Bill Wells & Stefan Schneider – Pianotapes

Text: Donis | Ressort: Musik | 1. November 2010

Der Glasgower Tausendsassa Bill Wells (Pastels, BMX Bandits, Isobel Campbell) und der Düsseldorfer Klangstratege Stefan Schneider (ToRococoRot, Mapstation) ergehen sich hier in einem wahren Work In Progress-Kunstwerk. Die von Wells gefertigten Pianofolgen wurden dabei von Schneider per Tonbandaufnahme tempoverändert und neuerlich verspiegelt. Das ergibt im Resultat weder Satie’sche Gebrauchsmusik noch monumentale Clint Mansell-Scorehaftigkeit. Vielmehr werden angeschlagene Töne, geförderte Melancholien und angedeutete Aufbruchstimmungs-Ansätze sanft angedubbt und noch viel schüchterner Synth-fundamentiert. So entsteht eine seltsam erhabene Schwerelosigkeit beim Zuhörer, die an diverse Eno’sche Frühmomente ebenso erinnert, wie an einstige Salbungen des Contemporary Jazz-Planeten. Dabei „verfälscht“ Schneider niemals nur im Ansatz die gestreiften Emotionalitäten seitens Wells’ Bechstein-Variationen. Da wird höchstens sanft Atmosphäre gebauscht, ohne dass das Grundgefühl dem Kärcher überlassen werden müsste. In diesem Land lässt es sich leben.

(Karaoke Kalk/Indigo)

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