Don Jon – Der Kick per Click

Text: | Ressort: Film | 18. November 2013

Joseph Gordon-Levitt hat eine erstaunliche Karriere hingelegt. Seine ersten Schauspielererfahrungen sammelte er bereits als Kind in TV-Serien wie „Dark Shadows“ und „Roseanne“. Heute zählt er zu den begehrtesten Darstellern, nicht zuletzt seit seiner Zusammenarbeit mit Christopher Nolan, „Inception“ und „The Dark Knight Rises“. Im kommenden Jahr wird er in der Fortsetzung von „Sin City“ zu sehen sein, realisierte aber zuvor einen langgehegten Wunsch: seine erste Regiearbeit. Levitt schrieb daneben nicht nur das Drehbuch, sondern übernahm auch gleich die Hauptrolle. Das könnte leicht zu einer eitlen Nabelschau verkommen, aber stattdessen ist ihm eine clevere und ungemein witzige Gesellschaftssatire gelungen.
Er spielt Jon Martello. Der Sohn italienischer Einwanderer macht nach außen einen aalglatten Eindruck. Er besucht regelmäßig die Kirche und abgesehen von den üblichen Sticheleien seines Vaters, herrscht Harmonie im Elternhaus, wenn er zum regelmäßigen Essen erscheint. Am Wochenende wird aus ihm allerdings Don Jon, wie ihn seine Freunde ehrfurchtsvoll getauft haben. Samstagabend gehen sie auf Beutejagd in den Club und der Don schleppt regelmäßig Frauen der Kategorie Zehn ab, das höchste auf der Skala der Machos.
Doch Erfüllung findet er darin nicht. Am Ende sitzt er allein vor dem Laptop und sucht sich schnelle Befriedigung mit Internet-Pornos, wo ihm Frauen als reines Mittel zum Zweck dienen. Dass er ein Problem hat, bemerkt Jon erst, als er auf Barbara trifft. Die passt zwar in sein Beuteschema, lässt sich aber nicht so leicht von seinem trainierten Körper beeindrucken. Vielmehr setzt sie sich in den Kopf, aus Jon einen anständigen Ehemann zu machen.
Dass Levitts Debüt dabei nicht zur platten, schlüpfrigen Komödie verkommt, verdankt er einem famosen Ensemble. Scarlett Johansson glänzt in der vielleicht besten Darbietung ihrer Karriere als Kaugummi kauendes Blondchen. In den Nebenrollen überzeugen Julianne Moore als kiffender Freigeist und die fast vergessene Serienlegende Tony Danza als Jons Vater. Sie tragen den Plot auch über den zweiten Akt, wenn Levitt deutlich ernstere Töne anstimmt. Ein in allen Belangen beachtliches Debüt auf dem Regiestuhl und ein intelligenter Spaß, gegen den amerikanische Moralaposteln Sturm laufen werden.

USA 2013 / R: Joseph Gordon-Levitt / D: Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore, Tony Danza etc.

„Don Jon“ lief in der Sektion Panorama der diesjährigen Berlinale. Wir sprachen mit Joseph Gordon-Levitt über seinen Film.

Wie bist du auf dem Regiestuhl gelandet?

Ich habe schon immer mit der Kamera herumgespielt und als ich als Kind auf den Sets war, habe ich immer dem Kameramann und dem Regisseur über die Schulter geschaut. Als ich 21 wurde, habe ich mir selbst Final Cut Pro geschenkt und beigebracht und ich liebe es! Der Schnitt erweckt die wahre Form des visuellen Erzählens zum Leben. Als mich das gepackt hatte, war klar für mich, dass ich irgendwann Regie führen möchte.

Wie hängt das mit deiner Produktionsplattform hitRECord zusammen?

hitRECord ist eine Kollektivplattform, wo wir mit befreundeten Künstlern zusammen kommen und Kurzfilme, Musik und Videos und Bücher machen. Der Name stammt von einem Kurzfilm, den ich 2009 in Sundance präsentierte. Irgendwann einmal will ich, dass da heraus ein Langfilm entsteht. Aber ich habe mir gedacht, bevor ich einen Film in diesem Kollaboratorium drehe, will ich lieber einen in der traditionellen Art machen, mit der ich aufgewachsen bin. Daraus ist „Don Jon“ entstanden. Es steht aber bereits hitRECord drauf, weil ich ihn gemacht habe.

Wie stellt man sich auf einen Typ wie Don ein?

Ich denke, das ist nicht so schwer. Es geht im Grunde doch um einen Typen, der sich so sehr von den Medien hat absorbieren lassen, dass er sein eigenes Leben mit dem, was er dort findet, vergleicht. Ich muss zugeben, dass ich auch die meiste Zeit meines Lebens damit verbracht habe, mein Leben mit Filmen zu vergleichen und ich glaube nicht, dass das sehr gesund ist. Im Film sind vor allem Archetypen, keine strikt authentischen Figuren, zu finden. Eher so wie in einem Tarantino Film, oder in einem der Coen-Brüder oder „Dr. Seltsam“. Filme, die ihren Standpunkt durch Satire widerspiegeln, durch eine Überhöhung. Das war es, was ich wollte.

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