Beach House – Bloom

Text: | Ressort: Musik | 18. Mai 2012

Victoria Legrand und Alex Scally haben ihr Erfolgskonzept von Zweitausendundzehn, als sie mit „Teen Dream“ ein Album von ausufernder Opulenz in ein schlankes formales Korsett aus Midtempo, laid-back-Gesang und sphärisch-zirkulierenden Akkordfolgen übersetzten, weiter ausgebaut. Wobei die Zutaten diesmal noch gewogener erscheinen. Fast hätte ich einige Songs für Donna Regina-Stücke gehalten, so sehr ähneln sie in ihrer Abgeklärtheit denen des Duos Regina Janssen und Günther Janssen. Die stärkere Betonung und Elektrifizierung der Rhythmuspassagen, gegenüber dem eher an Folk orientiertem Klang von „Teen Dream“, macht „Bloom“ einerseits eingänginger – bisweilen sogar tanzbar -, andererseits wird ein noch höherer Abstraktionsgrad erreicht. Und jener Grad an Vereinfachung und Geradlinigkeit läßt das Album zeitlos und schwebend klingen.

Alle Texte sind noch knapper gehalten als beim Vorgänger-Album, werden aber weiter mit einem gewissen Hang zur Beschwörungsformel, teils mit gesteigerter Einfühlung vorgetragen – zwei klassischen Zutaten von Pop-Gesang, die mir gewöhnlich schon mal – hier aber kaum – auf den Magen schlagen: „help me to name it. help me to name it“.

Melancholie rules, Romantik controls. Aber, Alles völlig lakonisch vorgetragen.

Einen ähnlichen Effekt, eine ähnliche Entwicklung hatte ich zuletzt bei Young Galaxy oder auch bei White Hinterland beobachtet. Wenn das also ein Trend, ein Bestreben sein sollte, weg von Folk, hin zur Reduktion, zur Abstraktion, dann gehe ich gern damit überein. Denn, es eröffnet abseits der ausgetretenen Wege von Post-Wave und Post-Folk eine neue Möglichkeit, die gerade songwriter-orientierte Gruppen ein Stück herausführt aus den indie-nerdigen, von Paisleymustern oder Achtziger-Jahre-Ramsch besetzten Soundknäuel-Wohlfühl-Fallen. In klaren, sonnendurchfluteten, monochromen Räumen herrschen dann Laborbedingungen unter denen verzwackte, verstörte und rauschhafte Gefühlsmusiken ausnüchtern zu geisterhafter Coolness auf überfüllter Ferien-Autobahn: „it’s a strange paradise. you’ll be waiting“

SubPop/Bella Union

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