Die PnG-Kinotipps

Text: Herr Lose | Ressort: Film | 1. Juli 2012

The Amazing Spider-Man

USA 2012 / R: Marc Webb / D: Andrew Garfield, Emma Stone

Es ist gerade mal zehn Jahre her, dass Sam Raimi die Saga um den Spinnenmann frisch und aufregend fürs Kino adaptierte. Tobey Maguire machte er zum Star und zwei Fortsetzungen ließen die Kasse klingeln. Warum also bereits jetzt eine Neuinterpretation auf die Leinwand bringen? Nun, zum einen gab Raimi einem bereits geplanten vierten Teil den Korb und damit war auch Maguire aus dem Rennen. Zum anderen offerieren sich durch die 3D-Technik neue Möglichkeiten, die wie geschaffen sind für das Spinnenspektakel. Darüber hinaus gibt es aber vor allem noch reichlich Stoff, der auf seine Kinoerzählung wartet.
Zunächst besucht „The Amazing Spider-Man“ aber bekannte Orte, die untrennbar mit dem Schicksal Peter Parkers verbunden sind: die Highschool, wo er den Hänseleien seiner Mitschüler ausgesetzt ist, das Haus von Onkel Ben und Tante May, wo er aufwächst, und Bens tragischer Tod in den Straßen New Yorks durch die Hand eines Ladendiebs. Die Spinnenwerdung und auch die Liebesgeschichte zu der blonden Gwen Stacy erzählt die Neufassung jedoch vollkommen anders und mit dem Antagonisten dieser Episode hat man eine wesentlich ambivalentere Figur gewählt. Der Lizard ist nämlich zunächst ein Freund und Kollege von Peters verschwundenem Vater. Professor Curt Conners träumt von einer Welt ohne Leid und erst als ein Selbstversuch misslingt, wird er zum Monster und Peter zum Retter mit Netz.
Die Version von Marc Webb („(500) Days of Summer“) hat also einige frische Ideen zu bieten. In der Comicbranche sind neue Interpretationen einer bekannten Geschichte durchaus üblich, wenn ein neuer Chef-Zeichner hinzu stößt. Webbs Version ist dunkler und actionreicher. Allerdings ist „The Amazing Spider-Man“ kein „Spider-Man Begins“, also keine radikale Neuorientierung, geworden. Peter Parker ist immer noch ein sympathischer Typ von Nebenan, mit dem sich die Zielgruppe identifizieren kann. Andrew Garfield spielt ihn facettenreich und cool und die Chemie zwischen ihm und Emma Stone stimmt. Spidey beweißt also auch bei seinem Comeback bestes Popcornpotential und hervorragende Blockbusterqualitäten.

W.E.

GB 2011 / R: Madonna / D: Abbie Cornish, Andrea Riseborough

Eine interessante Figur der britischen Monarchie hat sich Madonna für ihr langes Regiedebüt ausgesucht: Wallis Simpson. Für sie verließ King Edward VIII. seine Frau und den Thron. Im preisgekrönten Kinoerfolg »The King’s Speech« wurde diese Liaison bereits am Rande erwähnt, führte sie doch zur Thronfolge King Georges VI. Wie sich Wallis und Edward kennen und lieben lernen, ist durchaus einen eigenen Film wert. Madonna sah das allerdings etwas anders und stellt dem historischen Stoff eine Liebesgeschichte in der Gegenwart zur Seite. So verknüpft sie dasJetzt und die Rückblenden immer wieder auf recht unbeholfene Weise. Am Ende hat man einen unbefriedigenden Film gesehen, der vielleicht zwei gute hätte werden können.

Ai Weiwei – Never Sorry

USA 2011 / R: Alison Klayman

Ai Wei Wei ist durch seine Verhaftung und Freilassung auf Kaution im Jahr 2011 weltbekannt geworden. Alison Klayman liefert das Porträt des Ausnahmekünstlers, das sowohl auf seine politische Rolle, als auch auf seinen persönlichen Hintergrund eingeht. Hier kann man ihn also näher kennenlernen.

Oder geht es mehr um die chinesischen Verhältnisse? In vielen Gesprächen zeichnet die amerikanische Journalistin und freie Filmemacherin ein umfassendes Bild. Mit der Kamera begleitet sie Ai Wei Wei auf Künstlerreisen in alle Welt und beim Kampf für die Menschenrechte in seiner Heimat. Ein brisantes, mutiges filmisches Dokument. Etwas einseitig zwar – aber in Sundance zu recht mit dem großen Preis der Jury ausgezeichnet.

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