Große Dinge – So macht 2012 Spaß

Text: Jensor | Ressort: Allgemein, Musik, Radio, Veranstaltungen | 7. Februar 2012

Dylan Carlson/Earth (Foto: Sarah Barrick)

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus: Das Jahr 2012 beschert mir gleich drei feine musikalische Ereignisse. Die laufen zwar strikt außerhalb der gängigen Festival-Wertungen (so in der Preislage Melt! und Konsorten, bei denen halt die Üblichen Verdächtigen am Start sind), überzeugen aber mit ausgesuchter Geschmacks- und Stilsicherheit, ausgeprägtem Hang zum Experimentierfreudigen und einer wohligen familiären Atmosphäre. Part 1: Doom over Leipzig 2012 vom 28. bis 31. März. Und darüber wird zu reden sein – am Freitag, 10. Februar, von 21 bis 23 Uhr auf Radio Blau.

Dafür haben wir uns selbstredend das Doom over Leipzig-Team mit Eldar Fano, Björn Hinrichsen, Slevin Kelevra und Alexander Obert ins Studio eingeladen. Um einfach mal über dieses Festival zu reden, über die Intentionen, die hinter Doom over Leipzig stecken, die Erfahrungen, die mit der ersten Auflage 2010 gesammelt wurden und natürlich über die Musik. Warum jetzt schon, wenn das Festival an sich noch gut anderhalb Monate hin ist? Einfache Frage, klare Antwort – weil die großen Dinge eben manchmal Schatten werfen und zwar in Form von zwei Warm Ups, die uns bereits im Februar in die richtige Laune bringen. Worüber denn auch zu sprechen sein wird, denn hier ist auch gleich noch ein Record Release dabei – Eldar Fano und seine Mitstreiter von Kasan werden die neue Platte „Drown“ vorstellen. Was auch gleich deutlich macht, dass hinter diesem Ding „Doom over Leipzig“ eben nicht die Üblichen-Festival-Verdächtigen stecken, sondern mit Eldar (Modern Obsession Booking), Björn Hinrichsen (Secret Girl Acts, Booking), Slevin Kelevra (Under The Silence) und Alex Obert (Sick Man Getting Sick Records) Leute dahinter stehen, die dieses Prinzip DIY verinnerlicht haben. Und die diese ganze Geschichte aus einem herrlich oldschooligen Gefühl der „Liebe zur Musik“ heraus machen.

Ô Paon (Foto: Ô Paon)

Also, die Fakten: Doom over Leipzig 2012 hat gleich zwei Vorläufer, die beide in Uschis HC Imbe (Zschochersche Straße 23) über die Bühne gehen werden. Die bereits erwähnte Release-Party von Kasans „Drown“ steigt am 18. Februar (ab 20 Uhr) und gibt uns außerdem noch die Auftritte der Leipziger Bands Panta Rhei, Oaken Heart und Tiger Magic. Das zweite Warm Up findet am 25. Februar (gleiche Zeit, gleiche Stelle) statt und bietet mit Kerretta gleich einen weiteren feinen Namen (ich darf die im letzten Jahr via Golden Antenna erschienene Platte „Saansilo“ allen Freunden metallisch angehauchtem Post-Irgendwas warm ans Herz legen). Gespannt bin ich auch mal auf Abrakadabra – was da so an Material durch das allwissende Internet geistert, weiß mich zu überzeugen. Und noch mit dabei ist die Leipziger Band Guts‘n‘Guns.

