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	<title>: Persona Non Grata : : : &#187; Joerg</title>
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		<title>Aufreissen &amp; Gefährden</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 23:44:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[B]]></category>

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		<description><![CDATA[Dear Readers
neues Album "Idealistic Animals"<br />
<b>am 02.02. im UT, Leipzig</b>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignnone size-full wp-image-3845" title="dearreader250" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/dearreader250.jpg" alt="" width="250" height="250" /></strong></p>
<p><strong> </strong>Dear Reader zeichnen sich durch einen hohen Appetit auf Pop-Appeal &#8211; im Sinne einer schillernden, perlmutbesetzten Oberfläche, aufgeräumte Sound-Technik und wohldosierte Exhaltiertheit &#8211; aus. Sie haben ein Album gemacht, das wieder einmal genau jenes Unspektakel, bzw. jene Nichtsensation, die man ja vom/beim City Slang-Label fast schon erwartet, in Erfüllung gehen lässt.</p>
<p>Natürlich ist mir das Understatement sympathisch. Darum kritisiere ich hier nicht explizit eine Konzentration auf das Eigentliche und das Wesentliche, die natürlich vorzuziehen sind gegenüber einem billigen Effekt, einem leicht zu durchschauenden und vordergründing abgeschmackten Hype, sondern unterstelle, dass man vielleicht etwas <em>zu sehr</em> darauf bedacht war, die Band sound-ästhetisch in den Label-Kosmos einzubetten.</p>
<p>City Slang steht nunmal für traumhafte Produktionen, wunderschöne Laid-Back-Veranstaltungen, riesige Sound-Landschaften und Gourmet-Hörerlebisse. Und jene Art des balladesken Songwriting kombiniert mit leicht anektodischer Popschulen-Klassik goutieren ja auch (wir) die Fans bisweilen. Da möchte ich aber, im Falle Dear Readers &#8220;Idealistic Animals&#8221; nicht ganz folgen. Stattdessen klopfe ich nervös auf dieser nonchalanten Edelholz-Gitarre herum und suche angestrengt nach Konstruktionsfehlern bis in die äussersten Spitzen der Maserung.</p>
<p>Denn, <em>wie</em> jene seltsam anektodisch-verschwurbelten Highschool-Poesie-Album-Geschichten hier erzählt werden, das ähnelt frappant dem Charme eines Sofia Coppola-Films. Tragikkomödien sollten einem aber bitte schön schmerzhaft das Lachen im Halse stecken bleiben lassen, &#8211; siehe zum Beispiel Denis Arcand &#8211; und nicht etwa hochtrabend pseudophilosophisch, cosmo-ethnisch mit dem Mittelfinger drohen, um sich dann doch mit einem plumpen Applaus über ein schiefes Bild, eine schräge Grimmasse zufriedenzugeben.  Das, was Esther Buss ganz treffend im film-dienst (15/2011) über Sofia Copolla schreibt, beschreibt gleichsam ein weiter greifendes Phänomen.</p>
<p>Eines, das sich weissgott nicht ausschliesslich auf den populären Film oder populäre Musik eingrenzen lässt. Aber, es reicht hin, seinen Schatten gleichsam auf das vorliegende Dear Reader-Album zu werfen. Zitat Esther Buss: &#8220;Natürlich beherrscht Sofia Coppola die Kunst einer gleitenden, ganz auf Atmosphäre ausgerichteten Erzählung souverän und mit viel Sinn für Lakonie, doch was ihren Filmen gänzlich fehlt, ist eine Form von Widerstand – etwas, das die Oberflächen nicht nur reproduzieren, sondern aufreißen und gefährden würde.&#8221;</p>
<p>Aufreissen und Gefährden. Ja, das ist es, denke ich. Das ist das, was hier eben nicht geschieht. Was bei Lambchop, z.B. sehr wohl schon des Öfteren vorkam, was auch bei anderen City Slang-Bands den guten subversiven Nachhall ausmachte. Bei Lambchop war es die leise, aber immer beissende Ironie. Ist bei Dear Reader der Infantilismus als Kunstgriff beabsichtigt, ein Programm?</p>
<p>Wenn die Tracklist sich als Tiernamens-Liste gibt, und darin kein trolliger Missgriff eines Konzeptalbums liegt. Wenn dies vielmehr dem Gesamtkonzept einer sich naiv-oberflächlich gebenden Ästehtik entspringt. Wenn das hier durchkomponiert ist bis in die Cover-Photographie, auf der eine junge Frau sich als unschuldige Dorothy im Zauberland, mit Schultasche und Kuscheltier, inszeniert.</p>
<p>Dann, &#8211; ja, dann könnte man es fast glauben.</p>
<p>Dass ein traumhaft designtes, in allen Regenbogenfarben schillerndes Futur-Blumenkleid, nebst ähnlich modern geschnittenem Kurzhaar, die Protagonistin der Cover-Photographie als Dorothy zeigen, die just aus dem Zauberland zurückkehrt. Dass die Spitzen der roten Schuhe absichtlich zusammenticken. Dass das Gesicht die schockhafte Versetzung in eine unwirtliche Umgebung, den Hinterhof einer Blockhütte, die Wäscheleine mit Handtüchern und Tischdecken in Modefarben über frisch gerodetem Waldboden spiegeln soll. Kurz: Dass es keinen Zweifel gibt, das jenes Spiel mit der Unschuld <em>das</em> Thema des Albums ist.</p>
<p>Alles möchte aus einem Guß sein. Das allzu sterile, artige Durchkomponieren und Durchfabulieren erhärtet den Eindruck eines monolitischen Albums nicht. Die einzelnen (Tier-)Track-Namen, wie Fox oder Monkey, erhielten durchgehend Ergänzungen in Klammern. So steht dort: Fox (Take Your Chance) oder Man (Idealistic Animal). Womit wir beim Titeltrack angelangt wären. Düsternis und Schwere des Arrangements machen sofort klar, dass der Mensch einen Problemfall ausserordentlicher Art darstellt. An dieser Stelle muss ich, als aufgeklärter Hörer, natürlich schnell mal schlucken, ob das Album hier nicht gänzlich an dem etwas zu hehren Anspruch zu zerschellen droht, den ich hier, in Anbetracht des Materials und seiner sorgsamen Bearbeitung, unterstelle.</p>
<p>Sterilitäts-Gefahr. Hauchdünn wurde die Leidensbetrachtung, die Hoffnung auf Harmonie gegenüber dem Abseitigen und Schicksalverachtenden, bevorzugt. Dunkle Visionen klingen demnach zwar herauf. Aber, das kommt sehr zartbitter, zaghaft, unbewusst. Das Wilde, das Unbändige, &#8211; und vor allem das Unschuldige &#8211; kommen  nicht zur Entfaltung. Viele Stellen der Arrangements wirken dadurch etwas zu stark konturiert, ja comichaft überzeichnet. Vielleicht wurde dem Zufall, dem einfachen Herantasten, kurz: dem Experiment, bei der Komposition zu wenig Raum gelassen.</p>
<p>Am glücklisten finde ich, von den überladenen, noch die Tracks, in denen sich alberne Einfälle, lustige Sounds mit Passagen von rhythmischer Ausgelassenheit paaren, wie zum Beispiel in &#8220;Bear (Young&#8217;s Done In)&#8221;. Das erinnert mich zuweilen an grosse Momente auf Victoria Williams-Alben. Was natürlich auch an einer stimmlich ähnlich agierenden Sängerin Cherilyn Macneil liegt. Wobei hier Tragik und Komik sehr wohl gefühlvoll gesetzt, oder sagen wir besser eingesetzt werden, aber nicht &#8211; siehe Williams, oder seht meinetwegen zum Vergleich auch noch mal bei Judy Henske &amp; Jerry Yester hin &#8211; etwa ursprünglich, und schon gar nicht urgewaltig zum Ausdruck gebracht werden können. Na, gut. Wer erwartet denn immer gleich sowas Grosses? Ich sag&#8217;s nur deshalb, weil es halt nahe an was Grossem dran ist. Und Cherilyn Macneil hält ihre Kompositionen narrativ immer eng gefügt und persönlich gefärbt. Billig ist dies beileibe nicht.</p>
<p>So ist zusammenfassend zu sagen, dass Dear Readers starke Momente bestimmt nicht im Gesamtkunstwerk-Konzeptalbum-Overkill &#8211; was dann nervt &#8211; liegen, sondern sehr viel stärker in den etwas schlichter gehaltenen Stücken &#8211; siehe &#8220;Fox&#8221;, &#8220;Giraffe&#8221;, oder &#8220;Kite&#8221; &#8211; aufscheinen. Ähnlich Tiny Vipers letztem tollen Album &#8220;Life on Earth&#8221;, wird hier auf Percussion verzichtet. Die Stücke gewinnen dadurch enorm an Authentizität. Und verlieren paradoxerweise an Zahmheit. Das Album zeichnet sich durch ein riesiges Potential an Song-Schätzen aus, die jedoch nur im Ansatz ausgelotet und gehoben werden konnten. Viele Passagen bleiben daher Versprechen &#8211; aber schillernde!</p>
