New Idea Society – Somehow Disappearing

Text: | Ressort: Allgemein, Musik, Veranstaltungen | 25. Januar 2011

Überraschung, Überraschung. Passiert ja auch manchmal, dass mich Dinge unverhofft und aus Gründen erwischen, die nicht unbedingt offenkundig auf der Hand liegen. Und die sich mir auch bei intensiven Nachdenken nur zum Teil ergründen. Gut so.

Dabei – dies muss ich einräumen – habe ich es ziemlich lange vor mir hergeschoben, mich dann doch mal mit „Somehow Disappearing“ überhaupt zu beschäftigen. Vieles andere lockte eher und intensiver, die Einsortierung des Ganzen regte mich nun auch nicht gerade zum atemlosen Reinstürzen an. Aber naja, dann kam mal die passende Situation: Ein simpler Abend, der einfach nur ein bißchen Entspannung einfordert –  beim sinnfreien Daddeln am Computer, den Kopf auf Durchzug schalten und davor das sachte, mithin etwas erwartungsfreie Wühlen im CD-Haufen. Ach Mensch, New Idea Society, die liegt ja nun schon eine Weile hier rum und will gehört werden. Wäre der richtige Augenblick. Dann prompt das erste Aufmerken, schon beim Opener „All Alone“ – das klingt jetzt aber bei weitem nicht so schlimm, wie ich es befürchtet hatte. Und schon beim Ende dieses ersten Stückes lege ich das erste Mal die Maus aus der Hand (was man ja bei Rundenstrategie problemlos machen kann – long live Old School!) und überlege: Das ist ja sogar ziemlich okay. Naja, so das ganze alte bekannte Lied des Sich-Langsam-Hochschaukelns über die Stationen „Echt hörbar!“, „Macht jetzt aber richtig Spaß“ bis hin zu „Ehrlich interessant“.

Dabei will ich hier jetzt nicht um den heißen Brei rumreden, wenn es um das Aufziehen von Schubladen geht. Da macht es mir Mike Law, der Kopf hinter der Band, eigentlich auch ziemlich leicht: Hier geht‘s um Emo. Yeah, genau dieses Ding, das auch mir als mausetotes Pferd erschien, totgeritten im Stadion der Massenkompatibilität. Gut, ich spare mir jetzt mal den Nachsatz -core. Weil es darum überhaupt nicht geht – auch wenn sich natürlich irgendwie erahnen lässt, dass da ein gewisser Background schon vorhanden ist. Sondern rein und ausschließlich um „das stärkere Betonen von Gefühlen wie Verzweiflung und Trauer“ sowie um die „Beschäftigung mit gesellschaftlichen, politischen und zwischenmenschlichen Themen“, wie uns das allwissende Internet via Wikipedia mitzuteilen weiß. Oder anders gesagt: Mike Law ist ein Mann, der gerne ausgesprochen melancholische Songs schreibt, in denen es um all jene Dinge geht, die man mithin oft als „Alltagsgeschichten“ bezeichnet. Dabei lugt er schon ganz gerne mal in mehr oder weniger angrenzende musikalische Bereiche wie Folk und vor allen Dingen ziemlich ausgeprägter, ausgewachsener Pop. Allerdings würde ich da nun niemals so weit gehen, da nun von grenzensprengenden Tun zu sprechen – wobei ich schon ein wenig gestaunt habe, dass da als mögliche Referenz gar so etwas wie „Synthie-Pop“ herangezogen wurde.

So weit, so normal. Was ist nun aber der Punkt, der mich an „Somehow Disappearing“ so interessiert? Da habe ich wirklich lange drüber nachgedacht: Das Songwriting allein kann‘s nicht sein, auch wenn ich Mike Law da gerne ein paar sehr feine Ideen attestiere. Vielleicht liegt es an der ziemlichen Konsequenz, mit der da vorgegangen wird. Die Zielstrebigkeit, mit der er sich auch auf das Prinzip Pop im Sinne des „Mal das Naheliegende tun, auch wenn es so überhaupt nicht in das musikalische Raster passt“ einlässt. Was der Sache prompt etliche Schelte einbringt – gut kann ich verstehen, wenn der ganzen Geschichte in diversen Reviews aus jener Ecke, in der man hinter Emo zwingend noch das Wörtchen -core mitdenkt, eine gewisse Mittelmäßigkeit, Seichtheit, gar Weichkäsigkeit vorgehalten wird. In der Tat liefert Mike Law den Peak niemals offensichtlich mit, die breitbeinigen Rockismen müssen ebenso draußen bleiben wie die Stadionatmosphäre. Ich für meinen Teil vermisse beides nicht – im Gegenteil. Die Annäherung an Pop via Keyboard und Piano und vor allem im entsprechenden Umgang damit macht zumindest für mich einen großen Teil des Charmes der New Idea Society aus.

Unterm Strich bleibt es dennoch eine Überraschung. Eine Überraschung deshalb, weil „Somehow Disappearing“ genau genommen eine Platte ist, die mich auf gar keinen Fall kriegen dürfte. Nie und nimmer. Naja, dafür habe ich diese zwölf Songs in letzter Zeit aber ganz schön häufig gehört.

New Idea Society sind unterwegs und wie folgt live zu erleben

26. Januar – Leipzig, Conne Island

27. Januar – Berlin, Schokoladen

28. Januar – Dresden, AZ Conni

29. Januar – Tarnowskie Gory (PL)

30. Januar – Prag, Club Strahov 007 (CZ)

31. Januar – Brno, Muzejka (CZ)

1. Februar – Babice, KD (CZ)

3. Februar – Cluj, Flying Circus (RO)

4. Februar – Budapest, A38 Ship (HU)

5. Februar – Hagenberg, Eiskeller (AUT)

6. Februar – Montebelluna, Osteria Tochetto (IT)

7. Februar – Milan, Magnolia (IT)

8. Februar – Parma, McQueens (IT)

9. Februar – Pisa, Circolo Caracol (IT)

10. Februar – Rorschach, Mariaberg (CH)

11. Februar – Paris, L‘International (FR)

13. Februar – Gent, Cafe Video (BE)

15. Februar – Exeter, Cavern (GB)

16. Februar – London, Camp (GB)

17. Februar – Le Havre, Le Mac Daid‘s (FR)

„Somehow Disappearing“ ist auf Shiny Shoes/Cargo erschienen.

www.newideasociety.com

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