Audio Invasion 2014 – Lokal/International

Text: | Ressort: Musik, Veranstaltungen | 26. November 2014

Am 22. November war es wieder mal soweit: Audio Invasion. Und die Tore zum Gewandhaus, der Walhalla der ernsten Kultur, öffneten sich für Tanzwütige und Popmusikinteressierte. Zum Start spielte natürlich die hauseigene Band im großen Saal unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner und mit Verstärkung durch The Monteverdi Choir Ein deutsches Requiem op. 45 von Brahms. Danach mischten sich die vornehm gekleideten Konzertbesucher mit den Gästen des popigen Programms. Den konzertanten Part eröffneten im Mendelson Saal die Glass Animals aus dem englischen Oxford mit flockig perlendem Indiepop. Ein feiner Start für einen langen Abend.

Zweite Station: Galerie. Nicht leicht zu finden im Gewirr der Gänge, Foyers, Treppen, Absätze und Zwischengeschosse, doch aller Suche und Wege wert. Vin Blanc/White Wine – das neue Projekt von Joe Haege (31 Knots, Tu Fawning, Menomena) seit letztem Jahr in Kooperation mit Fritz Brückner, einem Leipziger Musiker aus dem Hello Records Universum. Weniger dem historisierendem Wohlklang verbunden wie Tu Fawning, eher der Expolivität von 31 Knots verwandt, polterte sich das Duo durch die neuen Stücke und die Performance von Herrm Haege ist immer einen Blick wert. Ausflüge ins Publikum inklusive. Großartig.

Die nächste Überraschung gab es dann im großen Saal. Deko Deko haben ihr Setting für diese Veranstaltung „etwas“ verändert. Statt der zauberhaften Frau Luft stand plötzlich Good Guy Mikesh am Mikrofon. Das gab nicht nur der Erscheinung, sondern auch der Musik einen neuen Dreh. In den düsteren Bereich war diese bei den letzten Verlautbarungen schon eingeschwenkt, aber die neue Reduktion und der stoische Gesang öffenten ein ganz neues Feld und andere Assoziationen. Wie von der Band zu vernehmen war ist der Good Guy allerdings nur eingesprungen, da die eigentliche Frontfrau sich im heißen Stadium der freudigen Erwartung befindet. Wir drücken natürlich die Daumen.

Weiter im Lokalfeuerwerk ging es mit den Warm Graves, der aktuellen Hypeband der Stadt. Dystopisch verwehte Stimmen, Echos aus der Zwischenwelt, Traum, Alpstraum, Nebel, ferne Gestade und nur selten ein Lichtstreif am Horizont. Das Debüt „Ships Will Come“ ist soeben bei This Charming Man erschienen und die Band gerade von einer zweimonatigen Konzertreise zurück. Weiter so.

Zurück durch das Ganggewirr zu einem der beiden klitzkleinen Eingänge zum großen Saal. Herinnen spielen MM/KM aka Mix Mup und Kasem Mosse frickelige Elektronik aus der Bachstadt.

Im eigentlichen kleinen Saal derweil The/Das, das Bodi Bill Nebenprojekt von Frontmann und Ex-HGB Student Fabian Fenk und Tastenmensch Anton Feist. Vertrackte, trotz torkelnder Beats tanzbare Songs zur Freude des eng stehenden Publikums.

Darshan Jesrani von Metro Area beim Auflegen im Foyer unter dem kleinen Saal.

Der Headliner des Abends waren aber zweifelsohne S O H N. Christopher Taylor in Mönchskutte. Der Sound verhuscht, innig, zart. Emotionen in Subbässe gegossen. Großes Kino ohne große Gesten. Grandios.

Na und danach Abhotten im Mendelson Saal oder im Foyer darunter bis die Socke qualmt.

www.audio-invasion.de

Fotos: K. Nauber

noch mehr Bilder hier: Audio Invasion bei Flickr

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