<p>(City Slang)</p>
<p><a href="http://www.dearreadermusic.com" target="_blank">www.dearreadermusic.com</a></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="420" height="315" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/D5oZhb_9PzA?version=3&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/v/D5oZhb_9PzA?version=3&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Tour:</p>
<p>02/02/12 	 Leipzig, UT</p>
<p>03/02/12 	 Berlin, 	Lido</p>
<p>29/02/12 	 Lingen, 	Alter Schlachthof</p>
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		<title>Der Tante Renate (DTR) – H4xX02</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 18:43:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[1]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[(Audiolith)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3673" title="DerTanteRenate" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/DerTanteRenate1.jpg" alt="" width="250" height="248" /></p>
<p>Es gibt den richtigen Club im falschen nicht. Norman Kolodziej, auch bekannt als der eine Teil des Audiolith-Duos Bratze, steht als Person dafür, dieses Paradoxon auf rationaler wie irrationaler Ebene, fassbar zu machen. Wo er auftritt, wo er die Gitarre umhängt, wo er verschmitzt seine scharfen Wasserpistolen zückt, da muss zunächst reflektiert worden sein, was der Spaß bedeuten soll. Daß der Spaß ernst und der Ernst spassig sein dürfen. Wie echte Bewegung im falschen Club unmittelbar herbeigeführt werden kann. Oder, was dies garantiert hier nun jetzt gerade auch nicht unbedingt, unter allen Umständen, bedeuten muss. Grundsätzliches Stilmittel Kolodziejs ist jedenfalls, irgendwann dazu aufzufordern, quasi um den heißen Brei herum zu tanzen. Seine Lieblings-Küchengeräte sind dabei der Quirl und der Fleischhammer. Wie bei allen guten Tanz-Musikern wirkt danach das Album, als könne es nicht ohne Club funktionieren, nicht ohne Club im Hinterkopf rezipiert werden. Die Einzel-Tracks funktionieren weniger als Bilder, denn als Ankerpunkte in einem Koordinatensystem aus Räumen. Wenn Du nicht bereit bist Dich da durchzuhangeln &#8211; was man vielleicht mit einer Art abstraktem Tanzen umschreiben könnte &#8211; dann wirst Du als Hörer nichts bemerken außer unzusammenhängende Windkanal-Test-Anordnungen. Aber, das wäre ja auch gar nicht so falsch gehört. Schließlich sind Flugsimulationen ja auch groß nichts anderes als eine Art Koordinations-Übungen im falschen Club. Und eine geflickschusterte Simulation hält gegenüber einer schulbuchmäßigen Imagination immer noch eine relative Lebensnähe parat. Wegdriften heisst bei DTR immer auch: Pass auf, sonst liegst Du gleich auf der Schnauze. Der Albumtitel &#8220;H4xX02&#8243; steht synonym für &#8220;Häcker&#8221;. Es steht aber nicht &#8220;Häcker&#8221; auf dem Cover, sondern &#8220;H4xX02&#8243;. Es geht hier also nicht um&#8217;s Dechiffrieren, sondern um ein Leben mit den Zeichensystemen. Erstaunlicherweise gibt es heute im Posttechno-Zeitalter durchaus noch ein Missverhältnis von Sound und Text. Oder besser gesagt, es gibt dieses Missverständnis, Subversion generiere sich in erster Linie über das geschriebene oder gesungene Wort. DTRs Tracks kommen (bis auf ganz wenige Ausnahmen) ohne Worte aus. Mehr aber, mehr noch als Egotronic und die anderen Audiolith-Text-Acts, mehr auch als Bratze, schafft DTR es, jenen Mix aus Beat und Subtext zu transportieren. Setzt man die sehr spannende Experimentierphase als Bratze dem neuen Album gegenüber, so wird dies ganz besonders deutlich. Da, wo Bratze am härtesten, am unverständlichsten Punkt eines Tracks immer noch Lied, sprich Erzählung bleibt, dort   schleudert DTR ungestüm seine Beats und Riffs, völlig ungeachtet jeder Erwartungshaltung ausgeklügelt in den Raum. Irgendwo zwischen Justice, Daft Punk, Egoexpress verortet, steht DTR &#8211; wie jene &#8211; für technoiden Rock, ohne Schnörkel, ohne Art-, ohne Post-, ohne Kraut- und ohne Math-Rock. Allzu gefällige, romantische oder düstere Sounds werden ausserdem vermieden. Die Beats und Riffs agitieren. Das kennen wir aus dem Rave-Punk-Audiolith-Sound-Kosmos nur allzugut. Doch DTR  gehört darin immer schon zu der Art Fixstern, die – egal aus welcher Richtung Du Dich näherst – zur allgemeinen Orientierug wichtige Koordinaten festlegen. Kompromisslos und gleichzeitig humorvoll hievt Kolodziej seine Abgesänge auf Schmusedisco und Schlagertechno sensibel aus den Mottenkisten der Rock-Garage und des Schulhof-Metal und formt daraus die schöne gläserne Vitrine jenes Rave-Punk, die Audiolith-Acts jetzt schon ein ganzes Jahrzehnt hindurch mit mehr oder weniger genialen Slogans zu füllen sich die Beine ausreißen. Wichtiges Album, weil gerade die interne Lyric-Fabrik – siehe Egotronic oder Saalschutz &#8211; gerade etwas zu schwächeln scheint. Von Abnutzungserscheinungen will ich da aber nicht sprechen &#8211; ich seh das eher als normalen Alterungs- und Verschleissprozess. Aber anderes Kapitel.  Wichtig ist hier, bei DTR, dass einmal mehr die Ur-Zellen der Bewegung (letztere im wörtlichen Sinne zu verstehen) – und das sind genau jene Beats und Riffs mit den Punk- und den Disco-/Techno-Wurzeln, mit neuer Technik neu konstruiert werden. Das funktioniert, überzeugt uns, wie reinen Wein eingeschänkt bekommen. Wenn dabei auch noch ein weiterer Rave-Slogan wie beim &#8220;Fly A Plane Into Me&#8221;-Remix herauskommt. Wenn „H4xX02“, obwohl es sich sehr sich sehr stilsicher in den Kosmos der besten Instrumental-Tanz-Musik-Alben integriert, gotteslästerlich noch trashige Kurzhörstücke in die Pausen feuert. Dann wurde hier ein Merksatz für alle Musikhistoriker vorgeformt, der in etwa einmal besagen wird, dass Audioliths grossartiger Sophismus unbedingt immer in einem Atemzug mit Der Tante Renate zu nennen ist. (Audiolith)</p>
<p>* Der Tante Renate &#8211; Beast (<a href="http://soundcloud.com/audiolith/der-tante-renate-beast-free" target="_blank">Free Download</a>)</p>
<p>* <a href="http://www.dertanterenate.de/ " target="_blank">Website</a></p>
<p>* <a href="http://www.audiolith.net" target="_blank">Audiolith</a></p>
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		<title>Wollen gehört werden: Deer Tick</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jan 2011 20:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[C]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Grunde existiert das nicht mehr, was Deer Tick, aus Rhode Island/USA, vermögen. Energetisch ist nach dem rund zweistündigen Konzert im Monarch in Berlin alles im Lot.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>War Elephant (2008), Born On Flag Day (2009) &amp; The Black Dirt Sessions (2010)</p>
<p>&#8220;I’ll kick in your lungs and I’ll bite off your tongue &#8211; Christ Jesus&#8221; (&#8220;Christ Jesus&#8221;, 2008 &amp; 2010)</p>
<p><a href="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/DeerTick.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2727" title="JRG_Deer_Tick_2010" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/DeerTick.jpg" alt="" width="500" height="616" /></a></p>
<p>Im Grunde existiert das nicht mehr, was Deer Tick, aus Rhode Island/USA, vermögen. Energetisch ist nach dem rund zweistündigen Konzert im Monarch in Berlin alles im Lot. Das heisst, alles ist verpufft, hat sich an den schrägen Scheiben des architektonisch eleganten, leicht futuristisch-angehauchten Lokals in Form glückshormongeschwängerter Flüssigkeiten niedergeschlagen. Die Band funktionierte hier wie ein frisch verlöteter Transformator. Geringfügige Verzögerungen im Verpassen von Gelegenheiten zum Lieben, Trauern, Berauschen kamen uns währenddessen zupaß und versorgten alle Anwesenden, ob lebend oder tot, mit befriedigend viel Energie zum Loslabern, Blicke zuschweifen lassen, rücksichtsvollem Durchlass verschwitzer Leiber zum Pissen.</p>
