<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>: Persona Non Grata : : : &#187; Gero</title>
	<atom:link href="http://www.persona-non-grata.de/author/gero/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.persona-non-grata.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sat, 04 Feb 2012 13:44:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>La Paloma</title>
		<link>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/22/la-paloma/</link>
		<comments>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/22/la-paloma/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 22 Aug 2008 13:35:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gero</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diary]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.persona-non-grata.de/?p=321</guid>
		<description><![CDATA[Samstagmorgen, 8:00 Uhr. Ein Lächeln zuckt durch das bärtige Gesicht mit der roten Nase und den kleinen Augen, als ich mich neben ihn auf die Plastikbank am S-Bahnsteig fallen lasse. Ich kann nicht sagen, ob er meine sehr offensichtliche, völlige Erschöpfung lustig findet oder sich einfach über die Anwesenheit eines anderen Menschen freut. Interessiert mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-322" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/lapaloma.jpg" alt="" width="605" height="200" /></p>
<p>Samstagmorgen, 8:00 Uhr. Ein Lächeln zuckt durch das bärtige Gesicht mit der roten Nase und den kleinen Augen, als ich mich neben ihn auf die Plastikbank am S-Bahnsteig fallen lasse. Ich kann nicht sagen, ob er meine sehr offensichtliche, völlige Erschöpfung lustig findet oder sich einfach über die Anwesenheit eines anderen Menschen freut. Interessiert mich auch nicht. Er ist wahrscheinlich Mitte sechzig, riecht nach dem Suff des Vorabends und öffnet sein erstes „Sterni“ des Tages. Ich lehne sein Angebot eines Schlucks auch gleich ab. Er versteht. „Warste tanzen“? Ich nicke müde. Keine Lust auf Konversation. Nicht jetzt. Nicht mit ihm.</p>
<p>Und sofort packt mich das schlechte Gewissen. „Willste eine rauchen?“ Ich halte ihm meine Schachtel hin. Er nimmt dankend an. Als er mit seiner Hand nach der Zigarette greift, sehe ich die Tätowierung auf seiner Hand. ‚Lapaloma’ steht da in krakeligen Buchstaben. Jetzt muss auch ich schmunzeln. „Schönes Tattoo“, lüge ich ihn an. ‚Lapaloma’ auf seine Hand tätowiert zu haben ist aber auch wirklich albern. „Ist uralt.“, sagt er, „Mindestens 25 Jahre, noch aus der DeeDeeChhhh.“ Dabei hält er sich die Hand mit gespreizten Fingern vors Gesicht. Ich brauche eine Weile, um zu verstehen, was er meint: DDR, Knast. Jetzt möchte ich doch mehr wissen, habe jedoch Angst, in Dingen zu stochern, die besser ruhen sollten. Er aber redet einfach in seiner schrulligen Art weiter. Weigert sich konsequent, den verflossenen ostdeutschen Staat mit dem richtigen Namen anzusprechen und berlinert weiter: „Is mein erstes jewesen. ‚Lapaloma’ wegen dem Song, weeßte? Ick bin mit 25 wegen versuchter Republikflucht einjefahren und danach imma wieder rein und raus. Meistens Rummelsburg, wegen Klauen und anderem Scheiß.“ Beim Erzählen fuchtelt er mit seinen von Arbeit gezeichneten Händen in der Luft herum. Dass dabei ständig sein Bier überschwappt, stört ihn wenig. Ich frage ihn, ob er sich im Knast noch mehr Bilder hat stechen lassen. Er krempelt seine Jacke hoch und zeigt mir eine Rose mit dem Schriftzug ‚Elvis’, dem Interpreten des Songs, auf seiner Hand. „Ooch schon dreißich Jahre tot, der Kerl“, kommentiert er und grinst übers ganze Gesicht. „Ham wir immer heimlich jehört. Wir hatte sogar n’ illegalen Plattenspieler im Bau. Warn janz schöner Akt, dit Teil zu besorgen!“</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-323" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/lapaloma2.jpg" alt="" width="605" height="476" /></p>
