Melt! 2014: Sommer, Sonne, gute Laune

Text: | Ressort: Musik, Veranstaltungen | 6. April 2015

Auch 2014 lockte das Melt!-Festival Musikinteressierte, Tanz- und Feierwütige aus Nah und Fern nach Ferropolis, der Stadt aus Eisen. Die Vorzeichen standen nicht schlecht: Sonnenschein, gute Acts und eine Örtlichkeit, die deren Imposantz und Einzigartigkeit jeden Besucher, ob Gast oder Künstler in seinen Bann zieht. Es war also gut angericht für die große Party mit alten und neuen Freunden, Newcomern, alten Hasen und Legenden auf den sechs Bühnen.

Besonders beglückte, dass in diesem Jahr der Shuttlebus wieder bis zum Campingplatz an der Fernverkehrstraße fuhr und so die Beinarbeit doch deutlich minderte. Ein Gewinn für Alt und Jung.

Trotzdem nahmen Viele erst mal den üblichen Weg.

Drei neue Haushohe Gesichter empfingen die Besucher am Zugang zum Festivalgelände. Helden der Arbeit, die an die Bergbaugeschichte gemahnen.

An Newcommern gab es auch in diesem Jahr ekinen Mangel und man konnte wieder einmal Künstlerinnen und Künstler sehen über die erst ein halbes Jahr später aller Orten gesprochen wurde. Den Start machte für uns Adi Ulmansky

gefolgt von Clean Bandit deren Hit dank heavy Rotation aus voller Kehle mitgesungen wurde.

Vertrackter, tiefgründiger dann Planningtorock im Zelt. Disemal ohne Theaterknete im Gesicht und die erste einer großen Reihe „alter“ Bekannter, die der regelmäßige Besucher schon mal an selber Stelle sehen durfte.

Wolf Alice: mitreißend und energisch

Eigentlich wäre Chet Faker eher was für die Zeit nach Sonnenuntergang gewesen, so mußte er im gleisenden Licht des gelben Planeten vor die Massen.

Gabi Delgado darf man getrost in die Rubrik der Legenden stecken. Nur war er eben nicht mit DAF sondern solo unterwegs und hatte so nur knapp 100 Zuschauer vor sich, die sich im großen Zelt doch etwas verloren.

Wofür Haim aller Orten mit Vorschußlorbeeren  bedacht werden bleibt schleierhaft, an den Songs kanns nicht liegen. Technisch okay rübergebracht, putziges Grimassenschneiden auf der rechten Bühnenseite, naja.

Beeindruckend war hingegen der Bühnenaufbau von Jackson And His Computerband. Eigentlich dachte ich er dreht dann damit noch eine Runde über den Köpfen der Zuschauer, trotzdem gab es einen Extrapunkt für Inszenierung und Lichteffekte.

Auf diese verzichtete der Vertreter der Fuck Buttons, ebenso wie auf die kompromisslosen Noiseattacken für das Duo eigentlich mal bekannt war. Fast schon gefällig und tanzbar. Eher ein DJ-Set als ein Auftritt der Elektroniker.

Paralell zum Geschehen auf der Stzrandbühne fand zwischen den Baggern die intime Herzchenparty statt.

Vor der Hauptbühne

Sherwood & Pinch: Alt und Jung

der aktuelle heiße Scheiß: Actress

Und zum Abschluß des Abends: Robyn & Röyksopp. Quasi auch alte Bekannte, weil schon mehr als einmal am See bei Gräfenhainischen. Extrapunkt für die beste Kopfbedeckung und Robyn einmal mehr mit den merkwürdigsten Klamotten. Ach und mit Hits!!!

Der Start des Samstages erfolgte gewohnt gemäßigt. Trotz traditionell ultraspätem Tagesstart trauten sich gegen 18 Uhr noch nicht so Viele vor die Hauptbühne um Ballet School zu sehen. Der Tag sollte ja noch lang werden. Na wenigstens gab es diesmal keine Hauptacts, die erst gegen 5 oder 6 Uhr im Sonnenaufgang vor die Massen traten. Vermutlich läßt sich die komische Tagesplanung nur mit der Historie des Melt! als Technoevent erklären bei dem bis in den nächsten Tag hinein abgehottet wurde, während auf herkömmlichen Festivals die Bespassung gegen Mittag zwischen 12 und 14 Uhr startet und gegen 2 in der Frühe endet fängt man hier erst 17 oder 18 Uhr an und spielt bis 7 In der Frühe. Dabei ignorieren die Oranisatoren zwei Dinge: erstens die Anzahl der Poppen und Konzertgänger, die gar nicht die ganze Nacht durchhotten und sich daher den ganzen nächsten Tag bis zum Start des Unterhaltungsprogramms auf dem Campingplatz oder am Strand vertuen müssen und zweitens den unbarmherzigen Lauf der Gestirne. Soll heißen die große gelbe Sau steht im Sommer rechtzeitig am Himmel und brät im Idealfall alle, die versuchen im Zelt noch etwas Schlaf zu finden. Schafft man es bis Neun kann man sich glücklich schätzen. Danach kann man nur noch im Schatten eigenen Überdachung dösen. Ausgenommen sind bei diesen Überlegungen natürlich alle Besucher des Sleepless Floors, die aber wie der Name schon andeutet auf Morpheus Umarmung eh nicht angewiesen sind. Andererseits glaube ich nicht das Jene am sonstigen Bühnenprogramm interessiert sind. Eigentlich zwei Paralellwelten, die aber auch zum Reiz des Festivals gehören.