<p>Transformiert werden konnten Risse in aktuellen Idendifikationsbescheiden von popmusiktranszendierenden Individuen, die sich, unsicher und bescheiden geworden, trotzdem immer wieder trauten auf geringstmögliche Sicherheitsstandards im Schleussenraum der Bandnamen einzustellen. Dort wurde genäht, verschweisst, gekittet, verbunden und zu guter Letzt auch noch notdürftig gelasert. Als danach das Cover von &#8220;Serve The Servants (oh, no)&#8221; verklungen war, herrschte komischerweise keinerlei Drang mehr nach Zugaben wie man sie üblicherweise erwartet, wenn eine Band die Meute hungrig und besessen zurückzulassen droht. Vielmehr herrschte Friede. Oder besser, ein dem sehr nahe kommendes Gefühl. Ausgeglichenheit trifft es vielleicht besser. Es herrschte hier offenbar das kollektive Bewusstsein, nun sei der ideale Punkt erreicht Schluss zu machen mit jeglicher ekstatischen Steigerung &#8211; und Hits waren einfach nicht das Thema an diesem Abend. Es ging um mehr &#8211; schlicht um&#8217;s Ganze.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/RQE5Ntw7VlQ?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/RQE5Ntw7VlQ?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Deer Tick waren die erste Band seit fünfzehn Jahren, die in ihrer Show Nirvana und Buddy Holly unterbringen konnten, ohne dass ich mich sonderlich darüber hätte wundern mögen. Wundern, zum Beispiel darüber, wie schlimm diese interpretiert worden waren. Auch sah ich selten Bands, die sich körperlich restlos verausgaben konnten, um kurz darauf seelisch putzmunter die Bühne zu verlassen. Ein Bild schwebt mir vor Augen, als ich die Gesichter der Musiker betrachte. Es ist das Photoportrait Bruce Springsteens auf dem Cover seines Albums &#8220;The River&#8221;. Auf welchem Springsteen genau so aussieht, wie Bildredakteure es sich vorstellen mögen, dass einer genau so aussehen müsse, der potentiell stundenlang sein Publikum mit authentischer Musik beackern kann.</p>
<p>Ein Saxophon taucht bei Deer Tick-Stücken allerdings nicht auf. Tasteninstrumente schon. Sie klingen aber nicht klinisch und bierseelig zugleich, wie auf &#8220;The River&#8221;, sondern passen klanglich eher in eine psychedelischere und dem Mainstream abgewandtere Ecke. &#8220;Easy&#8221;, vom zweiten Album &#8220;Born On Flag Day&#8221;, ist ein Song, dessen Stil und Arrangement irgendwo zwischen Green On Red, den frühen R.E.M., Rainparade und Dream Syndicate Wiedererkennungsmarken setzt. Das dieser Mix gut geht und überzeugt, hat seine Ursache vor allem darin, dass die Band offenbar schurstracks dem Kopf und Mastermind John Joseph McCauley III folgt. Der blutjunge Komponist, Texter und Sänger der Band scheint einen guten Song nach dem anderen zu produzieren. Schwache Titel sucht man auf den drei, zwischen 2008 und 2010 erschienenen Alben vergebens. Nein, sie sind sogar so gut, dass es völlig legitim erscheint, wenn ein Titel wie &#8220;Christ Jesus&#8221;, vom Debut &#8220;War Elephant&#8221;, auf dem aktuellen Album nocheinmal neu arrangiert präsentiert wird. Dass McCauley auf der Myspace-Seite der Band humorvoll &#8220;christian rap music&#8221; als Stilbeschreibung eingetragen hat macht deutlich, dass diese Band nicht mit den üblichen Marketing-Tricks ins Gespräch gebracht werden will. Sie spielen einfach mit Freude ihr Ding runter. Und dies mit einer Schnoddrigkeit und Frechheit, dass sie kaum in die zwischenzeitlich wieder schick gewordenen New Folk-, oder Americana-Kategorien passen dürften. Diese Band muss man sich erschwitzen. Hören und Sehen allein wird nichts helfen. Einen kleinen Eindruck der Live-Haltung erhält man, wenn man eine ihrer EPs hört, auf welchen sich Deer Tick gerne so ungeschminckt wie möglich präsentieren &#8211; pure Freude, Kommerzfaktor: gegen Null. Für alle, die keine Lust mehr auf R.E.M.-Stadionrock haben und sich daher lieber das x-te Mal &#8220;Dreamsyndicate live at the Raji&#8217;s&#8221; anhören, garantiert eine Neuentdeckung. Hey, &#8211; sind wir eigentlich die ersten, die darüber berichten? Nein, das war Allan Jones vom uncut-Magazin. Seine überbordende Begeisterung aber, die sich zu Beschreibungen wie &#8220;a nightmarish excursion into a noir landscape of obsession, deceit and violence that’s also occupied by the scary&#8221; steigert, möchte ich nicht ganz teilen. Weil es immer billiger wird Musik aufzubauschen, zumal sie einen nur einmal halbwegs wieder berührt. Berührende Musik bieten Deer Tick darüber hinaus aber unbestritten. Und, wie gesagt, alle drei Alben wollen gehört werden. Qualitätsunterschiede innerhalb des Oevres sind bei dieser Band eher als marginal zu behandeln.</p>
<p>Jörg Gruneberg</p>
<p>(alle Partisan Records)</p>
<p><a href="http://www.myspace.com/deertick" target="_blank">http://www.myspace.com/deertick</a></p>
<p><a href="http://www.partisanrecords.com/artists/deer-tick" target="_blank">http://www.partisanrecords.com/artists/deer-tick</a></p>
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		<title>Wo bleibt ihr denn, sagten die Spiesser zu den Spätankömmlingen &#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jan 2011 20:09:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[D]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die einen nennen es Mut. Die anderen Verweigerung. Gegen den Strom schwimmen ist halt eine Kunst, die sich, je nach Standpunkt, dem einen verwegen, dem anderen als verspult/kaputt darstellt. "The Courage Of Others" von Midlake wurde bereits am zweiten Februar des letzten Jahr veröffentlicht und ist nach dem ersten Abtauchen in meinen Archiven im Begriff allmählich wieder an die Oberfläche zu trudeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Midlake - The Courage Of Others (2010)</p>
<p><a href="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Midlake.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2717" title="Midlake" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Midlake.jpg" alt="" width="500" height="333" /></a></p>
<p><a href="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Midlake.jpg"></a>Die einen nennen es Mut. Die anderen Verweigerung. Gegen den Strom schwimmen ist halt eine Kunst, die sich, je nach Standpunkt, dem einen verwegen, dem anderen als verspult/kaputt darstellt. &#8220;The Courage Of Others&#8221; wurde bereits am zweiten Februar des letzten Jahr veröffentlicht und ist nach dem ersten Abtauchen in meinen Archiven im Begriff allmählich wieder an die Oberfläche zu trudeln. Es ist so ein Album, das nicht zu jeder Zeit, zu jeder Gelegenheit gehört werden kann. Andererseits greife ich zu Zeiten in eine Kiste mit selten gehörten Platten, zum Beispiel, wenn ich gesättigt bin vom Schnelllebigen, von der ewigen Effekthascherei oder endloser Betroffenheitslyrik. Dann strebt der Sinn zu Höherem, soll heissen, gern auch mal zu etwas mehr Abstraktion, stringenteren Konzepten oder einfach nur eigenwilligeren Produktionen.</p>
