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	<title>: Persona Non Grata : : : &#187; Lisa</title>
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		<title>You´re so pretty &#8211; we´re so pretty.</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Sep 2008 13:07:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa</dc:creator>
				<category><![CDATA[B]]></category>
		<category><![CDATA[Diary]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Charlatans sind mal wieder auf Tour. Oder immer noch.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/charlatans.jpg" alt="" title="charlatans" width="600" height="200" class="alignnone size-full wp-image-502" /></p>
<p>Tim Burgess sieht aus wie M., als er noch jung und ein Gruftie und noch nicht ständig im Fernsehen zu sehen war. Schön wäre es auch, wenn die lustige Topffrisur hinten kürzer wäre als vorne, aber sie geht in gerade Linie wahrscheinlich genau bis zur Hälfte der Pupillen, an den Ohrrändern vorbei und hinten rum so hoch, dass er den Nacken wahrscheinlich ausrasieren musste. Er kommt auf die Bühne, ganz in schwarz natürlich, den Blick gesenkt, die Finger schon zappelnd und dann fangen sie an – entweder haben wir die Vorband verpasst oder es gab keine – die Charlatans, für mich nicht Rave-Götter meiner Jugend, ich bin so unvoreingenommen, weil ich so dramatisch zu spät geboren wurde, und damit bin ich vor allem eines an diesem Samstagabend: die Jüngste.  </p>
<p>Auf dem Weg zum Konzert raten wir noch, wie alt wohl das Publikum sein wird, die Charlatans fingen ja an, da saß ich noch in Baumwollwindeln gewickelt in Berlins mittigem Osten und nuckelte am Daumen. Als die erste Single rauskam, trug ich eine Schultüte und tanzte nur zu Nena. Besser spät als nie finde ich mich nun auf einem Klassentreffen wieder, einem Klassentreffen einer Generation, die sicherlich nicht meine ist. Und so schüchtern wie Burgess auf die Bühne kam, so hübsch verhalten stehen auch die entweder langhaarig oder sich schon anbahnend glatzköpfigen Älteren in ihren Wollpullis herum. Sie halten sich an ihren Bieren oder ihrer Begleitung fest und grinsen sympathisch durch die Gegend, machen kein großes Aufhebens und sind angenehm zurückhaltend-nervös, als die Band die Bühne betritt. Band und Publikum sagen sich die ersten drei Lieder Hallo, winken ein bisschen und flirten, Burgess tänzelt mit den Händen in der Luft herum und streckt die Knie ordentlich durch, Bauch raus, Arsch raus, das kann er gut. Und es wird warm langsam, das Grinsen verzieht sich zu zähnezeigendem Lachen bei den meisten, die ersten Schweißperlen rollen an so manchem Dreitagebart herab. </p>
<p>Sie spielen die komplette „You Cross My Path“, schade nur, dass die neueste Platte kaum einer zu kennen scheint, sodass Burgess seinen Zeigefinger einer leise staunenden, wippenden Masse entgegenstreckt. Ich kann mir gut vorstellen, wie er in einem Interview bestimmt mal gesagt hat, dass es das sei, was er so vermisst habe damals beim großen Manchester-Hype (ich war auf dem Gymnasium und hatte mein erstes Jahr Englisch), als sie die Stadien spielten, den Kontakt zum Publikum, die Nähe, das Feeling oder was auch immer da abgeht. Jedenfalls braucht es keine Ordner hier, die zwei Sanitäter sitzen quatschend in der Ecke links neben der Bühne, am Ende werden sie ihre Rettungswesten ausgezogen haben und klatschen. Am Anfang erinnert mich Burgess an einen verlangsamten Duracell-Hasen, der so unermüdlich winkt und tanzt und guckt und lächelt, dass man ihm fast beschwichtigend eine Hand auf die Schulter legen möchte, aber irgendwann schwappt es über, ich weiß nicht, was er gemacht hat, aber auf einmal sind alle dabei, auf einmal hüpfen die älteren Herren um mich herum, die Damen kreischen und ich kann nicht aufhören zu grinsen. Die Leute gucken und gehen ab und Burgess macht mit, knickt manchmal mit den Knien ein und sieht aus, als würde er sich am liebsten mit nach unten stellen und nach oben schauen, Teil des Ganzen sein, aber er ist dennoch ihr Kino, ihre Leinwand, die Erinnerung an all das, was war und nicht mehr ist, er kann da nicht runter, er muss da jetzt durch und stehen bleiben. Weitermachen. </p>
