OUT OF THE BLACK, INTO THE BLUE

Text: Joerg | Ressort: Musik | 4. Oktober 2018

The Sword – Used Future (Razor & Tie)

Konsens, Baby! Mit „Used Future“, ihrem siebenten Studioalbum, zeigen The Sword wohin Progressiv-Metal gehen kann – von Album zu Album, von Track zu Track subtiler, entgegen allen Unkenrufen der Hard-Edge-Fans, denen die Warp Riders-Phase zum Gebets-Tempel geworden war. Besänftigt wurden Zweifler mit dem wirklich sperrig-kantigen Live-Album „Greetings from …“ bereits im Vorjahr. Da konnte man als konservativer Hard-Edge-Fan eigentlich nicht meckern. Der frei als Appetizer gepostetete Live-Mitschnitt aus Austin, zeitgleich zum neuen „Used-Future“-Release, war bereits vom Feinsten! Gewieft haben die Texaner ihr Ding durchgezogen und die renitenten Fans gleich mit. So schön, wirklich, so warm, gingen die Nummern im engen Club ineinander, dass ich ganz baff war: Desert Rock, Grunge, Sabbath-Riffs, ZZ-Top-Drive und Thin Lizzy-Power inklusive.

Auch das Konzertpublikum im Video war sehr, sehr toll – es war erfrischend, mal nicht die typischen Outfits und Gestalten zu sehen, die man während eines Metal-Events oft bestaunt – ich meine hauptsächlich die „Men in Black“, mit deren oftmals eher peinlichem bis karnevalistischem Gebahren. Wer spielt hier? Die Melvins, Nirvana, Mudhoney?! Nein, nur eine dieser zahllosen Metal-Frickler aus dem Post-New-Wave-Of-Heavy-Metal-Bereich. Ein bisschen genialisch, wie bei den frühen Wolfmother, aber dann doch noch eine Spur genuiner, und auch, gerade was den Gesang angeht, nicht ganz so euphorisch übers Limit. The Sword machen für mich Vieles richtig gut und neu. Sie posen und übersteigen sich nicht, und wirken doch zwingend euphorisierend mit ihrem Stoner-, Blues-, Country,- Trash-Progressive-Mix von Metal.

Und war das letzte Studiowerk „High Country“ bereits DER furiose Konsens-Knaller – früher sagte man das noch öfter und freute sich in den linken Redaktionen!, so entstand mit „Used Future“, … sozusagen nach „Blonde On Blonde“, … jetzt The Swords „John Wesley Harding“: keep it simple, keep it clear and straight to the point. Ein, wie ich finde, wirklich beachtenswertes Werk, gerade als Metal- oder Hardrockalbum von einiger Tragweite, weil man aus diesem Genre sehr oft nicht ohne Plattitüden rauskommt. Fehlte nur noch, dass Neil Young auf sie aufmerksam würde und ein zweites „Mirrorball“ initiieren wollte …

Als Live-Band scheinen sie mindestens so agil wie Pearl Jam, und ebenso toll zu sein wie im Studio. Das haben bereits Metallica für sich genutzt – sie tourten zusammen mit The Sword durch Australien, Neuseeland und Japan. Europa steht noch aus. Vorerst also „Used Future“, ein im Grunde progressives, super-stoisch agitierendes, stark Blues , Folk und Country orientiertes Metal-Album einer durchaus noch jüngeren Band. Klar, der Inhalt ist das Wichtigste … Und hierbei wird es dann erst so richtig sophisticated: ein Feuerwerk an Einfällen und Spielfreude – ganz ohne Testosteron. Kurz: seit den Neunzigern habe ich nichts Vergleichbares aus dem Bereich Metal gehört, was sich hätte mit dem Attribut Fortschritt irgendwie klassifizieren lassen. Dies hier ist einfach verdammt erdiger Future-Metal – definitiv unverbraucht!

Jörg

www.theswordofficial.com

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