Laufen die Warm Ups nach dem vollumfänglich lobenswerten Prinzip „Support Your Local Scene“, docken wir uns zum eigentlichen Doom over Leipzig an vier Tagen im UT Connewitz wie gewohnt ans, ähem, Große Ganze an. Was ich damit sagen will: Yeah, das kann sich sehen und hören lassen, was wir da vom 28. bis 31. März zu hören und sehen kriegen. Was am 28. März mit einem wirklich feinen Kinoerlebenis beginnt: Ich finde ja schon, dass man sich „BLOOD, SWEAT, AND VINYL: DIY in the 21st Century“ von Kenneth Thomas unbedingt reinziehen kann, was jetzt nicht nur an den Auftritten von Neurosis, Evangelista, Cave In oder Oxbow (YEAH!) liegt. Sondern auch daran, dass dieser Film vielleicht ein wenig eine Antwort auf die Frage geben kann, warum diese Bands und Labels wie Neurot, Hydra Head oder Constellation bis zum heutigen Tag, nun ja, funktionieren.

So, der Rest im Schnelldurchlauf zum Staunen: Am 29. März gastieren die unfassbaren Earth, um unter anderem ihre neue „Angels Of Darkness, Demons Of Light Part 2“ (erscheint am 24. Februar) vorzustellen. Erster Eindruck: Dylan Carlson arbeitet verstärkt an Reduktion bei gleichzeitiger Melancholisierung via Cello. Mit im Festival- (und Tour-) Package sind der nicht minder unfassbare Phil Elvrum aka Mount Eerie mit seiner wirklich außergewöhnlichen Interpretation von Singer/Songwritertum sowie die mir bis dato unbekannten Ô Paon. Dahinter verbirgt sich ein Musikprojekt der kanadischen Comic-Zeichnerin und Illustratorin Geneviève Castrée, die vorher als Woelv via K Records schon zwei Platten veröffentlicht hat (womit sich der allgemeine Kreis wieder schließt – immerhin wirkte bei der neuen Earth-Platte auch K-Macher Karl Blau mit, ne). Nun, ich habe mich ein wenig kundig gemacht und bin aufgrund von Songs wie „Sainte-Patronne de Rien Pantoute“ von der letzten Ô Paon-Platte „Courses“ mehr als gespannt.

Scraps Of Tape (Foto: scrapsoftape.com)

Der 30. März gehört dann ganz den beiden neuen Brüdern im Geist Scott „Wino“ Weinrich und Conny Ochs, deren aktuelle „Heavy Kingdom“-Veröffentlichung schlicht grandios ist. Sorry, muss ja auch mal gesagt werden. Das charmante Sahnehäubchen auf einem Abend, der mit Downfall of Gaia (dick, Leute, echt dick), den schwer psychedelisierten White Hills und den ordentlich rummsenden Gottesmorder auch das ein oder andere Ohr zum Fiepsen bringen dürfte (worauf man sich ja immer wieder freut).

Zum Abschluss dürfen am 31. März Celeste aus dem Denovali-Stall ihre Version der finsteren Apokalypse unter Sludge-Bedingungen zelebrieren. Auch auf eine Band wie Scraps Of Tape freue ich mich immer wieder – erst recht, weil mich „Resident Flux“ aus dem letzten Jahr auch auf Tonträger rundum überzeugt hat. Eine gewisse heimelige Vorfreude hält sich auch auf Planks, die durchaus das Zeug haben, sich in das Feld meiner Lieblings-Metallköpfe vorzukrawallen, sowie auf die Intrumentalisten von O. Ach ja – und wer dann immer noch Böcke hat, kann sich ja bei der Doom over Leipzig-Aftershow im Ilses Erika anständig vollkrachen lassen. Hehe, danke für diese feine Idee (wer auch immer darauf gekommen sein mag).

