Die PnG-Kinowoche

Text: | Ressort: Film | 31. Mai 2013

To the Wonder

Reaktionäres Kino

Betörend und verstörend – Malick erzählt von der Liebe.

Terrence Malick ist ein Enigma: Bis heute wissen nur wenige Eingeweihte, wie er aussieht, jahrelang meißelte er an seinem Legendenstatus mit einer Handvoll Filmen und wenn er dann mal einen macht, weiß niemand, was dabei rauskommt. Mittlerweile ist dies wesentlich häufiger der Fall. Malick wandelte sich in den vergangenen zwei, drei Jahren glatt zum Vielfilmer mit „Tree of Life“ vor gerade mal zwei Jahren und weiteren drei Filmen in der Pipeline. Hollywood steht Schlange. Aber wie der fertige Film schließlich aussehen wird, wissen weder das Publikum noch die Schauspieler.

Es ist der Schneidetisch, an dem Malicks Filme entstehen. Bei kaum einem seiner Werke wird das so deutlich wie hier. Die Geschichte, die „To the Wonder“ erzählt, bleibt vage und reduziert. Wir kennen Neil (Ben Affleck) und Marina (Olga Kurylenko) nicht, wissen nichts über ihr Leben, bevor sie sich in Paris begegnen und ineinander verlieben. Auch als die junge Frau dem schweigsamen Mann in die amerikanische Provinz folgt, lernen wir sie nur wenig besser kennen. Da ist ihre Tochter, die sich langweilt, rebelliert und zurück will. Da ist eine alte Liebe, Jane (Rachel McAdams), die Neil trifft und die ihn nicht loslässt. Die Beziehung zwischen den Kontinenten kann nicht gut ausgehen. Inmitten der Gefühlswirren steht ein Pater (Javier Bardem), auf der Suche nach Halt in seinem Glauben und einem Zeichen Gottes zu seiner Erlösung.

All das reduziert Malick auf Reaktionen, spart die Wortgefechte zwischen den Liebenden aus und liefert nur ihre Gefühlsregungen. Trauer, Zweifel, Wut, geäußert in den Gesichtern der erstklassigen Mimen und eingefangen von der Kamera des Meisters Lubezki („Tree of Life“). Eigenwillig und sicher nicht für jeden. Für jene aber höchst bereichernd.

USA 2013 / R: Terrence Malick / D: Olga Kurylenko, Ben Affleck, Javier Bardem, Rachel McAdams etc.

Die Wilde Zeit

Aufbruchstimmung

Olivier Assayas und die wilden Siebziger.

Die Zeit des Aufbruchs, der politischen Unruhen in der westlichen Welt, die Suche nach Orientierung in unruhigen Zeiten lässt Olivier Assayas nicht mehr los. Der Sohn der Regielegende Jacques Rémy und Erbe der Nouvelle Vague – Assayas schrieb selbst lange für das Traditionsblatt Les Cahiers du cinéma – kehrt immer wieder an den Ort seiner Kindheit zurück, als ihn „Die wilde Zeit“ mitten in der Sturm- und Drangphase der Pubertät erwischte.

So sind in der Geschichte von Gilles (Clément Métayer) viele biographische Bezüge zu seinem eignen Leben zu finden. Der junge Student lässt sich von den Protesten seiner Kommilitonen mitreißen und engagiert sich mit ihnen für eine neue Gesellschaftsordnung. Sie malen ihre Parolen an die Wände staatlicher Einrichtungen und geraten dabei mehr als einmal in Konflikt mit den Ordnungshütern.

Ebenso wichtig wie der Kampf ist die Liebe in Gilles Leben. Die Künstlertochter Christine (Lola Créton) lebt ein Leben, dass den Kunststudenten fasziniert. Doch für ihn war sie immer eine Nummer zu groß und als sie nach London zieht, löst sich das Band zwischen ihnen endgültig. In den Schützengräben der Vorstadt trifft er auf Laure (Carole Combes), die ebenso leidenschaftlich für die große Sache kämpft wie er. Gemeinsam kehren sie Paris den Rücken und reisen nach Italien, um Kontakt zu Gleichgesinnten zu suchen und ihre Vorstellung von Freiheit zu leben.

