Die PnG-Kinowoche

Text: | Ressort: Film | 1. Februar 2012

Dame, König, As, Spion

GB/F/D 2011 / R: Tomas Alfredson / D: Gary Oldman, John Hurt

Millionen von Lesern verschlingen weltweit die Spionageromane von John Le Carré. Die Mischung aus spannender Fiktion und authentischem Insiderwissen lieferte in der Phantasie der Käufer das Drehbuch für den Kalten Krieg. Das Herzstück seines Schaffens ist die Figur des Smiley, der 1961 erstmals in dem Roman „Schatten von Gestern“ in Erscheinung trat. Das 1974 erschiene Buch „Dame, König, As, Spion“ ist der sechste der achtteiligen Reihe. Zur Hochzeit der Geheimdienstaktivitäten von KGB, MI6 und CIA spielt Le Carré darin meisterhaft mit Argwohn und Ängsten seiner Leser.

In den Mittelpunkt der Handlung stellt er einen Schatten, einen stillen Beobachter, durch dessen Augen wir die Handlung erleben. George Smiley ist eine perfekte Projektionsfläche für die Phantasie des Lesers. Der gealterte Agent ist der Vertraute des MI6-Chefs „Control“ (John Hurt). Als jedoch ein Einsatz in Budapest schief läuft und Unbeteiligte ums Leben kommen, muss der Kopf seinen Hut nehmen und nimmt seine rechte Hand mit in den Ruhestand.

Im „Circus“, dem Hauptquartier der Organisation hat eine neue Garde unter der Leitung des intriganten Percy Alleline (Toby Jones) die Führung übernommen. Smiley zieht sich in seine leere Wohnung zurück, in der ihn seine Frau vor einiger Zeit zurückgelassen hatte, und starrt die Wand an. Auch „Control“ verkraftet die Entmachtung nicht und stirbt kurz darauf. Zurück lässt er ein Schachspiel, dessen Figuren die Protagonisten der Führungsetage darstellen. „Control“ war auf der Spur eines Maulwurfs in den obersten Reihen.

Smiley tritt sein Vermächtnis an und macht sich gemeinsam mit dem jungen Agenten Guillam (Benedict Cumberbatch) auf die Jagd. Dabei sind alle Verdächtigen langjährige Vertraute: der aalglatte Bill Haydon (Colin Firth), der altgediente Roy Bland (Ciarán Hinds), der verlässliche Bürokrat Toby Esterhase (David Dencik) und er selbst geraten ins Fadenkreuz. Die Antwort liegt in Budapest.

Eine beachtliche Riege britischer Schauspielgrößen gibt sich die Ehre in diesem Politthriller, der nicht nur in seiner detailgetreuen Ausstattung angenehm altmodisch wirkt. Das langsame Erzähltempo steht in krassem Gegensatz zur bleihaltigen Agentenaction des Gegenwartskinos. Hier sind noch schauspielerische Qualitäten gefragt. Hier retten keine schnellen Schnitte ein mit Logiklöchern durchsetztes Drehbuch. In all diesen Disziplinen besteht das englischsprachige Debüt des Schweden Tomas Alfredson, dessen Vampirdrama „So finster die Nacht“ vor zwei Jahren für Begeisterungsstürme sorgte, meisterhaft.

Grimmig seziert der Plot die politische Dimension der Ereignisse. Hoch spannend zieht sich das Geflecht Zug um Zug immer enger zusammen, tragisch und berührend die menschlichen Seite eines seelenlosen Geschäfts, in dem über Leichen gegangen wird. Dazu spielt der Spanier Alberto Iglesias, dessen Klänge schon zahlreiche Filme seines Landsmannes Pedro Almodóvar veredelten.

Bereits 1979 adaptierte die BBC den Roman in einer siebenteiligen Fernsehserie. Alec Guinness gab damals eine grandiose Vorstellung als Smiley. Gary Oldman steht ihm dreißig Jahre später in nichts nach. Hinter den Augen, die sich unter den Falten und der dicken Brille verbergen, brodelt es. Le Carré selbst hat sich für die Kinoadaption des Stoffes eingesetzt und fungierte als ausführender Produzent. Wer genau hinsieht entdeckt ihn sogar in einer Szene des Films. Was für ein gelungenes Vermächtnis und was für ein Glücksfall für Freunde des anspruchsvollen Kinos.

Die Kunst zu gewinnen – Moneyball

USA 2011 (Moneyball) Regie: Bennett Miller mit Brad Pitt, Jonah Hill, Ken Medlock, Philip Seymour Hoffman 133 Min.

Die Geschichte des Ex-Baseballprofis und Managers Billy Beane, der mit seiner radikalen Taktik den gesamten Sport umkrempelte geht weit über das Sportliche hinaus. Bennett Miller erzählt auch von einem Mann, der die an ihn gestellten Erwartungen nicht erfüllen konnte und zeitlebens darunter litt. Brad Pitt verkörpert den Helden der Oakland A’s mit eindrucksvoller Präsenz und gleicht dabei mehr als je zuvor seinem großen Vorbild Robert Redford.

D 2011 / R: Hans Weingarter / D: Peter Schneider, Henrike von Kuick, Timur Massold

Hans Weingartner bleibt auch vier Jahre nach seinem letzten Langfilm „Free Rainer“ unbequem. Der geniale Mathematiker Martin kommt gerade aus der psychiatrischen Anstalt. Er arbeitete bis zur Erschöpfung, bis sein Gehirn dem Druck nicht mehr standhielt. Nun versucht er wieder auf die Beine zu kommen, verliert jedoch bald wieder den Halt. Zahlen sind das Einzige, woran er sich festklammern kann. Erst als er aus der Großstadt in den Wald flieht, scheinen die Stimmen zu verstummen. Weingartners wissenschaftlicher Hintergrund kommt auch hier zum Tragen, subtrahiert sich am Ende auf den elementarsten Nenner. Das ist ehrenwert, funktioniert filmisch trotz eines überragenden Hauptdarstellers aber nicht immer überzeugend.

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