Hagel, Sturmböhen und gute Laune – Melt! 2015

Text: | Ressort: Musik, Veranstaltungen | 23. August 2015

Irgendwie ist es schon recht ulkig, wie schnell man Regen, Hagel und Wetterunbill aus der Erinnerung tilgt. Geht mir zumindest so. Mit etwas zeitlichem Abstand erinnert man sich nur noch an die musikalischen Höhepunkte, aber nicht mehr an den kleinen Weltuntergang, der uns am Samstag nachmittag heimsuchte. Ausnahmsweise war es dabei mal von Vorteil, dass die Konzerte traditionell recht spät am Tag beginnen. Es fing ganz harmlos an mit ein paar Tropfen, ein bisschen Sprühregen, dann kann noch etwas Wind auf der sich dann allerdings zu ein paar Sturmböhen aufschwang und letztlich kulminierte ganz Ganze indem noch ein paar Wagenladungen kleine Eiswürfelchen über dem Zeltplatz ausgeschüttet wurde.  Nachdem der Wind sich legte konnten die dann gut zum kühlen der Getränke verwendet werden. Eigentlich doch ganz praktisch. Die kleinen Schauer im weiteren Tagesverlauf hätten aber nicht unbedingt sein müssen. Zum Glück sind die Gemini-Bühne und Zelt überdacht.

Aber wie gesagt, die konzertanten Angebote und Eindrücke überwiegen im Rückblick. Hat man endlich mal Kylie gesehen. Revue und Tanz inklusive Showtreppe und allem Brimborium. Da waren dann auch mal fast alle 20.000 Besucher vor der Hauptbühne vereint. Meine Favoriten zählten wohl eher zum Angebot für die gehobene Altersgruppe: endlich mal Ride live auf der großen Bühne, sicher wär ein Clubkonzert ein noch intensiveres Erlebnis, aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein. Mogwai – immer eine sichere Bank und mit den alten Krachern bekommen sie unsererein dann doch immer noch. Ganz hervorragend. Obwohl das mit der Liveperformance bei elektronischer Musik immer so eine Sache ist – ein bis zwei Typen bewegungslos hinter aufgeklappten Laptops – hat es mich doch gefreut hinter Autechre, The Orb, Clark und Jon Hopkins einen Haken machen zu können. Schade, dass Jamie XX nur aufgelegt hat und nicht seine aktuelle Platte zum Vortrag gebracht hat, so mit Musikern, Sängerinnen usw.. Besagte Haken finden sich nun auch hinter den Bands des Ösihypes der Saison. Live sind Bilderbuch und Wanda dann doch ganz unterhaltsam. Diverse Newcomer konnte man das erste Mal in Augenschein nehmen, wobei aber nur wenige herausstachen. Zu ebenjenen zählten die Zwillingsschwestern von Ibeyi, auf die inzwischen auf allen Kanälen positiv besprochen werden. Nicht zu unrecht muss man in diesem Falle mal konstatieren. Sehr schön war das und in der Reduktion auf die beiden Stimmen ohne großes Beiwerk und Geboller ein angenehmer Kontrapunkt. Auch fantastisch die Young Fathers – die Empfehlung für die anstehende Konzerttour der Band: Hingehen! Und zwei kleine Entdeckungen gab es auch noch, denn die beiden waren mir vorher noch gar nicht untergekommen: Aurora und Seinabo Sey. Sehr beieindruckend. Hörtipp!
Eine Sichere Bank waren auch wieder La Roux, Django Django, Alt-J, Jamie T und Von Spar deren Kollaboration mit Ada als Sängerin zu überzeugen wußte und dem krautigen Postrock noch eine weitere Facette hinzufügen konnte. Darwin Deez auch immer toll. Kindergeburtstag galore mit Choreografien und Konfetti eine gute Besetzung zum Ausklang des Festivals am Sonntag im Zelt. Den Rausschmeisser machten dann Toro Y Moi mit gebremst extatischem Yachtrock. Ich habe es genossen. Was wir auch gleich mal so als Fazit stehen lassen…

Das Festival in Bildern:

Freitag 17.07.15:

Abkühlung am Campingplatz

Wyoming

L’Aupaire

Tove Lo

Aquilo

Fickle Friends

Bilderbuch

Jamie XX

Years & Years

Mogwai

London Grammar: Irgendwie eigenartig. Auftreten und Musik gehen irgendwie nicht synchron. Nur melancholische Songs, fast schon im Gothbereich und dazu gekleidet wie eine Teeniepartytruppe…

La Roux

Autechre

Roni Size Reprazent

Romano: Ist das Comedy oder soll das „real“ sein? Inkl. Geldregen mit dem eigenen Konterfei auf den Noten. Gabs früher schon bei Turbonegro und K.I.Z.

Clark

Samstag 18.07.15:

Der einsame Tänzer

Head High

Eindeutig der Renner der Saison: hübche Mädchen mit Unkraut im Haar

Dank kostenloser Bastelstation kein Thema, gern auch kombiniert mit dem Glitter vom Nachbarstand.

Malky

Wanda: eklige durchgeschwitzte Lederjacke, ob sich der Pennerlook durchsetzen wird?

Big Wheel Stage – gefüllt

Mama

The Districts

Cakes Da Killa

Django Django

Young Fathers

Giorgio Moroder: Leider auch nicht mit der Aufführung des neuen eigenen Werks, stattdessen Oldiedisko mit eigenen Frühwerken, Weggefährten und seinen Favoriten der Gegenwart inkl. merkwürdiger Ansagen.

The Orb

Kylie Minogue

Hauptbühnenpanorama

Von Spar feat. Ada

Jon Hopkins

Sonntag 19.07.15:

Immernoch oder schon wieder auf dem Sleepless Floor

Ibeyi

Catfish And The Bottlemen

Seinabo Sey

Blumen im Haar

Jamie T

Pool

Damian Lazarus & The Ancient Moons

Ride

Aurora

Howling

Alt-J

Darwin Deez

Toro Y Moi

Heimweg

alle Bilder: K. Nauber

www.meltfestival.de

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