diese Platte starten. Hinter der Band stecken – für all jene, die es bis dato noch nicht mitbekommen haben – Craig B und Ian Cook, Stimme und Gitarre von Aereogramme, die nun in der Tat relativ naht- und übergangslos an die Ästhetik der Ausgangsband anknüpfen, nur eben diesmal mit jener Konsequenz, die aus „Sleep And Release“ einen Klassiker von, ähem, Emo gemacht hat. Denn am Ende des Tages reden wir natürlich genau davon. Von hochemotionalisierter Rockmusik voller Pathos, die mehr als nur einmal in den Landen des Kitsch‘ zu verorten ist. Nur eben in der schottischen Definition, die sich eher aus den Traditionen von Noise-Pop und (Mogwai-geprägten) Post-Rock speist (im Gegensatz zu der amerikanischen Idee von emotionalen Stadion-Rock, was mir ja grundsätzlich schon mal sympathisch ist). Was aber nichts daran ändert, dass das bereits erwähnte Einstiegs-Songtrio zum Ergreifendsten, Bewegendsten, Großartigsten, schlicht Besten zählt, was ich seit langer, langer, langer Zeit aus dieser Ecke vernommen habe. Obwohl oder gerade weil The Unwinding Hours sehr konsequent und unverhohlen offenkundig alle verfügbaren Register ziehen (man könnte auch salopp sagen: Sie gehen ästhetisch schnurgerade und direkt den naheliegendsten Weg des geringsten Widerstandes zu höchstmöglicher Wirksamkeit): Diese einnehmende Dynamik des sich aufbauenden Wall Of Sounds, von der „Knut“ lebt, ist nun nicht gerade eine bahnbrechende musikalische Innovation, aber dergestalt wirkungsvoll, dass ich mich frage, warum ich dies nicht viel öfter höre – vermutlich, weil es dann doch viel schwieriger ist, dies treffsicher hinzukriegen, als es sich im Ergebnis anhört. Auch die melancholische Schrammel-Indie-Halbballade und der sanfte Herzensbrecher („Tightrope“ und „Little One“) zählt eigentlich zum Standardprogramm einer wahren Heerschar von Bands; nur dass diese zum einen eben nicht über das songwriterische Handwerkszeug verfügen und andererseits auch nicht einen zutiefst charismatischen Sänger wie Craig B an den Start bringen können, der auch mal über ein paar Untiefen hinweg hilft. Denn dies will ich nicht verhehlen: Nach dem famosen Einstieg geht der Band ein bißchen die Luft aus, die beiden Folgesongs wirken im gesamten Kontext eher wie eingestreute Füller, ehe man mit „Peaceful Liquid Shell“ wieder mächtig an Fahrt gewinnt. View page Filter tweets […]

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