Interpol und Matthew Dear auf Tour

Text: | Ressort: Musik, Veranstaltungen | 20. Februar 2011

Eine Konzertankündigung für eine Band wie Interpol aus New York City zu schreiben bedeutet eigentlich Eulen nach Athen zu tragen. Wer noch zu jung ist, um Interpol zu kennen, was den Musikgeschmack betrifft aber trotzdem auf der „guten Seite“ steht, den sollte man unter den Arm klemmen und mit zum Konzert nehmen. Für Fans der Band, die der ersten Stunde (wir) und die später Hinzugekommenen (ihr), herrscht am 10. März im Leipziger Haus Auensee sowieso Anwesenheitspflicht. (Das gilt natürlich ebenso für jeden, der anderen Termine.) Und all die anderen können sowieso zuhause bleiben! So in etwa sieht’s aus, wenn die im Kern zum Trio geschrumpfte Band, die früher fälschlicherweise als Joy Division-Abklatsch abgetan wurde, mal wieder vorbeikommt. Nachdem man vergangenes Jahr schon die üblichen 1A-Pflichtorte dieser Republik beglückt hat, ist nun mal wieder die Provinz dran. Nach diversen Gastspielen in den vergangenen Jahren in der sächsischen Landeshauptstadt trauen sich Paul Banks, Daniel Kessler und Sam Fogarino und Co. nun endlich auch mal nach Leipzig, wo es eine nicht unerhebliche Anzahl von Jüngern der Band geben soll. Vom weiten Umland mal ganz abgesehen! Wer nicht (mehr) dabei sein wird, und wem berichte ich das eigentlich, ist Carlos D., mit Popstars-Schwachmat Detlef D! weder bekannt noch verwandt. Carlos, der geraume Zeit schon lieber auf seinen richtigen Familiennamen Dengler hört, hatte das theatralische Schiffschaukelspielen mit seinem Bass satt und sein unvermeidliches Pistolenholster in die Ecke geworfen.

Gott sei Dank hat er zuvor aber noch Interpols letztveröffentlichte Platte, die den Bandnamen trägt und Mitte letzten Jahres erschien, mitgestaltet. Die ist in weiten Zügen genauso düster ausgefallen wie ihre Vorgänger. Und mal Hand aufs Herz: Was anderes will auch niemand von denen hören! Was sich geändert hat ist das Styling der Band. Man leistet sich nun sogar lässige Kleidung abseits der ehedem üblichen Anzüge und Schlipse, sogar andere als gedeckte Farben kommen zu Einsatz. Und: Man gestattet sich ab und an ein Lächeln! Sogar auf Promofotos!!

Ansonsten ist glücklicherweise alles beim Alten geblieben und das ist, um mal den berühmten Satz des Berliner OBMs zu zitieren „auch gut so“. Freuen wir uns also auf einen Abend voller vertrauter, düsterer Melodien, freuen wir uns auf einen Monolith von einem Konzert. Einen Abend ohne viel verbalen Schmus wie Ansagen oder weitschweifige philosophische Betrachtungen zur Zeit. Uns reicht ab und an ein kurzes „Danke“.

Don Bass

PS: Nicht zu Verachten ist auch die Vorband, d.h. der Künstler, der die ehrenvolle Aufgabe hat den Abend zu Eröffnen: Matthew Dear. Und auf jeden Fall ergeht von hier der Tipp rechtzeitig vor Ort zu sein!

Matthew Dear Artikel siehe hier.

Tourdaten Interpol:

3. + 4.3. Docks, Hamburg,
6.3. Sentrum Scene, Oslo
7.3. Cirkus, Stockholm
8.3. KB Hallen, Frederiksberg
10.3. Haus Auensee, Leipzig
11.3. Rokhall, Esch-Alzette – Luxemburg,
12.3. Kesselhaus, München

Fotos: Roskilde 2005, K. Nauber

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