Crocodiles – Endless Flowers

Text: | Ressort: Musik | 23. August 2012

Freitag im Kopf – Crocodiles

Das ganze schlurfig Ruhende mit Yo La Tengo-Anklängen versetzte experimentelle Dahinschweben – siehe als Referenz die hervorragende „Fires Of Comparison“-EP von 2009, erschienen bei Fat Possum Records aus Mississippi – hat sich verflüchtigt und macht Platz für einige spektakulär-quietschig-laute Kratznummern, daß man seinen Ohren nicht traut. Extremer Twang wird um die Lauscher gehauen. The Jesus & Mary Chain werden mit brachialer Gewalt auf fünfundvierzig Umdrehungen gepitcht, aus My Bloody Valentine-Elegien wird die Seele herausgeprügelt. Das Tempo fühlt sich im Vergleich zu früheren Aufnahmen der Crocodiles einfach unangenehm an, selbst bei Midtempostücken wie „No Black Clouds For Dee Dee“. Die Crocodiles klangen ausgerechnet auf ihrer locker umsonst rausgeworfenen EP (s.o.) am reifesten und stärksten. Was aber nicht heißen soll, daß „Summer Of Hate“ (2009) und „Sleep Forever“ (2010) im Vergleich zum aktuellen „Endless Flowers“-Album nicht nochmal zwei Klassen besser klingen. Sehr viel homogener, runder und geschmeidiger – cooler. Immerhin erlebte ich die Band gerade live noch einen spürbaren Ton dunkler. Aber, nur einen. Denn der Beat hüpfte auch hier nicht mehr, kam eher stoisch und monoton. Lediglich der Sänger hüpfte gelegentlich – etwas unmotiviert, der Stimmung, dem Rhythmus irgendwie unangemessen – auf dem Schlagzeug herum. The Show must go on? Aber, bitte nicht so brutal gewollt, so aufbäumend laut und so abtörnend einstudiert. „Endless Flowers“ stellt offenbar eine Wendemarke im Schaffen der Band dar, mit allen Höhen und Tiefen. Ich kann das Album nur an einer einzigen Stelle gut ertragen – sehr erfreulich für mich, daß es dann doch noch dieses Stück „Hung Up On A Flower“ gibt. Der Rest drängt zu sehr, hüpft zu doll, schwingt die Hüften zu übertrieben und giggert mir zu albern. Überkompensation? Das Rezept der Crocodiles, ihre irritierende Mischung aus Heiterkeit, Depression, harter Gitarrenkante bis Beinahe-Ska-Tanzbein, ist halt ein Vabanquespiel. Und zuletzt wurde offenbar zuviel Candyflip genossen. Eine Band mit einem großen Potential, vielen guten, und bisher auch toll produzierten Songs, kämpft hier etwas krampfhaft mit dem eigenen Schatten, möchte die alten Energien nochmals herbeibeschwören, vielleicht sogar noch eins drauf setzen, es wiederrum richtig krachen lassen. Leider haben Charles Rowell und Brandon Welchez dabei die wunderbar-eigentümlichen spacemen3-odigen Off-Beats etwas zu sehr schleifen lassen. Und die Lässigkeit sowie der morbide Charme sind irgendwo auf der Strecke geblieben. Hey, kein Problem, einfach Zeit nehmen, langsam wieder runterkommen, – vielleicht die „Fires Of Comparison“-EP einmal als Ausgangsbasis nehmen, sich nicht neu erfinden, aber neu finden – weitermachen: „Hollowed Hollowed Eyes“ mit Leitungswasser benetzen und „I Wanna Kill“ anstimmen.

Alben 1&2, EP: Fat Possum Records
Aktuelles Album: Souterrain Transmissions (City Slang)
Free-„Fires Of Comparison“-EP: http://bit.ly/c6gTSV

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