Jil Is Lucky – s/t

Text: | Ressort: Musik | 17. Mai 2010

Bei solchen Platten stoße ich seit Jahr und Tag an meine Grenzen. Weder habe ich jemals mit Halluzinogenen „herumexperimentiert“ (wie es Besagte immer gern beschönigend benennen, genau so wie sie Pornos immer nur zu Recherchezwecken ausliehen), noch beschäftigte ich mich überbordend mit den einzelnen „Regelkatalogen“ der Weltreligionen. Auch verspürte ich noch niemals die Lust, mich auf einer längeren Wanderschaft selbst besser kennenzulernen. All diese Parameter spielen aber bei Jil Is Lucky eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ich fühle mich hier also schlichtweg überhaupt nicht zu Hause. Da frohlockt eingedickter Klezmer-Popsaft mit Lametta-behangenen Mariachi-Tumbleweeds. Da verlegt man Americana-Reservate in den Balkan. Dort gospelt man sich mit aller Mühe herüber zum hippiesken Flashmob, bei welchem alle Beteiligten auf Befehl überaus lucky zu sein haben. Verkleistert werden all diese bunten Memory-Kärtchen mit den Insignien des heurigen, heute vorherrschenden Indie-Rockismus. Man kann dabei nicht wirklich etwas gegen Jils Wanderberichterstattung haben, aber diese ganze Appellhaftigkeit zur allumfassenden Offenherzigkeit kann einem schon ganz schön auf den Docht gehen. Weit weg ist das nicht mehr von der seitens Manfred Sexauers beworbenen „Summer Of Love“-Mehrfach-CD-Armuts-Moritat und spätestens hier sollten doch die Alarmglocken zumindest beginnen, zu läuten.

(Roy Music/EMI)

www.myspace.com/jilislucky

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