<p>In meiner Kiste liegt da neben Minimal Music-Sachen, Jazzrock oder experimenteller Rockmusik jetzt auch Midlakes &#8220;The courage Of Others&#8221;. Gar nicht unähnlich finde ich vom Zugang her &#8220;Daydream Nation&#8221; von Sonic Youth &#8211; ebenfalls in besagter Kiste. Für den unruhigen, unsteten Hörer, der ich zuweilen auch bin, schweifen die Stücke von &#8220;Daydream Nation&#8221; mal hierhin, mal dorthin. Obwohl man unterschwellig das Gefühl hat, es müsse sich eigentlich um Songs handeln, entgleiten sie ständig. Oder kehren überraschend zurück. Teilweise brachial und mit Macht. Dann unterscheidet sich &#8220;Daydream Nation&#8221; kurzzeitig nicht mehr sehr von anderen songorientierten Alternative-Rock-Bands. Was allerdings als Stilmittel konstant auftaucht und auch die Vertrautheitslichtblitze über durchgehalten wird, das sind die emotions-gedimmten Gesangsparts, die lakonisch die hitzigsten Tempi und Riffs begleiten, wenn sie nicht gar als Sprechgesang vorgetragen werden, bzw. als Ansätze von Hymnen oder klassischen Refrains in immer wieder in Sprechgesang zurückfallen. Wie bei Sonic Youths 1988er Album, entfaltet sich auch auf &#8220;The Courage Of Others&#8221; jenes fiese, die Erwartung, das Gewohnte ständig torpedierende Konzept/Stilmittel der steten Wiederkehr des plötzlichen Innehaltens, Nichtmitgehens. Das sich anders anfühlt als schlichtes Ausbrechen oder Aufbegehren. Man gestattet (sich) bewusst nicht, sich auf ausgetretenen Pfaden irgend einer erwartbaren Wendung über Gebühr aufzuhalten. Beim ersten Hören, und wenn es gut gemacht ist, und wenn dann auch noch gehaltvolle Texte hinzukommen, auch noch beim zwanzigsten Hören entfaltet sich immer wieder auf&#8217;s Neue ein Gefühl der Unsicherheit. Als bewege man sich auf riskantem Terrain. Das Gelände wirkt irgendwie vermint. Midlake, die im Begriff schienen im Bereich Indie-Folk-Pop als Hitlieferant eine nicht unbedeutende Rolle spielen zu können, werten nun kühnerweise gewohnte Folk-Pop-Klänge um in etwas Neues. Keine Ahnung wie das rückschauend genannt werden wird. Sicher bin ich mir nur darin, <em>dass </em>hier Koordinaten verschoben worden sind. Denn eines ist das 2010er Album von Midlake keinesfalls, auch wenn es sich bei eiligem Verschubladen dort bisweilen wiederfinden lässt: Retro-Folkrock.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/Uth5OkURS5Q?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="385" src="http://www.youtube.com/v/Uth5OkURS5Q?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Für mich stellt es vielmehr eine nicht zuvor gehörte Synthese von Folkrock/Folkpop und abstraktem Songwriting dar. Gerade das nicht so offen sichtliche Experiment macht den Reiz dieses Albums aus. Was den Effekt der Irritation, der Desorienturung viel stärker zur Entfaltung kommen lässt. Midlake haben eine perfekte Hybride geschaffen. Ich habe gehört, ihr Cover &#8211; welches übrigens diese Spiegelung, bzw. Zweiteilung als Motiv ebenfalls aufgreift &#8211; soll eine Hommage an Andreij Tarkovkij sein. Das würde meinen Eindruck, der sich zugestandenermassen erst nach circa einem Jahr und einigen Irritationen herausgebildet hat, noch Abrunden. Und so höre ich mit zunehmenden Genuss die momoton und seltsam kühl vor sich hinbrandenden Refrains, gesungen von Tim Smith und Eric Pulido (Backing Vocals), begleitet von dieser seltsam moderat &#8211; im Tempo, wie  in den Lautstärkenwechseln &#8211; und sehr straight spielenden Band:</p>
<p>&#8220;I will never have the courage of others. I will not approach you at all. I was always taught to worry about things. All the many things you can&#8217;t control. How can they have the courage. Of lords that have long since past. It&#8217;s in their hands, it&#8217;s in their heads. It&#8217;s been in their blood for many years. It brings them sorrow. In a dark room he trembles alone. He trembles alone&#8221;, heisst es im Titelstück. „The Courage Of Others“ ist speziell.</p>
<p>Schnell annähern und begreifen gelingt nicht.  Ich werde das Album noch das ein oder andere Mal hervorholen  müssen, um mich davon zu überzeugen, dass es sich nicht entschlüsseln lässt, enigmatisches  Vexierbild und abstrakte Interpretationsfläche zugleich bleiben will. Artrock, &#8211; der ist mir im Allgenmeinen ein Greuel.  Ausnahmen, so sie sich denn zu Sargnägeln für ungute Strömungen entwickeln, sind mir dagegen nur recht und billig. Ich meine damit Strömungen, die Musik transportieren, die eklektizistisch auf den Putz hauen, ohne die geringste Ahnung zu haben. Man kann heute viel anklicken, verwerten und sampeln. Das war Gestern revolutionär. Das Gegenteil wirkt Heute attraktiv und atmet Widerstandsgeist. Und es ist ungleich schwerer zu realisieren. Beharrlich auf eigene Art Zeit reflektieren, ohne sich dabei anzubiedern. Das geht  schwer und kommt verdammt anmutig rüber. So sehe ich die Sache und bin gespannt, ob es in einem Jahr noch gültig ist.</p>
<p>Jörg Gruneberg</p>
<p>[Photo:  Eric Pulido (links) und Tim Smith]</p>
<p><a href="http://midlake.net/" target="_blank">www.midlake.net</a></p>
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		<title>Tellerwäscher respektive Flugbegleiter &#8211; Mutters neue Platte &#8220;Trinken Singen Schiessen&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 19:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[A]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Pogromartige Stimmungen in der Luft verdichten sich zu Hassgewittern und gewalttätigen Ausschreitungen. Wo man singet, lass dich ruhig nieder. Bösewichter haben keine Lieder. Ha, ha! Baummwollhosen zerreissen.  Tellerwäscher respektive Flugbegleiter steigen aus und greifen zur Selbsthilfe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8220;Wer keine Ungerechtigkeiten vertragen kann, gelangt selten zu Ansehn in der Gegenwart, und wer es kann, verliert den Charakter für die Zukunft.&#8221;</em> (Johann Gottfried Seume)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Mutter.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2306" title="Mutter" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Mutter.jpg" alt="" width="500" height="500" /></a></p>
<p>Pogromartige Stimmungen in der Luft verdichten sich zu Hassgewittern und gewalttätigen Ausschreitungen. Wo man singet, lass dich ruhig nieder. Bösewichter haben keine Lieder. Ha, ha! Baummwollhosen zerreissen.  Tellerwäscher respektive Flugbegleiter steigen aus und greifen zur Selbsthilfe.</p>
<p>Es beginnt im schönen Posthardcore-Gewand, bedächtig im Tempo. Sänger Max Müller rezitiert zu Beginn jenen Text von Dieter Roth, den er bereits 2006 auf dem Dieter Roth-Sampler &#8220;Das Dieter Roth Orchester spielt Kleine Wolken, Typische Scheisse und nie gehörte Musik&#8221; für den Bayrischen Rundfunk interpretierte. Auf &#8220;Trinken Singen Schiessen&#8221; klingt alles viel mehr nach typischer Rockmusik. Lockerleichte Experimente und Versuche, wie sie es auf dem genannten Sampler oder zuletzt noch auf Max Müllers Solo-Album &#8220;Die Nostalgie ist auch nicht mehr das was sie einmal war&#8221; gegeben hat, gerinnen hier zu leckeren, sämigen Noise-Pudding-Stücken.</p>
<p>Der Eröffnungstrack ist gleichsam das gelungenste Stück auf dem Album. Die Gitarren flirren wunderschön, es kommt zum Sprechgesang ein kleiner Chor hinzu, die Breaks werden von romantischen Gitarrenfeedbacks zusammengehalten. Die Snaredrum  klingt hoch und sehr trocken. Fast Hüsker Dü-verdächtiger Sound. Im Grunde geht es danach immer so weiter, nur nicht durchgängig so schön. Weil nicht mehr ganz so stimmig. Ein paar Ausreisser sind nämlich auch dabei. Alles aber sehr, ähem, rockig. Und, man lasse es sich auf der Zunge zergehen, sehr viel amerikanischer klingend gegenüber früheren Alben. Europa scheint also gegenüber Amerika kulturell wieder ins Defizit geraten zu sein und Mutter hats gemerkt. Quatsch natürlich. Und Verlierer sind immer nur diejenigen, die Mutter für eine Art Gutes Gewissen der Musikszene halten, oder unbedingt glauben, sie dafür halten zu müssen.</p>
<p>Folgerichtig geht die Gitarre bei &#8220;Eins&#8221;, dem zweiten Stück dann auch in Richtung Dinosaur Jr. Ganz im Gegensatz zu Müllers letztem Solo-Album wird sich hier im guten alten &#8211; das meint vor allem das der achtziger Jahre &#8211; Rock&#8217;n'Roll-Underground-Umfeld gesuhlt und getummelt.</p>