Ohne Tütü: Ballet School

Paula: auch eher Legendenstatus

Of Montreal diesmal auf der Hauptbühne

Elekfantz

The/Das fast nackt im Zelt

Ja so gehts einem, wenn den ganzen Tag die Sonne aufs Haupt brennt.

Die australisch-schwedischen Zwillinge Elektra und Miranda Kilbey aka. Say Lou Lou

Das große Zelt war brechend voll. Einlassstopp. Drin bewegten die Lieblinge der Saison, Future Islands, die schwitzenden Massen. Klassischer Fall von falscher Bühnenbesetzung. Die Mannen um Herrn Herring sind mittlerweile auch darin geübt größere Menschenmassen mitzureißen.

Wovon sich die Zeltinsassen dann auch überzeugen konnten. Tanzend, schwelgend, träumend…

Dillon diesmal nicht wie sonst immer, und auch schon an dieser Stelle komplett ohne Licht. Stattdessen mit Hohlspegel und Schattenspiel.

Milky Chance zogen, dank Hit im Rücken, die Massen vor die Hauptbühne

Außnahmsweise mal voll besetzt: die Hauptbühne

Geboller und Geplautze im Strobogewitter: Was wollen die Sleigh Bells eigentlich von uns?

The Notwist hingegen wollen sanft erzählen, schwelgen und uns in ihren zurückhaltenden Klangkosmos ziehen und wir lassen sie gewähren und genießen.

Stahlkoloss

Ja, Panik, einmal mehr ein guter Auftritt der deutschsprachigen Ausnahmeband.

Four Tet, auch ein alter Bekannter mit Melt!-Geschichte.

Weggetreten, begeistert, entgeistert.

Metronomy, zauberhaft konstruierte Songs, live vielleicht etwas saftlos.

Omar Souleyman auf der Strandbühne. Die Verschmelzung von westlich orientiertem Techno mit repetitiven traditionellen Rhythmen und Gesängen.

Who Made Who zum Tagesabschluß mit zuckersüßen Arrangements und ziehenden Beats. Leider ohne sonst üblicher Verkleidung. Da waren wir von früheren Auftritten anderes gewöhnt: Hasen, Engel etc..

Was finden alle an Mighty Oaks? Okay nette Typen, nette Musik. Aber sind die Fleet Foxes und Mumford & Sons nicht genug und haben die nicht auch die packenderen Songs mit Ohrwurmcharakter? Das schöne neue Geminizelt war jedenfalls voll. Nebenbei erwähnt ist der größte Unterschied zum alten Zelt die Farbe, schwearz statt weiß und schon sieht das simple Dach nicht mehr wie ein 08/15-Bierzelt aus. Für Insider: auch die Dachform wechselte von Sattel zu Walm, also mit einem Knick in jeder Dachfläche, fast schon tonnenförmig.

Elliphant eröffnete die große Bühne am Sonntag und fegt durch ihr Set.

Leif nutzte seine Skillz im Animationstanz und suchte demontrativ die Publikumsnähe.

John Grant agiert dagegn wie ein englischer Gentlemen. Nur am Outfit könnte man da noch etwas machen. T-Shirt und Bermudas passen einfach nicht zu der gediegenen Musik.

Bunnies

Jagwar Ma

San Fermin fast schon in Big Band-Größe.

Publikumswanderung

Son Lux: vertrackt, interessant, sicher Wert nochmal in intimerem Rahmen gewürdigt zu werden egal ob Club oder Ohrensessel

Big Wheel Stage mit Tanzwütigen

Moderat sind trotz einiger Hits gar nicht so recht eine Band für die große Bühne, fast schon eher für bestuhlte Konzerte. Ein Großßteil der Songs ist ja eher getragen und fast schon im Ambient- und Soundtracksektor zuhause.

Jungle: vielgehypt aber irgendwie blutleer.

Außer Frage der ultimative Headliner und natürlich mit legendenstatus: Portishead. Ganz egal ob mit aktueller Platte oder ohne. man kennt die Songs, man wird in die klaustrophobische Welt hineingezogen, gefangengenommen und mitgerissen. Der emotionale Höhepunkt zum Finale des Festivals. Fantastisch! Großes Kino! Besonders für die etwas älteren Festivalbesucher, von denen jedes Jahr immer mehr zu beobachten sind.

Eisenmonster

Bombay Bicycle Club machten dann für die Jüngeren im Zelt den etwas schwungvolleren Rausschmiss.

Ja, so begeistert war das junge weibliche Publikum. Das sah man dieses Jahr doch recht selten. Dennoch war es ein guter Jahrgang, vielleicht kein überragender, aber ein solider. Die drei Tage gingen jedenfalls wieder unheimlich schnell rum und die Tickets für 2015 sind schon bestellt. Oder?

Das findet vom 17. bis 19. Juli 2015 statt und ein paar fette Headliner und feine Newcomer stehen auch schon fest.

www.meltfestival.de

Alle Bilder findet Ihr auf Flickr: Melt! 2014

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