Die PnG-Kinowoche

Text: | Ressort: Film | 17. Mai 2013

Schluss mit Lustig
Paradies: Hoffnung

Das versöhnliche Ende einer ambitionierten Arbeit.

Ulrich Seidl hielt die Kamera auf Sextouristinnen in Kenia, auf der Suche nach Liebe. Er nahm uns mit auf Missionierarbeit in der bayrischen Provinz, in eine Prüfung des Glaubens. Nun gibt er uns Hoffnung mit dem versöhnlichen Abschluss seiner Paradies-Trilogie – wenn auch in kleinen Dosen, denn wir befinden uns immer noch in einem Seidl-Film.
Im Mittelpunkt steht diesmal Melanie, die Tochter der Reisenden und Nichte der Gläubigen. Die 13jährige fristet ihren Sommer in einem Diätcamp. Mit nächtlichen Ausflügen in die Dorfkneipe, Teenager-Besäufnissen und erster Liebe zum schmierigen Diätarzt entsteht so ein überraschend intimes Porträt vom Erwachsenwerden.
Nach dem Leiden kommt die Belohnung: der unterhaltsamste Vertreter des Seidlschen Rundumschlags durch den gesellschaftlichen Morast bildet gleichzeitig seinen Abschluss. In wunderbar choreographierten Szenen unmotivierter Sportübungen, ehrlichen Nachtgesprächen ohne Script und Erziehungsberechtigte und der gänzlichen Abstinenz von skandalträchtigen Szenen des Geschlechtsaktes entstand der stärkste Teil der Serie. Fast schon schön.

AU/D/F 2013 / R: Ulrich Seidl / D: Melanie Lenz, Verena Lehbauer, Vivian Bartsch etc.

Sportsfreunde
Der große Gatsby

Baz Luhrmanns angenehm enttäuschende Interpretation von F. Scott Fitzgeralds Klassiker.

Die Trailer kündigen nicht weniger, als den legitimen Nachfolger zum „Moulin Rouge“-Wahnwitz an und man lässt sich gerne verführen über sein letztes Machwerk „Australia“ hinweg zu sehen, bzw. es ganz, ganz tief in der Erinnerung zu Grabe zu tragen. Ein neuer Baz Luhrmann – wir freuen uns!

Ausgesucht hat sich der Australier einen Klassiker der amerikanischen Literatur. F. Scott Fitzgeralds „Great Gatsby“ ist bei uns freilich weniger bekannt, bedient aber mit seinem Exzess im Goldenen Zeitalter der USA und der tragischen Liebesgeschichte spielend den Geschmack Massen. Eine sichere Bank also, denkt man.

Aber wie eben Banken heute und ebenso damals, als die Party mit dem Kater am Black Friday 1929 endete, alles andere als sicher sind, so gerät auch Luhrmanns Turm von Babel oftmals bedrohlich ins Wanken. Dabei ist die Wahl zu Tobey Maguire als Erzähler, der von den Ereignissen – anders als im Buch – aus einem Sanatorium heraus berichtet, nicht einmal die schlechteste. Der Hänfling mit den großen Augen passt gut in die Rolle des Beobachters Nick Carraway. Auch DiCaprio als Gatsby fügt sich hervorragend ins Bild und seine Besetzung bietet sich als Gegenentwurf seiner Darbietung in Luhrmanns „Romeo und Julia“ geradezu an. Einzige Enttäuschung auf schauspielerischer Seite ist Carrey Mulligan, aber lediglich weil wir von ihr in den 140 exaltierten Minuten nicht genügend zu sehen bekommen. Aber wenn sie die Leinwand betritt, strahlt sie und die Szenen zwischen Daisy und Gatsby erinnern nicht nur ob des tragischen Hintergrunds an die schönsten Momente in Shakespeares Reigen.

Was hängt also schief in Luhrmanns Theater? Nun, Gatsby und Carraway bringen es in einer Szene am besten selbst auf den Punkt. Wenn Gatsby in der über und über mit Blumen gefüllten Hütte Carraways fragt: „Ist es zu viel?“ und der Freund antwortet: „Ja. Aber du wolltest es doch so!“ bleibt dem Betrachter nur zustimmendes Kopfnicken. Denn selbst wenn die visuellen Reize überbordend, das 3D entbehrlich, der Gebrauch digitaler Shots übermäßig und Luhrmanns „Great Gatsby“ in vielen Momenten und allen Belangen einfach viel zu viel ist – wir wollen es doch so. Also, Musik an, Vorhang auf und lasst das Spektakel beginnen!

USA 2013 / R: Baz Luhrmann / D: Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire, Carrey Mulligan etc.

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