<p>Nahezu Alles wirkt richtig gut dreckig und roh. Paradoxerweise &#8211; zumal für eine Band wie Mutter &#8211; entsteht gleichzeitig etwas zu Glattes, zu Überlegtes, Ausgefeiltes und Gewolltes. Spätestens im dritten Lied  &#8220;Die Alten hassen die Jungen&#8221; werden eindeutig zu viele Klischees aufeinandergeschichtet. Von den Keyboards/Streicherflächen, dem recht handelsüblichen Arrangement, das durchaus von Kettcar hätte stammen können, bis hin zum Text, der als Botschaft die Binsenweisheit bereithält, auch die Jungen würden schliesslich einmal die Alten sein, verpufft hier etwas die geniale Verspultheit Mutters, wie sie mir von vielen anderen Stücken her bekannt ist. Und wo sie mir meistens so eine schwitzige Gänsehaut machen konnte. Letztere fiel hier leider einer zu offensichtlichen Abgeklärtheit im Ausdruck zum Opfer.</p>
<p>In &#8220;Wohlstandspsychatrie&#8221; stimmen mich die tiefer gestimmten Gitarren von Beginn an gottlob wieder ein wenig depressiver. &#8220;uncompromising war on art under the dictatorship of the proletariat&#8221; würden die Kollegen von Killdozer dazu sagen. Ein Stück wie aus einem Grunge-Sampler von 1992 herausgeschnitten. Sollte der Vergleich mit dem Stones-Cover-Zitat von 1965 stimmen, so versuchen Mutter hier tatsächlich wieder mehr an den Blues und den Rock &#8211; natürlich über den eigenen Weg, der da hiess und heisst: Noise, Punk und Hardcore &#8211; anzuknüpfen. Genauso hatte ja die Hamburger Schule auch begonnen. Man Verleiche mal den Sound von Blumfeld mit Pavement oder Sonic Youth. Zu den total neu klingenden Supersound-Erfindern wie z.B. Einstürzende Neubauten, Cpt. Kirk &amp; oder Palais Schaumburg haben Mutter sicher nie gezählt. Sie waren immer viel näher an den (englischsprachigen) Orginalen, und somit auch an deren Nacheifferern, wie Ton Steine Scherben, Abwärts, S.Y.P.H. oder Fehlfarben. Letztlich ist dieses Wiederanknüpfen, wenn gewollt, auf jeden Fall ein interesantes Unterfangen. So verabschieden sie sich vom unreflektiert kopierenden Rest-Underground &#8211; vom Mainstream ganz zu schweigen. Und klingen dabei wie eine Classic-Underground-Coverband. Dies erst mal ohne Wertung.</p>
<p>Folglich könnte das nächste Stück &#8220;Mach doch einfach&#8221; ohne weiteres auch von den Fehlfarben oder den Sternen eingespielt worden sein. Der offenbar mit einer gehörigen Portion Understatement gewählte Titel des Stücks wird im, wenn auch gemächlichen, Boogie-Rhythmus vorgetragen. Obwohl die Überschrift plakativ mit dem Imperativ winkt, vermittelt der Text eher vage Zurückweisung und Zweifel. Bewusste Zerrissenheit statt Anleitung und Lebenshilfe. Vordergründige Provokationen werden ebenso anderen überlassen wie letzte Urteile. Die Band hat halt eine über zwanzigjährige Geschichte. Und glücklicherweise merkt man ihr das Weise, das Wissende an, wenn sie mit Versatzstücken der Pop-, wie der eigenen Geschichte, operiert.</p>
<p>&#8220;Ihre stille Leidenschaft &#8211; sah man ihnen gar nicht an. Ich kann gar nicht glauben, was die anderen tun. Alles sein. Ich möchte alles sein. Bloss nicht, wie die anderen.&#8221; Im Lied &#8220;Erlösung von Oben&#8221; wird jene Twilight-Zone beleuchtet, in der der Mensch zwar im Sinne anderer Menschen, jedoch nicht mehr zu deren Vorteil agiert. Gefährlich nähert sich das Kalkül dem Zweifler. Ein typisches Stück aus dem müllerschen Text-Baukasten. Immer wieder offene Bezüge, Leerstellen. Konkrete Aussagen, Statements beziehen sich auf Grundlegendes wie Lebenserfahrungen und verweisen wenig bis Null auf abstrakte Weltanschauungen.</p>
<p>Auch, wenn &#8220;Tag der Idioten&#8221; wie eine Mahnung beginnt. Das Stück endet doch wieder nur als krude Situations-Skizze, denen gewidmet, die ihre Schnauze gegenüber Dummköpfen einfach nicht halten können. Auch, wenn diese mächtiger sein mögen als man selbst. &#8220;Idioten zu erklären, dass sie welche sind. Kann man nicht. Tut es doch. Weil sie welche sind.&#8221; Hier, wie in den restlichen Stücken &#8211; wie übrigens auch in vielen Stücken der vorangegangenen Alben -  generieren Text und Musik mal brachial und subversiv, mal konventionell und subtil bodenständige Abwärtsspiralen. In welchen jedweder Schwebezustand einer gnadenlosen Bodenhaftung zugeführt wird. Selbst die lockerleichtesten Melodiechen, siehe in &#8220;Der Zug&#8221;, sind Zuträger von  Geschichten, die desillusionieren und medial verordnetes Streben nach Glückseeligkeit a priori ablehnen.</p>
<p>Mutters Konzept, ein Album zu formen, dass die Band in unverfälschter Reinheit, sprich Stoischkeit präsentiert, gleichzeitig aber durchaus Traditionen und biographische Umfelder stärker reflektiert als zuvor, wird lustigerweise genau an jener Stelle von der Band selber sichtbar gemacht, an der ein rocktypisches Arrangement gegen einen Marschrhythmus gestellt, und beides auf der Platte ausgestellt wird. Hätte ich es hier mit einer Vinyl-Schallplatte zu tun, so beendete wohl jede dieser beiden Versionen jeweils eine der beiden Seiten. Jedenfalls finde ich die B-Seiten-Version von &#8220;Wohlopfer&#8221;, die Marsch-Version des Schluss-Songs &#8220;Wohltäter&#8221; auf der A-Seite, wesentlich stärker. Was zweierlei beweißt: Zum Einen taugen Mutter nicht als Konzept-Künstler, weil sie viele Stärken eindeutig aus ihren Experimenten respektive Querschlägern schöpfen. Andererseits haben sie die Rockschule jetzt solange durchlaufen, dass sie wie ein wandelndes Lexikon, alles was sie gehört und gesehen haben irgendwie abrufen können. Offenbar geschieht Letzteres aber eher intuitiv, nicht vom Kopf her. Dadurch gehen konzeptuelle Ansätze schon mal ins Leere, wiederholt sich manche Spielart, womit ich hier die etwas langatmigere zweite Hälfte des Albums erklären will. Das ist vielleicht der Preis für extrem eigensinniges Bauch-Wursteln.</p>
<p>Aber immerhin, wer hätte das gedacht. Plötzlich neue Positionen, aufgezeigt von Mutter. Einer exzentrisch bis konservativen Formation. Die es hier einmal mehr schafft, allerfeinste Traditionen intra-sub-kulturell in ihrer Musik zu verarbeiten und wieder auszuspucken. Ohne dabei ihr eigenständiges Profil zu verlieren, welches sich unter anderem durch eine beständige  Reibung angelsächsischer Punktradition an deutscher Avantgarde-Literatur und Kunst auszeichnet. Der Preis ist natürlich die  ewige mediale Verdammnis. Aber, was heisst das im Hier und Jetzt noch? Eben. Heute darf  diese Verdammnis noch herrlicher, noch aristokratischer im branntheissen Orkus der sub-sub-sub-kulturellsten Bands der Welt verbracht werden. Oder, um mit all den smarten Charlie Browns des digitalen Universums zu zu sprechen: &#8220;I got a rock&#8221;.</p>
<p>Jörg Gruneberg</p>
<p>Mutter &#8211; Trinken Singen Schiessen (Die Eigene Gesellschaft)</p>
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		<title>Zwangsläufig nicht der korrekte Historiker &#8211; Ein Nachruf auf Martin Büsser</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 18:57:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
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		<category><![CDATA[B]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Laut einer Meldung des Verbrecher-Verlags, starb Martin Büsser am Donnerstag, dem 23. September, im Alter von zweiundvierzig Jahren, an den Folgen einer Krebserkrankung in Mainz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Autorenfoto_Martin_Buesser.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2288" title="martin büsser (1968-2010)" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Autorenfoto_Martin_Buesser.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p><a href="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/Autorenfoto_Martin_Buesser.jpg"></a>Laut einer Meldung des Verbrecher-Verlags, starb Martin Büsser am Donnerstag, dem 23. September, im Alter von zweiundvierzig Jahren, an den Folgen einer Krebserkrankung in Mainz.</p>