<p>Zwischen die Songs vom neuen Album mischen sie die Hits, ganz unkompliziert und ohne dieses „Früher war gestern, wir haben uns entwickelt“, der Keyboarder hat sein Vor-und-Zurück hinter seiner kleinen Kommandozentrale jahrelang geübt, der Schlagzeuger sieht aus wie ein Dorfpfarrer auf Speed. Man könnte sie so in ein Stadion zurück beamen und es würde vielleicht funktionieren, aber sich wahrscheinlich nicht so anfühlen. Burgess findet das super, wenn er sieht, wie ihm das eigene Lächeln mit Anlauf zurück geschmissen wird, wenn er die Gesichter erkennen kann, die da so eifrig johlen. Den Text der Zugabe liest er vom Zettel ab und auch das nimmt ihm niemand übel, er kann machen, was er will, sogar am Bühnenrand Red Bull trinken und nicht wie Matt Berninger eine Flasche Wein allein. Vielleicht scheint er sich deshalb so wohl zu fühlen. Weil er jetzt alles darf in diesem Licht, das aussieht wie von einem Jazz-Konzert geklaut und das er später noch dunkler drehen lässt. Ihn kennen ja eh alle. Und dann fällt er in die Verlegenheit zurück, als sie nach „The Misbegotten“ alle weitersingen, fünf Minuten vielleicht, immer wieder, als wäre das alles doch noch nicht vorbei. </p>
<p>-<br />
<a href="http://www.thecharlatans.net">Offizielle Webseite</a><br />
<a href="http://www.myspace.com/thecharlatans">The Charlatans bei MySpace</a></p>
<p>Tourdaten:<br />
22.09. Berlin, Postbahnhof<br />
23.09. Köln, Luxor<br />
25.09. Genf, Salle Des Fetes De Thonex<br />
26.09. Yverdon, Amalgame Club<br />
28.09. Basel, Kaserne–Reithalle</p>
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		<title>120 Engel ohne Weihnachtsmann</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Sep 2008 10:38:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diary]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Gero: „Efterklang sind die albernen Neurosis“ Mehr davon in unserem Podcast: &#160; Auf der Oberbaumbrücke überlegen wir, was wir erwarten von einer dänischen, fünfköpfigen Band, die live auch mal zu zehnt auftreten und deren Vorgruppe wir nicht kennen. Wir reden vom Meer, von Ferienhäusern und dem Klischee der skandinavischen Mädchen und später im Lido wundern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/efterklang1.jpg" alt="" title="efterklang1" width="605" height="200" class="alignnone size-full wp-image-409" /></p>
<p>Gero: „Efterklang sind die albernen Neurosis“<br />
Mehr davon in unserem Podcast:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf der Oberbaumbrücke überlegen wir, was wir erwarten von einer dänischen, fünfköpfigen Band, die live auch mal zu zehnt auftreten und deren Vorgruppe wir nicht kennen. Wir reden vom Meer, von Ferienhäusern und dem Klischee der skandinavischen Mädchen und später im Lido wundern wir uns über die schwarze Bühne, das leise Wabern und das hin und wieder aufleuchtende Feuerzeug, durch dessen Lichtschein die Ein-Mann-Vorband die Displays ihrer Geräte betrachtet. Gero verliert im Kickern, von Weitem hören wir leisen Applaus. „Wir könnten auch in einer Tabledance-Bar sein“, sagt Gero. In einer ohne Leute, mit rotem Licht und Metallstangen in der Mitte des Raumes. Den Kicker müsste man ausblenden und das Indie-Publikum, das sich vereinzelt in den mit Filz bespannten Sitzmöbeln räkelt, Bierflaschen in der Hand, leise redend. Es ist leer, wir trinken Radler und warten. Ich denke an 2004 und Kopenhagen und wie ich damals dachte: Da gehe ich mal hin, wenn ich älter bin, für länger und ganz allein. Mit Efterklang hat das hier noch nicht viel zu tun, Gero meinte, er kenne nur zwei Lieder und auch die würde er, wenn überhaupt, nur in der Badewanne hören.</p>
<p>Und auch ich bin sehr skeptisch, ob das live funktioniert, weil das alte Album „Tripper“ und das neue „Parades“ doch eigentlich recht zurückhaltend sind, das Plingpling in den Vordergrund rücken, ein paar Geigen und Klavier, sakral anmutende Gesänge mit klickernden Beats vermengen, mit den verspielten Covern kuscheln und im Hintergrund auf jeden Fall immer gehen. Im Vordergrund verlangte mir vor allem „Parades“ Aufmerksamkeit ab und Geduld, wollte laut aufgedreht und nur ganz allein angehört werden, um sich gegen das Abstempeln als „okay für nebenbei, wenn man eigentlich was anderes tut“ zu wehren. Und ich hab immer nach einer Stimmung gesucht, für die „Parades“ passt, nach einem Moment, denn immer wirkte es ein bisschen fehl am Platz, so mittendrin und dazwischen ging das immer nicht so wirklich. Als sie dann auf der Bühne stehen ist das der Moment. Das ist die Stimmung. Genau da gehören sie hin.</p>
