Kate Walsh – Light & Dark

Text: | Ressort: | 22. November 2010

Kaum zu glauben, dass solch eine sattelfeste, female Singer/Songwriter-Verifizierung Marke Kate Walsh aus Essex ein überbordendes Internetportal-Phänomen werden könnte. Und doch und gerade verdrängte diese sympathisch-verschwurbelte Dame, die auf dem Cover wie eine Highgrade-Variante Kim Fishers wirkt, mit ihrem Erstlingswerk „Tim’s House“ tatsächlich Take That von der Spitze der britischen Download-Charts. Damit hat Kate wahrscheinlich selbst nie und nimmer gerechnet. Mich lehrt ihr aktuelles Album „Light & Dark“ einmal wieder, dass man doch bitte innerhalb seiner selbstgewählten Antipathien die Pauschalbaggerschaufel nicht immer vollends auf das zu Verhandelnde picken sollte. Eigentlich bin ich ja überaus müde von all diesen süßlich kokettierenden Einsammädchen an denen Gitarren hängen. Die Marit Larsens dieser Erde lassen mich immer wieder in langanhaltende Wutausbrüche verfallen, wodurch ich das Gesamtmodell eigentlich längst abwählte. Und dann kommt auf einmal diese (zumindest auf den ersten Hör) ebenso säuselige Kate Walsh daher, um mich mit ihren Joni Mitchell-Aktualisierungen und ihren Turin Brakes-„Verweiblichungen“ vollends ins Netz laufen zu lassen. Zu meinem Glück geben sich die Stücke aber auch vollmundig und ausgereift instrumentiert und es wird eben auch bei weitem nicht nur (nach-)getrauert und (wohl-)gelitten. Da geht es gern auch einmal um die Parallelweltenstimmung eines ausgewachsenenen Trinkgelage-Katers und mit „Seafarer“ gebar die Walsh dazu noch einen Song, an dem sich Nina Persson immer noch versucht. Der hierzu gewählte Albumtitel spiegelt tatsächlich zu 100 % das Dargereichte wider und eben zwischen diesen beiden Lichtstühlen fühle auch ich mich gefangen, wenn ich nun abermals meine Meinung zur derzeitigen Struktur in Singer/Songwriterhausen neu überdenken muss. Aber eigentlich muss ich das ja gar nicht. A Camp fand ich doch schließlich auch richtig knorke.

(Blueberry Pie/Finest Gramophone/Indigo)

www.katewalsh.co.uk

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