<p>Martin Büsser begründete den Mainzer Ventil Verlag mit, war Herausgeber von testcard &#8211; Beiträge zur Popgeschichte und ist uns als einer der wenigen bewusst links auftretenden Journalisten, vor allem aus Veröffentlichungen in  Blättern wie konkret, Jungleworld, junge Welt, Süddeutsche Zeitung, WoZ, Intro, oder auch Jazzthetik und Emma, bekannt.</p>
<p>Aus seinen Veröffentlichungen schien immer ein allzeit  wachsamer, interessierter, vielseitiger und &#8211; was eine seltene Gabe ist &#8211; nie vergrätzter oder zynischer Kommentator der Musikszene zu sprechen. Von ihm hörte man nie Schwachsinn oder hohle Phrasen. Egal wie kurz seine Beträge zum Teil auch sein mochten, oberflächlich, hingerotzt wirkten sie nie.</p>
<p>Seine Artikel waren oftmals top, meistens gut und lesenswert, weil politisch/gesellschaftlich relevant.  Zum überwiegenden Teil waren sie geeignet Diskussionen anzuregen und Meinungen anzustacheln. Und so musste das auch sein, damit wir Kollegen uns reiben konnten, uns ebenso anstrengen mochten. Genausogut zu recherchieren versuchten, bevor wir etwas etwas Aussagekräftiges zu äussern trachteten. Aspekte und Phänomene, zwischen Kulturpolitik und dem ganz normal-wahnsinnigen gesellschaftlichen Leben, fand Martin Büsser scheinbar müheloser und zahlreicher als viele andere. Und er achtete wohl auch darauf so genau als möglich zu prüfen und einzuordnen.</p>
<p>Auch leibhaftig, als umtriebiger Diskussionsteilnehmer und Vortragsreisender, ist er uns gut in Erinnerung. Auf Veranstaltungen  lies er beim Auditorium selten Langeweile aufkommen und sorgte durchaus für kontroverse Diskussionen, wie mir mein eigener Bericht von 2006 aus dem HAU/Berlin im Nachhinein noch beweist:</p>
<p>&#8220;DRAWING. Büsser, der früher schon sagte, daß – „einerseits vom Punk und von Veteranen der ,Schräg&#8217;-Musik wie Jad Fair und Daniel Johnston her kommend&#8221; – Antifolk zugleich auch „all das aus den Sixties&#8221; wieder belebe, „was den Musikern erhaltenswert erscheint: Bob Dylan beispielsweise, Leonard Cohen und Allen Ginsberg, aber auch die von Adam Green und Jeffrey Lewis heißgeliebten Grateful Dead&#8221;, wirkt bei der Lesung etwas steril und linkisch. RESEARCH. Sein Interesse an Musik, Details und Anekdoten stattet ihn aber mit einer lebendigen Schalkhaftigkeit aus, der viele Zuhörer – circa 150 sind gekommen – sich nicht entziehen können. So kommt es durchaus zu gelegentlichem Schmunzeln und Szenenapplaus. ARTISTIC. Büssers Formulierungen sind stimmig gesetzt und scheinen in sich schlüssig. MATERIAL. Etwas skeptisch sollte man dennoch gegenüber einem Autor bleiben, der prophezeit, bei Antifolk handele es sich „um nichts geringeres als die Rückkehr von Love and Peace aus der Erfahrung von Punk&#8221;. PRESENTATION. Ich kann&#8217;s nicht recht glauben, daß es hier um eine epochale Bewegung in den Dimensionen von Beat, Punk oder auch (nur) Grunge geht. PREVIOUS WORKS. Die Szenen sind mir zu überschaubar, die Oberflächen zu glatt, der Ton zu abgeklärt. Büssers Bemerkung, es mute ja vielleicht schon etwas merkwürdig an, daß es – gerade im Vergleich zur Punkzeit – nun auch simultan zur Entstehung schon die theoretische Auseinandersetzung mit der Bewegung gebe, läßt mich schmunzeln. PUBLIC. LINKING. Selbstironie kommt gut an bei mir. Noch etwas beschworene Spontaneität, Gewitztheit und Energie im Raum, und ich würde den Antis beitreten. COLLABORATIVE ART PROJECT.&#8221; <a href="http://www.scheinschlag.de/archiv/2006/03_2006/texte/25.html" target="_blank">#mce_temp_url#</a></p>
<p>Ich habe einmal in einer Diskussion über ihn gesagt, dass er im Gegensatz zu anderen die Schwäche habe, Beobachtungen und Neuentdeckungen immer einen Hauch zu früh zu bewerten, ihm dies aber zu verzeihen sei, da er scheinbar einem Zwang unterliege immerzu historisch denken zu müssen. Was ich ihm in dem obenstehenden Artikel-Ausschnitt ja dann offenbar auch einigermassen deutlich vorgeworfen hatte.</p>
<p>Doch, stelle ich heute fest, dass es vielleicht ein wenig kleinkrämerisch und affektiert rüberkommt, Martin Büsser, den Geschichtsschreiber, den Dokumentaristen, streng als Historiker anzusehen und zu kritisieren. Er, der akribisch  Ereignisse aufzeichnete und verknüpfte, war sicher nicht in erster Linie daran interessiert ewig gültige Parameter für die gesamte Musikgeschichte aufzustellen, darauf verweisen seine oft phantasievollen, nicht immer gerade bierernsten Querverweise, Anekdoten und Geschichten-Titel. Seine Berichte weisen ihn viel mehr als einen engagierten Beobachter, Nacherzähler und Aufbewahrer der Gegenwart aus. Nichts weniger muss ein guter Geschichtsschreiber tun, als  Geschehnisse, die andere zunächst als nicht zwingend erinnerungs- oder abarbeitungswürdig ansehen, aufzurollen und als Material zur Verfügung zu halten. Auch wenn das vielleicht manchmal nervt, weil es allzu leicht anachronistisch wirkt in diesen vordergründigen und datenmigrationsgesättigten Zeiten mit ihren unüberschaubar vielen Schichten. Oder besser Nischen (einer der letzten testcard-Titel lautete &#8220;Blühende Nischen&#8221;). Es ist nämlich ein nicht aufzuholender Verlust, wenn nicht mehr zeitnah innegehalten und beobachtet, nachgefragt, zurückgeblickt wird. Die interessantesten, wenn zwangsläufig auch nicht die korrektesten, Geschichtsbücher sind, nach meiner Erfahrung, die zeitgenössischen. Und gerade mit seiner Schriftenreihe testcard, die ja im Untertitel ganz bescheiden und nüchtern &#8220;Beiträge zur Popgeschichte&#8221; heisst, hat Martin Büsser jenen Missing-Link des Musikjournalismus am Leben erhalten, der von den wenigen anderen ernsthaften Musik-Magazinen leichtfertig dem Zeitgeist geopfert wurde. Geschehnisse festhalten, warmhalten, aufbereiten &#8211; je randständiger, desto wichtiger  ist das vielleicht einmal für die Nachwelt. Diese Notwendigkeit zu sehen und diese Arbeit fortzusetzen/wiederaufzunehmen mit einer Mischung aus wissenschaftlichem Ernst, Lebensfreude und echter politischer Teilnahme am Geschehen. Dies würde nicht nur Martin Büsser freuen.</p>
<p>Jörg Gruneberg</p>
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		<title>Sternbuschweg &#8211; Mein Herz schlägt weiter jeden Tag</title>
		<link>http://www.persona-non-grata.de/2008/09/11/sternbuschweg-mein-herz-schlagt-weiter-jeden-tag/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Sep 2008 09:26:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[(TumbleWeedRecords / Brokensilence)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/sternbuschweg.jpg" alt="" width="170" height="170" class="alignnone size-full wp-image-461" /></p>
<p>„Wenn Engel fallen, dann bricht die Hölle los“, wird lakonisch berichtet. Ja, „wenn!“, sage ich, „macht doch mal“. Abgesehen von dem zu bemüht nachdrücklichen Gesang, langweilen die arg schleppenden, hölzern gefühlten Phrasierungen. Über jede zweite Zeile stolpert dazu mein Erstaunen über die dargebotene Profanation der Dichtung: „Ich seh ihr zu, wie sie durch´s Zimmer geht und meint, sie wär die Einzige, die weiß, wie gut es ihr gerade geht“, etc. Mmmmh, kann man da nur resümieren. Oder: ouwh&#8211;pffht. Die Musik, ja nun, entgegen den Texten zumindest schon mal erfrischend weniger ärztehaft, mehr kettcar-monostars- bis flowerpornoeisch. Aber was hilft es, wenn die Platte weder gesanglich noch lyrisch zu begeistern versteht. Immerhin als halbwegs korrekte, solide Semesterabschlussfeierband im Fachbereich Maschinenbau bzw. Betriebswirtschaftslehre mag das alles locker durchgehen. Halbwegs tanzbar und auch – oder gerade – wegen Titeln wie „Meine Liebe dauert länger als der Kommunismus“, politisch völlig unsexy. </p>
