Der Trost von Telefonzellen – Joshua Groß & Philippe Gerlach

Text: Gudrun | Ressort: Literatur | 2. Juli 2013

Interview mit Joshua Groß

Gudrun Cleremont: Bald erscheint Ihr Debütroman Der Trost von Telefonzellen bei starfruit publications. Ist das ein entscheidender Schritt?

Joshua Groß: Es ist ein erster Schritt…

Gudrun Cleremont: Sie weitere geplant?

Joshua Groß: Definitiv.

Gudrun Cleremont: Können Sie genauer werden?

Joshua Groß: Noch nicht.

Gudrun Cleremont: Warum?

Joshua Groß: real g’s move in silence…(lacht)

Gudrun Cleremont: Sie halten sich für einen Ganster?

Joshua Groß: Nicht direkt. (lacht weiterhin)

Gudrun Cleremont: Ihrem Roman steht ein Zitat von J. Cole voran: Plus this slang that I speak/ don’t change that I’m deep. Was bedeutet das?

Joshua Groß: Das Zitat ist aus dem Song Can I Live. Davor heißt es: My momma told me to speak like you got a college degree/ You see: I can, but I won’t, cause I’m saying what I want. Darum geht es…Sagen, was man will. Woher wissen Sie das eigentlich?

Gudrun Cleremont: Ihr Buch ist geleaked.

Joshua Groß: Davon weiß ich nichts.

Gudrun Cleremont: Ich habe Ihren Roman jedenfalls schon gelesen.

Joshua Groß: Können Sie sich sicher sein, dass das mein Roman war, den Sie gelesen haben?

Gudrun Cleremont: Ich fühlte mich bedrohlich an Cortázars Ausführungen zum komischen Roman erinnert.

Joshua Groß: Denken Sie, ich bin der Einzige, der diese Ausführungen kreditiert.

Gudrun Cleremont: Cortázar gibt als Methode an: Ironie, unablässige Selbstkritik, Inkongruenz, Phantasie in niemandes Diensten. Das passt perfekt zu Ihren Texten!

Joshua Groß: Das heißt nichts. Ich werde mich nicht endgültig poetologischen Ideen einer Figur Cortázars unterordnen.

Gudrun Cleremont: Luca Tasso, einer der Protagonisten in Der Trost von Telefonzellen, sagt an einer Stelle: Diese lebensnotwendigen Kabinen menschlicher Einsamkeit und Zusammenkunft werden nach und nach abgerissen und dann ist alles aus, wir sollten so ein Teil auftreiben. Mit den Kabinen meint er Telefonzellen. Ist das der Kernsatz des Romans?

Joshua Groß: Man könnte sich so vielleicht dem Buchtitel nähern, aber warum sollte man einen kompletten Roman schreiben, wenn sich alles auf einen Satz reduzieren ließe? Was ist dann mit der erdrückenden Mehrheit der anderen Sätze?

Gudrun Cleremont: Sagen Sie mir das!?

Joshua Groß: Das habe ich bereits. (lächelt)

Gudrun Cleremont: Das lyrische Paradigma scheinen Ihnen wichtig zu sein.

Joshua Groß: Das lyrische Paradigma?

Gudrun Cleremont: Die Fokussierung auf eine lyrische Dimension.

Joshua Groß: Ja, mir war es wichtig, lyrische Finesse, wie wir sie etwa bei Crooked I finden, auf die Literatur zu übertragen.

Gudrun Cleremont: Wie ich das sehe, ist Crooked I gegenwärtig nicht gerade relevant.

Joshua Groß: Ich habe nicht gesagt, dass ich mich als Nachfolger Crooked I’s begreife oder um seine gegenwärtige Relevanz kümmere. Es gibt einen Unterschied zwischen Compton und Nürnberg. Außerdem haben Sie richtig bemerkt, dass die lyrische Dimension nur eine Dimension des Romans ist. Insgesamt ist der Roman vielschichtig.

Gudrun Cleremont: Ist Ihnen der Bezug zur Realität wichtig?

Joshua Groß: Christopher Ecker hat einmal gesagt: Ich habe ein angespanntes Verhältnis zum Realismus. Das ist ein hübscher Satz.

Gudrun Cleremont: Auch ein programmatischer?

Joshua Groß: Versuchen wir, Erscheinungen einfach zu akzeptieren und nicht alles auf eine etwaige Programmatik zu reduzieren.

Gudrun Cleremont: Würden Sie Cortázars Überlegung unterstreichen? Folglich den Roman benutzen, wie man, unter Veränderung seines Zeichens, einen Revolver benutzt, um den Frieden zu verteidigen.

Joshua Groß: Ja.

Gudrun Cleremont: Für mich ist das ein unverständlicher Satz. Aber lassen wir das. Zum Abschluss: In Ihrem Roman geht es viel um Musik. Was hören Sie zurzeit?

Joshua Groß: Ich höre momentan beinahe ausschließlich Cy Tinnek, einen Soul-Sänger, der 1972 das grandiose Album „Stop signs & Pelicans“ veröffentlichte. Ich mag es, weil es viele Einfluss aus dem psychedelischen Rock bezieht. Leider starb Cy Tinnek schon 1973, übrigens ein sehr beleibter Kerl, als er beim Cover-Shooting für sein nächstes Album auf einem Elenfant posieren sollte. Er fiel von dem armen Tier und verunglückte tödlich.

Gudrun Cleremont: Äußerst tragisch. Ich habe nie von ihm gehört. Vielen Dank für das Gespräch.

“Der Trost von Telefonzellen“ erscheint bei starfruit publications.

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