Die PnG Kinowoche

Text: | Ressort: Film | 5. April 2013
Oslo, 31. August
Allein am Ende

Ein Mann resümiert sein Leben und setzt einen Strich darunter. Eine Großstadtballade von Joachim Trier.

Anders hat das Leben überwunden. Der Mittdreißiger steht kurz vor der Entlassung aus dem Entzug. Die Umgebung scheint freundlich, die Therapeuten verständnisvoll. Aber sie haben keine Ahnung, was in Anders’ Kopf vor sich geht. Seinem ersten Abend allein folgt ein Selbstmordversuch. Doch ein Funken Überlebenswille ist da. Anders kehrt für einen Tag in seine Heimat Oslo zurück, trifft Freunde, beobachtet Lebenswege und sucht in ihnen seinen eigenen.
Es dauert nicht lange, bis man bemerkt, dass er sich durch einen skandinavischen Film bewegt, ein Kino das immer wieder von humanistischen Themen geprägt ist. Das Gespräch mit seinem besten Freund ist von entwaffnender Ehrlichkeit geprägt und offenbart all die Zweifel im Leben des einsam im Meer der Traurigkeit Dahintreibenden. Der Schnitt macht den Dialog lebendig, man glaubt den Männern ihre Freundschaft. Anders sucht irgendetwas, dass ihn vor dem Untergang rettet, aber die Steine hat er selbst in seine Taschen gelegt. Der Hauptdarsteller Anders Danielsen Lie verkörpert ihn vollkommen, nichts trügt den Anschein einer wahren Geschichte. Dennoch ist Joachim Triers („Reprise: Auf Anfang“) Film keine Dokumentation, viel mehr eine zeitgemäße Adaption eines Romans von Pierre Drieu La Rochelle, den bereits Louis Malle adaptierte. Die Kamera gleitet durch die Straßen, der Soundtrack von Ola Fløttum fügt sich in die Traurigkeit und offenbart am Ende zumindest einen Hoffnungsschimmer – einen neuen Song seiner Band The White Birch.
NOR 2011 R: Joachim Trier; D: Anders Danielsen Lie, Ingrid Olava, Hans Olav Brenner, etc.
Dead Man Down
Bauchlandung

Hohe Erwartungen zum Ersten: ein schwedisches Dream Team und ein irischer Haudegen ergeben noch keinen guten Film.

Der Schwede Niels Arden Oplev legte den ersten Teil der Millennium-Trilogie als eindrucksvolle internationale Visitenkarte vor. Vereint mit der Hauptdarstellerin von „Verblendung“ Noomi Rapace, die ihrerseits bereits einen beachtlich Hollywoodstart hingelegt hat, und mit Colin Farrell als Protagonisten kann doch eigentlich nichts schief gehen. Aber ein Film ist eben immer nur so gut wie sein Drehbuch und das von „Fringe“-Autor J.H. Wyman ist eben nicht sonderlich originell. Die Figuren sind recht durchschaubar, ein osteuropäischer Kriegsschauplatz dient als Basis des gebrochenen Helden, dessen fatalistischer Racheplan durch die Begegnung mit einer Frau ins
Wanken gerät. So ist „Dead Man Down“ unterm Strich eben in allen Belangen lediglich solide Thrillerkost.
USA 2013 R: Niels Arden Oplev; D: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, etc.
Der unglaubliche Burt Wonderstone
Abgegriffene Tricks

Enttäuschte Hoffnungen zum Zweiten: entzauberte statt entfesselte Comedy-Größen.

Die Prämisse klingt fantastisch, der Trailer schürt die Lust auf Mehr und schon der Titel „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ ließ auf hemmungslos albernes Overacting im Eighties Style hoffen. Aber das Agieren des Illusionistenduos Siegfried und Roy, die hier eindeutig Pate standen, zu überzeichnen reicht dann eben doch nicht für einen ganzen Film. Da muss dann schon eine Handlung her und die könnte abgegriffener nicht sein: egomanischer Altstar (Carell) missachtet die Zeichen der Zeit, verkracht sich mit seinem Kumpel (Buscemi), wird geläutert und am Ende liegen sich alle in den Armen. Jim Carrey mit Mähne als Angel-Karrikatur macht da noch am meisten Spaß. Reicht aber eben nicht.
USA 2013 R: Don Scardino; D: Steve Carell, Steve Buscemi, Olivia Wilde, etc.

Abgegriffene Tricks

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