<p>Wir steigen in die Ringbahn ein und sind beide für einen Moment still. Als ob unser Gespräch an die Wartebank gebunden war und der Ortswechsel bedeutet, dass wir jetzt beide wieder in verschiedenen Welten leben. Er bleibt kurz stehen und zögert, sich neben mich zu setzen. Nachdem er sich überwunden hat, sprudelt es einfach weiter aus ihm heraus. „Wir durften ja nichts machen. Kein Skat oder Doppelkopp, die Karten haben wir uns selbst aus Tabakkartons und Bohnerwachs jebastelt. Die wollten, dass wir Schach spielen. Aber wer will dat schon im Knast? Dauert doch viel zu lange.&#8221; Und weiter übers Tätowieren: &#8220;War richtich teuer, weil du hast immer zwei Leute jebraucht. Einer hat jestochen und der andere stand Schmiere. Und du musstest still sein. Dit war schwer, weil hat ja höllisch wehjetan und ewich jedauert. Ham ja allet mit Stopfnadeln jemacht.“ Er knöpft sein Hemd auf und zeigt mir das Tattoo einer betenden Halbnackten auf seiner Brust und berichtet, dass sie dafür sechs Monate gebraucht haben. Dass er im Sommer am See ständig von der Polizei vertrieben wurde oder Mütter ihn gebeten haben, sich doch bitte etwas überzuziehen. „Die war ja eigentlich nackich. Aber irgendwann hatte ick es satt, dass die Leute ständig jemeckert haben und hab der einfach`n Schlüpper anjezogen.“</p>
<p>Er springt von seiner Zeit im Knast zu Beschimpfungen der beiden Staaten seines Lebens zu lapidaren Andeutungen der Hoffnungslosigkeit, die sein jetziges Leben mit sich bringt. Das Gefängnis liefert ihm im Rückblick die schönsten Geschichten. Immer wenn er berichtet, wie Beamte ausgetrickst wurden, um sich die Zeit hinter Gittern zu vereinfachen, leuchten seine Augen und Stolz schwingt mit in seiner Stimme. Spricht er aber von der Zeit außerhalb, schaut er aus dem Fenster und ich sehe Anflüge von unterdrückten Tränen. Er lässt nicht viel Positives an seinem aktuellen Leben. Erklärt seinen Tagsablauf, das frühe Aufstehen: „Jeden Tach um sieben und dann erstmal Frühstück“ und zeigt auf sein Bier. Das ziellose Herumfahren mit der BVG und die Tatsache, dass sich für ihn als Arbeitskraft niemand interessieren würde. Mir fällt es in diesen Momenten schwer etwas zu sagen. Darum geht es ihm aber auch gar nicht. Er freut sich einfach, zu reden und loszuwerden, ohne eine Reaktion zu erwarten. Er packt eine Anekdote nach der anderen aus und beschreibt die Dinge so detailliert und witzig, dass ich mehrmals laut auflachen muss. Ich vergesse meine Müdigkeit.<br />
Ich fahre drei Stationen zu weit, um ihn nicht zu unterbrechen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/22/la-paloma/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schwitzen für den Klassenkampf</title>
		<link>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/15/schwitzen-fur-den-klassenkampf/</link>
		<comments>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/15/schwitzen-fur-den-klassenkampf/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 15 Aug 2008 10:38:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gero</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diary]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.persona-non-grata.de/?p=271</guid>
		<description><![CDATA[Da sitzen wir also. Zu zweit in der dunklen Sauna. Eigentlich haben wir hier nichts verloren, denn der Spa-Bereich des Hotel Aveny im schwedischen Umeå ist um ein Uhr morgens natürlich nicht mehr geöffnet. Die nicht abgeschlossenen Türen deuten wir aber als stilles Zugeständnis der Hotelangestellten an Gäste mit dem etwas anderen Biorhythmus und immerhin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href='http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/schwitzen.jpg'><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/schwitzen.jpg" alt="" width="605" height="200" class="alignnone size-full wp-image-272" /></a></p>
<p>Da sitzen wir also. Zu zweit in der dunklen Sauna. Eigentlich haben wir hier nichts verloren, denn der Spa-Bereich des Hotel Aveny im schwedischen Umeå ist um ein Uhr morgens natürlich nicht mehr geöffnet. Die nicht abgeschlossenen Türen deuten wir aber als stilles Zugeständnis der Hotelangestellten an Gäste mit dem etwas anderen Biorhythmus und immerhin sind wir nur mit unseren Handtüchern bekleidet extra für den Saunabesuch in die sechste Etage gestiefelt. Von diesem Vorhaben kann uns auch nicht die erfolglose Suche nach einem Lichtschalter abbringen. Es geht uns um Wärme und nicht ums Licht. P. beschließt, das orange blinkende Lämpchen am Saunaofen bedeute unbedingte Arbeitswilligkeit des Gerätes und ich nicke wissend. Hoffend darauf, dass der Wasseranteil unser Körper angesichts der übermächtigen über ihn hereinbrechenden Hitze in den nächsten Minuten die Flucht in Strömen antreten wird, beginnen wir schnell die übliche Fachsimpelei über neue Bands, neue CDs und (neue) Frauen.</p>
