Steven Brown – El Hombre Invisible

Text: | Ressort: Musik | 20. April 2022

Klar kann man Tuxedomoon aus San Francisco erwähnen. Steven Brown ist Gründungsmitglied und neben Blaine L. Reininger seit 1977 dabei. Sein Keyboardspiel hat sicher zum sogenannten „cabaret no-wave“ Sound beigetragen. Nachdem Reininger bereits 1983 Solopfade einschlug, gibt Brown, der heute in Oaxaca, Mexiko lebt, erst jetzt sein Solo-Debut mit „El Hombre Invisible“, so man diverse Soundtracks und Theatermusik auslässt. Die Melange aus Lambchop und den Chicagoer Slow-Country Epigonen Souled American, dessen Stimmlage Steven Brown streift, geht mit experimentellem Pop einher. Das Songwriting, die Arrangements und auch die epischen Themen und Inhalte eines Scott Walker werden tangiert; das ganze Album bekommt eine jazzige bis avantgardistische Note. Nichts zum Wegdriften – dafür sind die Klangentwürfe zu heterogen. Tonale Brüche und Rhythmuswechsel erzeugen Spannung bis zum Ende – stellenweise taucht die stoische Melancholie eines Robert Wyatt auf. Trotz zahlreicher Zitate und Rückgriffe – auch auf das eigene Werk –, muss das Ohr nicht geschult sein, um zu spüren, dass hier mit dem Material gerungen und gespielt wird. Das Album erscheint beim belgischen Crammed Discs Label, wo auch Tuxedomoon schon Ewigkeiten veröffentlichen. Mal wieder ein Anlaß im durchaus spannenden Rooster des Labels zu stöbern, um neben den bekannten Namen wie John Lurie oder Fred Frith auch auf nicht ganz so oft Genannte, wie zum Beispiel die Psychedelic Folk Band Megafaun oder die Artrock-Formation Skeletons, zu stoßen. Diese sind wie auch das neue Album von Steven Brown keine leichte, aber schöne Kost für Freundinnen des Unvorhersagbaren.

Jörg Gruneberg

Steven Brown – El Hombre Invisible, VÖ. 15.4.22 via Crammed Discs

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