Die PnG-Kinowoche

Text: | Ressort: Film | 5. März 2012

Young Adult

USA 2011 / R: Jason Reitman / D: Charlize Theron, Patrick Wilson

Was wird aus den strahlenden Cheerleadern, It-Girls und Prom-Queens der amerikanischen Highschools, wenn die Schule aus ist? Vielleicht eine so traurige Gestalt wie Mavis Gary (Charlize Theron). Die 37jährige ist nur noch ein Schatten der Legende, die sie in ihrem Heimatort repräsentiert. Als Autorin einer Buchreihe für junge Erwachsene lebt sie in Minneapolis die Illusion eines erfolgreichen Lebensweges, bis sie eine E-Mail mit der Realität konfrontiert: ihr früherer Schwarm Buddy Slade (Patrick Wilson) hat Nachwuchs bekommen.

Für Mavis bricht eine Welt zusammen, auch wenn sie es sich in keinem Moment eingestehen würde. Nach einem weiteren belanglosen One-Night-Stand reist sie in die Heimat, mit der festen Absicht im Gepäck, Buddys Herz zurück zu gewinnen. Die Ankunft in der Provinz konfrontiert sie jedoch endgültig mit ihren Problemen.

Erneut ist Jason Reitman gemeinsam mit Diablo Cody, die schon die Story für „Juno“ lieferte, ein vielschichtiges Wunderwerk im Konfliktfeld zwischen Tragik und Komödie geglückt. Abseits von Stereotypen und Rollenklischees erzählen sie eine ernste Geschichte mit überraschender Leichtigkeit. Vortrefflich bringen sie die fauligen Abgründe hinter der manikürten Fassade ihrer Protagonistin ans Licht und es ist zutiefst beeindruckend, wie Charlize Theron ihre Figur äußerlich und innerlich entblößt. Dafür darf sie erneut auf einen Oscar hoffen. Reitman hat derweil auch in seinem vierten Film alles richtig gemacht.

Shame

GB 2011 / R: Steve McQueen / D: Michael Fassbender, Carey Mulligan

Wieder Fassbender: neben der Agentenrolle im neuen Soderbergh steht der gebürtige Heidelberger in diesem Monat erneut vor der Kamera von Steve McQueen, in dessen „Hunger“ er vor zwei Jahren erstmals eindrucksvoll die schauspielerischen Grenzen auslotete. In „Shame“ gibt er den sexsüchtigen Brandon. Nach außen hin erfolgreicher Businessman, ist sein Computer gefüllt mit Pornographie, Frauen sind für ihn rein sexuelles Objekt der Begierde und zwischendurch stiehlt er sich immer wieder in die Toilette, um Druck abzubauen. Seine Zwänge hat er scheinbar perfekt in den Tagesablauf integriert. Niemand bemerkt etwas. Doch die aalglatte Fassade erhält erste Risse, als seine Schwester Sissy (Carey Mulligan) unangemeldet in seiner New Yorker Wohnung auftaucht und bleibt. Durch sie muss er sich erstmals mit sich und seinen Verhaltensmustern auseinandersetzen.

Intensiv und schonungslos seziert McQueen eine äußerlich perfekte Existenz und rückt ein Krankheitsbild in den Fokus, das in der Gesellschaft totgeschwiegen wird. In der Übersexualisierung der Öffentlichkeit stellt Brandon ein Ventil für die mediale und kommerzielle Perversion der Sexualität dar. Michael Fassbender verkörpert ihn als getriebenen Durchschnittstypen, hinter dessen Mauer sich Abgründe verbergen. Seine kompromisslose Darstellung wurde in Venedig zu Recht mit dem Darstellerpreis gewürdigt.

Die eiserne Lady

GB/F 2011 / R: Phyllida Lloyd / D: Meryl Streep, Jim Broadbent

Margaret Thatcher ist die vielleicht umstrittenste Figur in der britischen Politik. Zwar brachte sie das Land in einer Zeit der Rezession wieder in die Spur, jedoch tat sie dies mit dem fragwürdigen Mittel des Kahlschlags und auf dem Rücken der Bevölkerung. In Großbritannien will man dem ehemaligen Staatsoberhaupt deshalb gar das Staatsbegräbnis verwehren.

Dabei ging sie mit hehren Zielen in die Politik. Die Krämerstochter hatte die Prinzipien eines erfolgreichen Unternehmens bereits mit der Muttermilch aufgesogen. So sah sie zunächst auch den Staat als Laden, den es zu sanieren galt. Obwohl sie 1953 die Zwillinge Carol und Mark zur Welt brachte, ließ sie sich nie in die Rolle der Hausfrau drängen und behauptete sich gegen ihren Mann Denis, den sie in der Partei kennen lernte.

Ihren Aufstieg zur Premierministerin schildert Phyllida Lloyd („Mama Mia“) in Rückblenden. Zurückgezogen und allein zeigt sie die stolze Frau in ihrem bewachten Haus. Dabei gesteht sie der „Eisernen Lady“ immer wieder liebenswert menschliche Züge zu. Eine Entscheidung, die beim britischen Publikum nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß. Meryl Streeps Verwandlung in die Politikerin ist jedoch über alle Zweifel erhaben und brachte ihr zu Recht ihren achten Golden Globe ein.

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