<p>Es ist Frühling 2002. Der Anschlag vom 11.September dominiert immer noch die Nachrichten, die Invasion in Afghanistan hat im Winter vorher begonnen und Dennis von Refused endlich eine neue Band. Priorität für mich ist letzteres. Ist ja auch mein Job. Die musikinteressierte Welt muss so schnell wie möglich die wichtigen News erfahren und unisono beschließen, dass The (International) Noise Conspiracy im Alleingang den (politischen) Rock ’n’ Roll neu erfunden und gerettet haben. Der neue schlagkräftige künstlerische Arm des Klassenkampfs. Politisches Gewissen auf CD. Schlagkräftigstes Mittel zum Zweck ist der Sender VIVA2, dem die Änderung des Namens zu VIVA+ und der damit einhergehende Absturz hin zu Quizshows und ähnlichem noch bevorsteht. Hier tummeln sich ein Haufen Idealisten, davon die meisten natürlich Praktikanten, die ein zeitweise wirklich gutes Programm auf die Beine stellen. Ohne Charlotte Roches Fast Forward und dem kleinen Haufen Spinner in der 2Rock-Redaktion wären unter anderem The Hives nicht die am meisten überschätzte Band des Planeten geworden und mein Job um einiges härter.</p>
<p>The (International) Noise Conspiracy sollen einen Gig im Rahmen der „Umeå Open“ spielen. Ein lokales Musikfestival, auf dem Bands sämtlicher Genres ohne Sinn und Verstand zusammengeworfen werden, um der Studentschaft der nördlichsten Großstadt Schwedens auch mal was bieten zu können. Alles in allem nicht wirklich spannend. Aber es kommt ja darauf an, wie man es verkauft. Also werden die Umeå Open zum Insider-Festival Skandinaviens umgelogen, „Soundtrack Of Our Lives spielen auch“ zieht sofort, „Dennis-du-weißt-schon-der-von-Refused-Lyxen“ als Totschlagsargument hinten dran und die Sache ist geritzt. „Lass uns doch ein kleines Feature für 2Rock mit Liveclips und Impressionen aus der Stadt bringen, ein Interview im privaten Umfeld machen, solche Bilder bekommt ihr sonst nicht so einfach &#8211; und nebenbei können wir wunderschönen Schwedinnen auf den Hintern schauen.“ So einfach kann es sein. Über Budgets, um ein paar reisefreudige TV-Redakteure durch die Gegend zu fliegen, muss man sich 2002 sogar als Indielabel noch nicht zu sehr den Kopf zerbrechen.</p>
<p>In Umeå läuft alles perfekt. Die Show der Band wird vollständig gefilmt. Der Chefredakteur und alle Kameramänner verlieben sich in die schönste Schwedin von allen. Die ist leider zu der Zeit Dennis Lyzens Freundin, Bandmitstreiterin und nicht interessiert. Also trinken wir zuviel und schlafen zuwenig, lachen über schwedischsprachige HipHop-Bands, 11jährige Modmächen mit Wodkaflaschen und einen Auftritt der legendären BlackMetal-Assis von Mayhem, die das minderjährige Publikum mit echtem Schweineblut vollsauen. Was will man mehr von einem kleinen Ausflug, bei dem gleichzeitig noch ein einstündiges Feature für das Prioritäts-Thema(!) deiner kleinen Plattenfirma bei Deutschlands sich am wichtigsten nehmendem Musiksender herausspringt. Ich bin zufrieden und in Feierlaune. P., damals noch Volontär, sowieso immer.</p>
<p>„Gero, meine Nippel sind hart.“ – „Was?!“ – „Mir wird kalt, mach mal ´n Aufguss!“. „Echt, das bringt was?“ – „Ja, so muss das in einer Sauna. Wenn die Hitze nachlässt, macht man `nen Aufguss“ – Es ist ja tatsächlich kühler, als man es in einer Sauna erwarten würde. Das Bier in meiner Hand ist auch noch recht frisch. Also Aufguss. Von mir aus. Der Bretterverschlag ist zappenduster. Im Dunkeln taste ich nach dem halbgefüllten Eimer und schleiche, übervorsichtig einen Fuß vor den anderen schiebend, in Richtung Saunaofen. Ich könnte ja stolpern und mit dem Gesicht direkt in der Glut landen und P. wäre dann sicher keine große Hilfe. Der ist so betrunken, der würde sich eher kaputtlachen, als irgendwas in Richtung Rettung auf die Reihe zu bekommen. Ich schütte das Wasser vorsichtig über die Glut, um mich nicht zu verbrühen und es zischt leise. Kein Wasserdampf, kein plötzlicher Temperaturanstieg. Nur ein mickriges, trauriges „pfffffff“ und noch weniger Licht. Das bisschen Glut, was unserem vernebelten Geist vorher wenigstens etwas Gemütlichkeit und Wärme vorgegaukelt hat, ist jetzt auch noch gelöscht. P. fragt aus der Dunkelheit: „Was’n jetzt kaputt?“ und ich suche nach einer Möglichkeit, ihm schonend zu erklären, dass wir die letzte halbe Stunde in einer Sauna verbracht haben, die wahrscheinlich schon seit dem frühen gestrigen Abend nicht mehr gefeuert wurde. „Lass uns in den Whirlpool gehen, Sauna ist langweilig.“ – „Aber ich schwitze doch noch gar nicht.“ – „Egal, schwitzen ist eh überbewertet.“</p>