<p>Was, ich soll wenigstens noch etwas Gutes über diese ansonsten bestimmt supersympathische Band sagen? Na schön: Das Stück „Mary Alice&#8217;s Rettungsplan“ ist das beste Stück der Platte, bester Songtitel, mit Abstand am schlüssigsten interpretiert, hier passt die Stimme, die Stimmung, passen die Streicher &#8211; auch wenn der Text beim Lesen zunächst nicht besser wirkt als die restlichen –, hier kannst Du sehen, was möglich wäre bei den Sternbuschs, würden sie weniger angestrengt rocken, auch banalste Texte mit aller zur Verfügung stehenden Verve singen, Angst vor Peinlichkeiten, falscher Coolness/Uncoolness komplett aufgeben. Dann wäre das auch Musik für mich. Sternbuschweg, der Weg zum Liebreiz ist keine Autobahn sondern lang und steinig, aber sie sind zumindest schon mal drauf &#8230; „Mary Alice&#8217;s Rettungsplan. Wir müssen über die Grenzen. Wir müssen suchen was uns fehlt&#8221;. Ja genau, und bitte schon mal langsam den Fuß vom Gas.<br />
(TumbleWeedRecords / Brokensilence)</p>
<p><a href="http://www.sternbuschweg.de">Offizielle Webseite</a><br />
<a href="http://www.myspace.com/sternbuschweg">Sternbuschweg bei MySpace</a></p>
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		<item>
		<title>Kettcar &#8211; Nullsummenspiel</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Sep 2008 09:17:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[(Single plus 6 Graceland-Remixe) Für Fans von Kettcar ein Muss. Für Fans von Audiolith interessant. Für mich wegen dem Frittenbude-Remix (die aus &#8220;Graceland&#8221; kompromisslos &#8220;Raveland&#8221; machen) ein Glücksfall. Letzterer trifft wirklich mitten in die Diskursrock-Leistengegend, macht aus keuchendem-aufgesetzt-nachdenklichem Pressgesang (puh, was eine Männermusik) ein Ereignis der wirklich unfassbaren Art. Selbst neben Egotronic- und Plemo-Versionen hebt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/nullsummenspiel.jpg" alt="" width="170" height="170" class="alignnone size-full wp-image-458" /><br />
(Single plus 6 Graceland-Remixe)</p>
<p>Für Fans von Kettcar ein Muss. Für Fans von Audiolith interessant. Für mich wegen dem Frittenbude-Remix (die aus &#8220;Graceland&#8221; kompromisslos &#8220;Raveland&#8221; machen) ein Glücksfall. Letzterer trifft wirklich mitten in die Diskursrock-Leistengegend, macht aus keuchendem-aufgesetzt-nachdenklichem Pressgesang (puh, was eine Männermusik) ein Ereignis der wirklich unfassbaren Art. Selbst neben Egotronic- und Plemo-Versionen hebt der Track dermassen ab, dass es richtig feierabendlich zugehen dürfte auf dem Parkett. Böse Neider von Kettcar würden sagen: &#8220;Hey geil, dieser Song wurde regelrecht geschlachtet&#8221;. Aber, liebe Kettcar-Gemeinde, das tut Kettcar mehr als gut, glaubt es mir. Und dass diese sich das selbst mit auf die Single packen spricht wahrhaft für Kettcar &#8211; nun los, drückt schon auf die 5 und lasst den Eklektrobass zucken!</p>
<p><a href="http://www.kettcar.net">Offizielle Webseite</a><br />
<a href="http://www.myspace.com/kettcar">Kettcar auf MySpace</a></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Axel Hütte &#8211; Der Wald brennt nur für dich</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Sep 2008 22:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Capulin Fire 2, 2007 (O.i.F.), Ditone-print, 155 x 205cm, Courtesy Galerie Wilma Tolksdorf, Frankfurt/Berlin Axel Hütte ist einer jener Magische-Momente-Sucher, die uns &#8211; nach dem success von Hilla &#38; Bernd Becher, deren Schüler auch Hütte einst war &#8211; immer aufs Neue mit Natur- und Landschaftsmetaphorik zugeschüttet haben – und im Begriff sind, dies auch weiterhin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wilmatolksdorf.de/image.php?q=image/show/exhibition/379"><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/axelhuettederwald.jpg" alt="" width="605" height="442" class="alignnone size-full wp-image-433" /></a></p>
<h5>Capulin Fire 2, 2007 (O.i.F.), Ditone-print, 155 x 205cm, Courtesy <a href="http://wilmatolksdorf.de/index.php">Galerie Wilma Tolksdorf, Frankfurt/Berlin</a></h5>
<p>Axel Hütte ist einer jener Magische-Momente-Sucher, die uns &#8211; nach dem success von Hilla &amp; Bernd Becher, deren Schüler auch Hütte einst war &#8211; immer aufs Neue mit Natur- und Landschaftsmetaphorik zugeschüttet haben – und im Begriff sind, dies auch weiterhin ernsthaft durchzuziehen. </p>
<p>Großformatphotokunst ist – allen Verfalls- oder Haltbarkeitsunkenrufen zum Trotz – noch genauso en vogue wie vor zehn Jahren. Und es ist ja auch begrüßenswert, wenn es Orte gibt, wo du einmal große Photoformate betrachten und studieren kannst. Es gibt zwar wirklich keinen Mangel an Photographie, doch die Möglichkeit gute Abzüge auf Papier an der Wand hängend zu sehen – Werbetafeln sind etwas ganz anderes, sind doch eher limitiert. Denn selbst in Museen werden Photo-Abzüge überwiegend lichtdicht im Keller gelagert. In der Galerie Tolksdorf ist das zum Beispiel schon des Öfteren möglich gewesen, Photographie wird dort ein hoher Stellenwert zugewiesen, noch dazu wird nicht auf Raum-Bombast und Riesenauswahl gesetzt. Bis zu zehn Aufnahmen hängen hier, verteilt auf einen großen und einen kleinen Raum, das war&#8217;s. Axel Hüttes neue Reihe „Fog &amp; Fire“ passt da hervorragend rein in diesen schick auf Kontemplation ausgelegten Schauraum. Ohne Hast oder schlimmes Security-Brimborium kannst du dir hier die Bilder reinziehen. „Fog &amp; Fire“, dieser Titel ist natürlich treffend gewählt – denn zudem gibt es nicht viel zu sehen. Auch sind die Bilder – angeblich wurden sie an exotischen Orten rund um die Welt (von der Schweiz bis Zentral- und Südamerika) aufgesammelt – ansich nichts Besonderes, in dem Sinne, dass es nun diese Orte nicht unbedingt gebraucht hätte, man nicht ausgerechnet diese Orte hätte aufsuchen müssen um ähnliche Aufnahmen zu realisieren. Nein, Waldbrände und Nebelbänke finden sich gegebenenfalls auch um die Ecke. Doch manchmal hilft es der Einbildung halt ein bisschen auf die Sprünge, stellt man sich die Sujets dort vor – in weiter, unbekannter Ferne, an möglicherweise noch phantastisch-magischen, ursprünglichen Orten &#8211; , statt an Orten, die man selbst schon hinlänglich kennengelernt, durchmessen hat. Nicht einfach Landschaften werden hier gesucht, vorgestellt, nein hier geht es um mehr, hier werden Seelen-Landschaften inszeniert, abgegrast – ja, schlußendlich sogar abgefackelt. Da fallen einem natürlich, gerade wegen der vielen Winke mit dem Melancholie-Zaunpfahl, auch Caspar David Friedrichs Natur-Allegorien ein. Gerade an jenen Stellen jedoch, wo CDF dem Menschen, der menschlichen Gestalt innerhalb des Ganzen, und er tat dies in fast allen Kompositionen, eine ausschlaggebende Bedeutung zumisst, dort fällt bei Hütte der menschliche Verbindungspol vollkommen weg. Nicht einmal zufällig tauchen Personen irgendwo auf – etwa klein und winzig im Hintergrund etc. Der Wald brennt also nur für mich, den einzigen Zeugen dieser ganz gewiss apokalyptischen Szenerie. Denn Hütte verzichtet auf jegliche Bildmanipulation, sprich Nachbearbeitung – verlässt sich stattdessen ganz auf die Momentaufnahme und den vor Ort gewählten Ausschnitt. Diese „echte“ Konfrontation mit Feuer, Rauch, bzw. Nebel, macht dann auch gewisse Schemata an Grundreaktionen abrufbar – die sich in Anbetracht der riesigen Formate noch verstärken. So entsteht bei mir tatsächlich ein Geruchs- und Geschmacks-Empfinden gegenüber dem Photo-Rauch, welches sich sogar noch verstärkt, und eine Stickigkeit, Atemnot stellt sich ein, je länger ich mich dem Feuerbild aussetzte. Im Falle der Nebellandschaften verliere ich etwas den Orientierungssinn, bzw. Gefühl für Entfernung und Zeit (Nebel läßt ja bekantlich alles nah, bzw. flach, erscheinen). Bei aller Schönheit der Kompositionen (teilweise denke ich an chinesische/japanische Holzschnitte, Tuschzeichnungen) erzeugen Hüttes Photos eine starke Haltlosigkeit und Unruhe, und nicht etwa, wie ich zunächst erwartete, erhabene Stille- und Ruhepole. Es bleibt nunmal in erster Linie unangenehm in einer nebeligen oder gar brennenden, verrauchten Landschaft herumzutapsen. Die Botschaft, ob beabsichtigt oder nicht sei dahingestellt, ist also klar: Die Natur ist nicht unbedingt deine Freundin, da sind Gewalt und Fallen, in die du tappen wirst. Umgekehrt, von Aussen und unbeteiligt gesehen, könnte man in den Darstellungen auch eine Zustandsbeschreibung oder Bestandsaufnahme der Natur sehen – dann vielleicht auch im Zusammenhang mit den menschlichen Sünden und Verbrechen an ihr. Die Wald-Feuer werden danach schnell zu Höllenfeuern und Szenarien von (Hieronymus) Boschschen Ausmassen. Die Anordnungen der Waldbrandaufnahmen zu einem Triptychon forciert diese Lesart noch, da sie unwillkürlich an mittelalterliche Altarbilder gemahnt. Letztendlich eine sehr stickige und läuternde Erfahrungslandschaft, die uns hier präsentiert wird – mit nicht unerheblicher Moral-Schwere. Von einer „Schönheit“ der Aufnahmen zu sprechen, gelingt mir nach einer Stunde Aufenthalt in der Galerie nicht mehr – noch dazu war ich allein. Allein mit meinen Gefühlen der Sorge um die Natur, wie auch Scham- und Schuldgefühlen ihr gegenüber. Aber auch Entfremdung und Weltschmerz-Impuls, alles überlagert sich.</p>