<p><img src="http://www.persona-non-grata.de/wp-content/uploads/efterklang2.jpg" alt="" title="efterklang2" width="605" height="454" class="alignnone size-full wp-image-410" /></p>
<p>Irgendwie sehen sie sich alle ähnlich, diese fünf bis zehn Dänen auf der Bühne, man weiß das nie so genau, und wenn man kurz nicht hinschaut, Augen zumacht, Bier holt oder so was, dann kann es schon mal sein, dass man durcheinander kommt, weil wieder alle das Instrument gewechselt haben und sich woanders hingestellt. Bei Efterklang kann jedes Mitglied gefühlte acht Instrumente spielen, alle würden vielleicht auch gern zehn spielen können. Dazu können die alle auch noch alle Oktaven singen, die Jungs hoch und tief, das Mädchen tief und hoch. Und es würde mich nicht wundern, wenn die auch allein mehrstimmig singen könnten. Da stehen sie wie Marionetten ohne Schnüre, wie Comicfiguren vor diesem riesigen Banner mit dem Cover des aktuellen Albums „Parades“. Der Himmel ist türkis, die Häuser knallbunt, die Figuren dazu fast ganz in weiß und mit Hosenträgern, die Hosen bis zum Bauchnabel gezogen, wie kleine Jungs bei ihrer ersten Aufführung vor den Eltern. Kleine Jungs mit Schnurrbärten und Seitenscheitelfrisuren. Das Mädchen am Rande, Anna, zieht später den Scheinwerfer auf sich, spielt Klavier und hat die meiste Zeit die Augen geschlossen, während sich der Sänger am liebsten ins Publikum schmeißen würde und schwankt zwischen verlegener Schüchternheit und großer Euphorie. Die kommt immer dann aus ihm heraus, wenn es dunkel wird und der Beat so laut, dass er darin fast untergeht, wenn die Gesänge sich überschneiden und ineinander wabern, der Chor lauter und sie alle einen Schritt zurücktreten von den Mikrofonen, weil die Stimmen auch dann immer noch laut genug sind.</p>
<p>Ein bisschen Sigur Rós, ein bisschen Beirut, Gero erinnert sich an Dead Can Dance und Godspeed You Black Emperor plus Arcade Fire. Ein bisschen Kirchenchor und Augsburger Puppenkiste, Kitschfilmdramatik und ein stampfender Fuß. Sie machen von allem ein bisschen, die Lieder beginnen immer im Kleinen und steigern sich dann zu „von allem ganz schön viel“. Auf den Platten hat mich diese Dynamik nicht erwischt, dort ist sie noch zu weit weg, aber hier springt sie mir mitten ins Gesicht, macht mich grinsen und Gero tanzt tatsächlich zu orchestralem Tamtam, zu weißem Gospel mit Folklore-Techno aus ungebügelten Hemden.</p>
<p>Man sieht ihnen an, wie sie warm werden mit der Bühne und der Stadt, dem Publikum und wie sie sich von Sekunde zu Sekunde mehr aufeinander verlassen. Auch wenn die Stücke ordentlich durchkomponiert sind, bricht hier und da das Temperament die Note, gewinnt die Spontaneität gegen die Harmonie, sie schreien ineinander, wippen sich wie in Trance. Das Rassel-Ei wird zur Opfergabe, die Basslinie zum religiösen Akt. Und ich denke daran, meine Kinder später in den Chor zu schicken. Die Musikschüler da vorne jedenfalls verausgaben und befreien sich, lassen los und wundern sich am Ende immer wieder über den Jubel des Publikums, das sich hat anstecken lassen, das einerseits mitwippt und andererseits ganz hypnotisiert die Augen aufreißt, wenn kleine Lichter den ganzen Raum einnehmen wie Glühwürmchenschwärme. Wie ein Haufen Kinder zu Weihnachten das Publikum, die Stimmung so festlich irgendwie, so bedacht und dennoch innerlich zitternd, drängend und mit vierstimmiger Explosion zum Schluss. Nach dem Konzert fühlt man sich, als habe man gerade die Beichte abgelegt. Und wie frisch geduscht.</p>
<p>Nach diesem Tourauftakt spielen Efterklang weitere Konzerte in Deutschland und Österreich:</p>
<p>04.09. Dresden, Scheune<br />
05.09. Dortmund, FZW<br />
06.09. Köln, Kulturbunker Mühlheim<br />
07.09. Wien, Arena</p>
<p><a href="http://www.efterklang.net">Offizielle Webseite </a><br />
<a href="http://www.myspace.com/efterklang">MySpace</a></p>
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