Angel Olsen – Burn Your Fire For No Witness

Text: | Ressort: Allgemein, Musik | 18. Februar 2014

Manchmal reicht eben doch eine Gitarre, eine Stimme, ein paar gute Songs und das unbestimmbare gewisse Etwas, um eine Intensität zu erzeugen, die man nicht nur spüren, sondern förmlich greifen kann. Sehen kann man das im Fall von Angel Olsen bei der jüngst aufgenommenen Tiny-Desk-Show im unten stehenden Mitschnitt und natürlich, fast schon orchestral aufgebohrt, auf ihrem neuen zweiten Album „Burn Your Fire For No Witness“. Dort steht die gebürtige Missourin nicht mehr allein auf weiter Flur, wie bei der Küchenaufnahme ihrer Debüt-EP „Strange Cacti“ von 2010 und dem ersten Longplayer „Half Way Home“ 2012, sondern wird von ihrer Zwei-Mann-Band unterstützt, die sie bei den ersten Sessions zum Album kennenlernte. Zunächst war es DrummerJosh Jaeger, der intuitiv zu verstehen schien was den Stücken noch fehlte. Er brachte dann noch seinen Bandkollegen von Lionlimb Stewart Bronaugh für den Bass ins Gespräch und fertig war das neue Line-Up. Nach ersten Übungsrunden im Januar 2013 suchte die Band im Juli das Echo Mountain Studio in Asheville, North Carolina, auf, das sich in einer stillgelegten Kapelle befindet. Insgesamt brauchten sie nur zehn Tage, eigentlich war am siebenten schon alles Wesentliche im Kasten. Das Trio entschied sich vornehmlich alle Instrumente gemeinsam, live, einzuspielen, um einen direkten unmittelbaren Sound zu erhalten, anstatt alles zu zerlegen und jedes Instrument separat aufzunehemn. Einzig der Gesang kam in einem zweiten Arbeitsgang hinzu. Der Plan ging auf, die Platte klingt sehr direkt, eine kleine D.I.Y.-Note vielleicht, auf jeden Fall eine sehr einnehmende Aura, die den unaufgeregten Songs entgegenkommt. Melancholie ohne zu Jammern. Den Kopf trägt die junge Dame stets aufrecht. Inzwischen ist sie in Chicago gelandet und dort Teil der Szene. Dank guter Vernetzung sang sie schon gemeinsam mit Marissa Nadler und Bonnie ‚Prince‘ Billy, den sie traf als sie mit Emmett Kelly’s The Cairo Gang in seinem Vorprogramm unterwegs war. Ach ja, dann wären da noch die Referenzen: Cat Power, Kristin Hersh, Belly, Sleater Kinney, Mazzy Star und beim deftigerem Reverb im Saitenspiel blickt Opa Neil gelegentlich durch. Hach, und falls das noch nicht ganz klar geworden sein sollte: ein zauberhaftes Album mit lauten Krachern und zartbitteren Seelenschmeichlern und samtigen Balladen. Nicht direkt ein Sommeralbum, aber behaglich an trüben Tagen, ein kleines Kaminfeuer aus dem Radio.

(Jagjaguwar/Cargo Records)

www.angelolsen.com

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