<p>Ich kann die Gedanken der armen polnischen Putzfrau nur ahnen, die uns beide am nächsten Morgen im munter vor sich in blubbernden Whirpool entdeckt. Nackt, tätowiert und völlig aufgeweicht. Mindestens eine Bekreuzigung war sicher nötig, bevor sie uns mit dem Stiel ihres Wischmops und einem Schwall slawischen Wortsalats aus dem Schlaf befördert und unfreundlich und bestimmt aus dem Wasser heraus komplimentiert. Der gekreuzigte Erlöser an ihrer schmucklosen Kette sieht nicht glücklich aus.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/15/schwitzen-fur-den-klassenkampf/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Salam Aleikum, Digga!</title>
		<link>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/08/salam-aleikum-digga/</link>
		<comments>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/08/salam-aleikum-digga/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 08 Aug 2008 10:40:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gero</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diary]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.persona-non-grata.de/?p=197</guid>
		<description><![CDATA[„Komm, Kondome brauchst du doch auch noch, reichen zwanzig Stück?“ Nein, ich brauche keine Kondome. Das spielt aber auch keine Rolle. Murat wird mich trotzdem danach fragen. Wie die letzten zwei Jahre. Immer wenn ich mir ´ne neue Packung Kippen in der Tankstelle gegenüber meines Domizils hole. Murat mag mich. Freut sich immer wie eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/salam.jpg" alt="" width="605" height="200" class="alignnone size-full wp-image-198" /></p>
<p>„Komm, Kondome brauchst du doch auch noch, reichen zwanzig Stück?“ Nein, ich brauche keine Kondome. Das spielt aber auch keine Rolle. Murat wird mich trotzdem danach fragen. Wie die letzten zwei Jahre. Immer wenn ich mir ´ne neue Packung Kippen in der Tankstelle gegenüber meines Domizils hole. Murat mag mich. Freut sich immer wie eine Schneeprinzessin, wenn ich den Minimarkt unter dem blau leuchtenden Logo betrete. Mit Stammkunden eine Per-Du-Beziehung aufzubauen, ist ja an sich auch nichts Verwerfliches. Und nett ist der Kerl ja auch. Und schwul. Kein Problem, whatsoever. Soll er mich doch toll finden, ist ja schmeichelhaft. Die schlimmsten Homophoben sind ja eh die, die behaupten, nichts gegen Schwule zu haben, „solange sie mich nicht angraben“. Und Murat gräbt gerne und hat inzwischen sämtliche Scheu abgeworfen.<br />
Wenn ich abends mit Freunden oder Freundinnen bei ihm was gekauft habe, fragt er mich am nächsten Tag garantiert wie der Sex war. Ohne Rücksicht auf eventuell anwesende andere Kunden, meine Begleitung oder meine aktuelle Laune (die ich selten gut verstecken kann). „Na, gut gefickt gestern?“ „Sag mal, bist du eigentlich beschnitten?“, „Wollen wir nicht mal zusammen vögeln gehen?“. </p>
<p>Wäre ich eine Frau und er interessiert am anderen Geschlecht, ich würde mich belästigt fühlen. So bin ich einfach nur genervt. Aber auch zu feige oder zu nett, ihm einfach mal zu sagen, dass ich eigentlich nur meine Zigaretten möchte und er sich seine sexuellen Fantasien gerne sonst wohin stecken kann. Man will ja jemandem, der sich für sechs Euro in der Stunde in einer Tankstelle die Nächte um die Ohren haut, nicht die Woche versauen. Inzwischen habe ich es so satt, dass ich oft die 50 Meter weiter zum 24-Stunden-Kiosk um die Ecke laufe. Der Araber dort begrüßt mich gerne mit „Salam Aleikum, Digga“ und fragt mich, ob das Mädchen mit den dunklen Haaren, mit dem er mich mal gesehen hat, meine Freundin sei. Und wenn nicht, ob ich sie ihm nicht vorstellen könne, weil er „alle Frauen garantiert glücklich&#8221; machen würde. Normale Neuköllner Kundengespräche eben. </p>
<p>Murat fragt inzwischen mit traurigem Blick nach, ob ich soviel arbeiten würde, weil man mich nur noch so selten sehe. Jetzt ist er erstmal für zwei Wochen im Urlaub. Hoffentlich findet er da den Mann fürs Leben und ich kann wieder ganz normal meine Nikotinsucht befriedigen, ohne ständig erklären zu müssen, dass mein Kondombedarf gedeckt ist. </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.persona-non-grata.de/2008/08/08/salam-aleikum-digga/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