„Zwischen Himmel und Hölle ist nur das Leben, das das gebrechlichste Ding der Welt ist.“ Olivier Assayas stellt das Zitat von Blaise Pascal an den Anfang und lässt die Lebenskraft aus jeder Einstellung sprühen. In seinem eigenen, beobachtenden Stil, erzählt er eine sehr persönliche Geschichte, die eher eine Weiterführung von Assayas‘ „L’eau froide“ (1994) ist, als ein anderer Blickwinkel auf die Geschichte seines meisterhaften „Carlos“. Er wahrt immer eine gewisse Distanz zu seinen Figuren, was manch einer ihm ankreiden mag, und im letzten Akt zerfällt die Erzählung wie sich Beziehungen und Ideale im Laufe der Zeit eben auflösen. In der authentischen Rekonstruktion einer Ära und des sie bestimmenden Gefühls, ist der Franzose aber ein Meister.

F 2012 / R: Olivier Assayas / D: Clément Métayer, Lola Créton, Felix Armand etc.

Hangover 3

Am Ende

Das Wolfpack lässt es in Las Vegas noch einmal richtig krachen.

Der Konkurrenzkampf im US-Kinosommer nimmt in diesem Jahr wirklich extreme Ausmaße an. Nach dem erfolgreichen Start von „Star Trek“ vor zwei Wochen, sind in der darauffolgenden mit „Fast & Furious 6“ und dem dritten „Hangover“ ausgerechnet die beiden aktuell größten Highlights beim Zielpublikum der jungen Biertrinker gleichzeitig ins Rennen gegangen – wobei die Freundesliste des Wolfpacks gerade einmal halb so groß war. Bei uns buhlen die beiden immerhin mit einer Woche Abstand um die Gunst der Zuschauer.

Dabei haben die kernigen Autoschrauber und die Chaostruppe mit Ausnahme der Liebe zum Asphalt eher wenig miteinander gemeinsam. Den schmecken Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms), und Doug (Justin Bartha) aber diesmal wieder ausgiebig. Alan (Zach Galafianakis) ist endgültig reif für die Klapse und soll in professionelle Hände überführt werden. Den Transport übernehmen seine drei einzigen Freunde und so beginnt ein weiterer irrer Road-Trip, der schon bald vom Kurs abkommt, als Doug – mal wieder – gekidnappt wird und Allen den durchgeknallten Chinesen Leslie Chow (Ken Jeong) ans Messer liefern soll. Am Ende schließt sich der Kreis beim Showdown in Vegas.

Wenig Neues also, aber immerhin hat Todd Phillips halbwegs Wort gehalten und diesmal nicht erneut die selbe Geschichte an einem anderen Ort erzählt. „Hangover 3“ ist – wenn man die platte Eröffnungsszene in die eine Giraffe, eine Brücke und die Hansons verwickelt sind – eine erstaunlich ernste Angelegenheit. Der Ton wird am Familiengrab gleich zu Beginn gesetzt und im Mittelpunkt stehen ganz klar die Freundschaft der vier und die gemeinsamen Erlebnisse, die auch beim Zuschauer die Nostalgiesynapsen streicheln. Allerdings stellt auch Teil drei die beiden nervigsten Faktoren des Erstlings in den Mittelpunkt: Alan und Chow der im Caesar’s Palace wilde Orgien feiert. Das mag nicht jedem gefallen, beim versöhnlichen Finale liegen sich aber alle in den Armen und Cooper, Helms, Galafianakis und Phillips haben selbige jetzt endlich wieder frei für neue Projekte.

USA 2013 / R: Todd Phillips / D: Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Ken Jeong etc.

-->

Kommentieren