SchnAAk (Foto: Klaus Nauber)

Und wenn wir gerade bei großen Dingen sind: Zwei weitere Termine sollte man sich schon mal im Kalender markieren (oder wegen mir im Smartphone ankreuzen). Am 27. und 28. Mai laden unsere Dresdner Freunde von Discorporate Records gleichfalls zum Festival – unter dem schönen Motto „Celebrating 5 years of Freedom to Chaos“ fassen wir uns alle in der Dresdner Scheune an den Händen und tanzen zum Jubiläum. Aufspielen werden die hier ja hochgeschätzten SchnAAk, Troy Mighty aka Dead Western, die Gnarled Bikers, Electric Electric aus Frankreich, Many Arms aus den USA, die Cotton Ponies aus Erfurt, unser Freund Conny Ochs und Tarentatec aus dem Discorporate-Stall. Zugänge sind durchaus noch möglich. Ach ja, auch hier gibt‘s ein Warm Up und zwar am 26. Mai mit den unglaublichen ZA!, irgendwie ein Pflichttermin, für den aber die Location aktuell noch nicht feststeht.

Broken.Heart.Collector (Foto: Kurt Prinz)

So, und noch etwas erwärmt mein Herz in diesen bitterkalten Zeiten: Diesmal gibt es gleich drei Tage South Of Mainstream! Warum mir dieses Festival so ans Herz gewachsen ist, kann man nachlesen. Deshalb gibt es für mich vom 6. bis 8. September nur einen einzigen Platz – der Sportplatz in Schönewalde-Stolzenhain, von dem man bequem die paar Meter bis zum Festivalgelände laufen kann (Augen auf beim Zeltaufbau! Regionen mit Löchern meiden, um schmerzhaften Bänderdehnungen aus dem Weg zu gehen. Ich weiß, wovon ich rede). Weil wahrscheinlich alle anderen auch da sind. Zudem macht das Line Up jetzt schon richtig Bock – Ostinato wollen sich beispielsweise zu einer einmaligen Reunion-Show zusammenfinden. Und Bands wie Stinking Lizaveta, Black Shape Of Nexus, Broken.Heart.Collector, Darsombra oder Khuda rechtfertigen die Anwesenheit allemal. Wobei ich persönlich ja vor allem auf die großen Unbekannten gespannt bin – auf Xanthan Gum und Versus The Stillborn-Minded, auf DxBxSx und Antlered Man, auf Ornah-Mental, Aran Epochal und 21-10 Tschai Ka. Schließlich habe ich mir ja immer eine neue Lieblingsband vom SOM mit nach Hause genommen.

www.doomoverleipzig.wordpress.com
www.discorporate-records.com
www.southofmainstream.de

28.-31.03.  Doom Over Leipzig, UT

28.03. Donnerstag

Pre-Sale Evening & Screening “BLOOD, SWEAT + VINYL: DIY in the 21st Century”
www.bloodsweatvinyl.com/
Trailer: www.vimeo.com/27041738
(2011, 91 min, Produced & Directed by Kenneth Thomas)

29.03. Freitag

in cooperation with UT CONNEWITZ and SCHUBLADENKONSORTIUM
+ Earth
+ Mount Eerie
+ Ô Paon

30.03. Samstag

+ Scott “Wino” Weinrich and Conny Ochs
+ Downfall of Gaia
+ White Hills
+ Gottesmorder

31.03. Sonntag

+ Celeste
+ Scraps of Tape
+ Planks
+ O

Aftershowdoomdisko “From Doom till Dawn” at Tanzcafé Ilses Erika
Costs: EUR 4.00; w/ Festival- or Day-Ticket FREE

DJs:
· USBkutan (Vertigo, Aequalis)
· Magic Moment (Slow System)
· N.akin (IFZ, Aequalis)
· XVII (Vertigo)

Festival-Ticket: EUR 33.00
There will be 150 Festival-Tickets available only.

Day-Ticket: EUR 14.00
There will be 300 Day-Tickets (per day) available only.

www.doomoverleipzig.wordpress.com/tickets

utconnewitz.de

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2 Kommentare »

  1. Doom over leipzig.. das ist ja noch ein Grund nach Leipzig zu fahren.. Vielleicht sollte ich nicht so viel in Euren Seiten blättern, sonst muss ich noch umziehen..
    Grüsse aus Berlin

  2. ja immer eine reise wert, das klein-paris….

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