<p>Als Sammler wäre ich vielleicht geneigt, diese Szenen einer Kirchengemeinde zu überantworten – aber das wäre ja nun auch wieder gemein. Wohin also mit diesen „Mahn-Tafeln“? Ein Problem, das ich an dieser Stelle nicht lösen kann, genausowenig, wie wir Euch an dieser Stelle keinen befriedigenden, einigermaßen annähernden Eindruck der Ausstellung geben können. Ihr müsst es Euch versuchen vorzustellen – oder morgen früh gleich ins Gebirge fahren, bzw. in den Wald. Feuerzeug natürlich nicht vergessen, oder Waldbrand einfach abwarten, und fertig. Der ganze Haufen edler Gefühle, wie Geduld, Demut, Hingabe, Läuterung etc., den Hütte auf seinen Reisen offenbar im Gepäck hatte, strahlt regelrecht heraus aus den Papieroberflächen, durchdringt sogar noch die Glasscheiben der Rahmen. Ein Verrückter, denke ich, setzt sich wie (Werner) Herzog in jeden Dschungel, den er kriegen kann und wartet dort tagelang auf Nebel und Feuer, die er mit seiner 10 Kilo schweren Kamera , ganz abgesehen von der restlichen Ausrüstung, die er mit sich schleppt, dann mühsam auf Riesennegative einfängt. Eine Art Katharsis-Freak, so der Fitzcarraldo unter den Photographen – dieser Hütte also. Etwas zu belehrend, mahnend, auch manisch – alles in allem aber eine straight-sinnliche Performance.</p>
<p>&nbsp;<br />
&#8212;</p>
<p>Die Ausstellung <a href="http://wilmatolksdorf.de/index.php?q=exhibition/view/228">Fog &amp; Fire</a> von Axel Hütte fand in der <a href="http://wilmatolksdorf.de/index.php">Galerie Wilma Tolksdorf</a>, Zimmerstraße 88-91 in Berlin statt.</p>
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		<title>The Faint &#8211; Fasciinatiion</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Sep 2008 16:39:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joerg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Poltergeist und Dämonenschleim auskotzen Erstmal tief einatmen, kurz Schleim auskotzen und Richtung Regal mit dem goldenen Vorhang gehen. Dahinter stecken alle Alben mit den stoischen Bands. Sinnkrisen- und Zweifeltagen kannst du hier hinten, im schummrigen Gang, begegnen, indem du wahllos etwas aus diesem Regal ziehst und auflegst. The Wailers, The Fall, R.E.M., Depeche Mode, Spacemen3 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Poltergeist und Dämonenschleim auskotzen</strong></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-405" title="The Faint - Fasciination" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/thefaintfasciination.jpg" alt="" width="170" height="170" /></p>
<p>Erstmal tief einatmen, kurz Schleim auskotzen und Richtung Regal mit dem goldenen Vorhang gehen. Dahinter stecken alle Alben mit den stoischen Bands. Sinnkrisen- und Zweifeltagen kannst du hier hinten, im schummrigen Gang, begegnen, indem du wahllos etwas aus diesem Regal ziehst und auflegst. The Wailers, The Fall, R.E.M., Depeche Mode, Spacemen3 oder Pop Will Eat Itself finden sich hier im Schrein. Garantierte Trostspende, unzerbrüchliche Werktreue inklusive. Das hätte damals, zu Beginn der Electro-Punk-Welle doch niemand für möglich gehalten, dass es 2008 noch Bands geben wird, die sozusagen die Roots von etwas verwalten, dessen Halbwertszeit im Allgemeinen höchstens auf zwei Jahre geschätzt wurde. Und es kam ja in Wirklichkeit noch zu einer dramatisch kürzeren Electroclash-Schock-Welle. Fischerspooner, Swayzack, The Rapture, und &#8211; das war&#8217;s fast schon an Essentiellem, nicht!? Zum Glück. Und wer ernsthaft an solchen Trittbrettfahrern wie Late Of The Pier Gefallen findet, für den hat man bestenfalls noch ein Schulterzucken übrig.</p>
<p>Bei The Faint liegen die Dinge etwas anders. Immerhin waren sie ja ganz vornean mit ihrem Sound, mittendrin im Elektrosumpf, sie fungierten dort aber von Anfang an weniger glam-, weniger disco-, stattdessen mehr punk- und rockorientiert als andere Projekte. Allein mit Titeln wie „Drop Kick The Punks“, „Cars Pass In Cold Blood“ oder – wie hier auf &#8220;Fasciinatiion&#8221; &#8211; „A Battle Hymn For Children“ schaffen The Faint es immer aufs Neue, auch die Neugier für&#8217;s politische Lied zu wecken. Diese wird dann auch selten enttäuscht, und der Band nimmt man ihre Haltung von Platte zu Platte mehr ab. Keine Sensationen, kein Hype – nur eine relativ gut ausformulierte Musik zur Zeit. Dabei kommt&#8217;s halt immer darauf an, wie man mit dem Sound umgeht, ob man ihn annimmt, ihn lebt, sich darin präsentieren kann und sich im Endeffekt auch nicht allzu viele Gedanken darüber macht, ob dieser nun besonders zeitgemäß sei. Das Verschwinden von Electro-Clash gibt The Faint jetzt wunderbarerweise mehr Luft für ihren konservativen E-Post-Rock. Der Titel belegt zudem, dass das Album nicht von Selbst-Ironie, sondern von der Ironie des Hypes handelt. Aber es wird auch nicht feist beharrt, bzw. sich lange aufgehalten mit Besserwisserei, vielmehr so entspannt Old-School geschraubt, dass es die reine Freude ist. Weniger Spektakel, mehr Songs, weniger Major-, mehr eigenes Label noch dazu. Endlos wachsender Tausendfüßler, fürwahr: „cults arise from egos &#8211; sick with poltergeists and demons“.<br />
(blank.wav)</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-402" title="The Faint" src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/thefaintvonjoa.jpg" alt="" width="605" height="885" /></p>
<h5>(Foto von Joachim Zimmermann)</h5>
<p>Dass The Faint zum Pressetermin in Berlin dann offiziell ihren Sänger losschicken, um danach genüsslich abzuwarten, wie später alle verzweifelt noch in der Promobildmottenkiste nach wirkungsvolleren, klischeebeladenen Gruppen-Turnstunden-Bildern, oder wenigstens Frontman-Starschnitten spähen, um sich hinterher eins zu kichern, weil der Sänger sagt, wieso Sänger, ich bin doch der Bassist &#8211; das ist schon köstlich. Und keiner hat&#8217;s dann gedruckt, das niedrige, schäbige Bild vom räudigen Basser, „Aston Barrett, häh, wer soll das sein?“ Dabei, &#8211; was wären The Faint ohne Joel Peterson, etwa kein Fliegendreck?! Die Bass-Arrangements allein sind&#8217;s wert, dass man die gesamte Platte durchhört. Und ist das Portrait von Joa somit etwa nicht zu Recht das ultimativste, aktuellste The Faint-Portrait dieser Tage!?</p>
<p>Die restlichen Daten der Europatour:<br />
04.Sep. Melkweg/Amsterdam<br />
05.Sep. Maria am Ufer/Berlin<br />
06.Sep. Vega/Kopenhagen<br />
07.Sep. John Dee/Oslo<br />
08.Sep. Debaser Slussen/Stockholm<br />
10.Sep. Den Atelier/Luxembourg<br />
11.Sep. Paris/La Maronquinerie</p>
<p>→ <a href="http://www.thefaint.com">offizielle Webseite</a><br />
→ <a href="http://www.myspace.com/thefaint">The Faint auf MySpace</a></p>
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