Mit Speed aus der Hexenküche

Text: | Ressort: Musik | 1. Juni 2021

Garage, klar! Schnell fahrender Punkrock mit Seventies-Hardrock- und Psychedelic-Zutaten, dass ist die Spezialität der Neuseeländer The Datsuns. Fast zwanzig Jahre hielten sie daran fest und nach „Deep Sleep“ war es sieben Jahre ruhig. Die Gründe habe ich nicht erforscht. Auch weiß ich nicht, ob sie live weiter aktiv waren. Jedenfalls sind ihre Spielfreude und die Geradlinigkeit geblieben. Auch soll man live in Kürze wieder etwas von ihnen hören – so Corona will. Zur Erinnerung: die Datsuns waren eine großartige Liveband. Dies hatte sich herum gesprochen und führte sie in die Vorprogramme von Bands wie Ozzy Osbourne, Metallica oder Korn.

Mit ihrer Nähe zum Metal zeigt sich auch schon ein Stilmerkmal der Datsuns. Sie schaffen es mühelos Hardrock und Metal mit Punk zu verschmelzen. Zu Bands wie Wolfmother, die sich, wie die Datsuns, um die Jahrtausendwende gründeten, sind ebenfalls Überschneidungen herauszuhören. Anlehnungen an Siebziger-Bands wie Led Zeppelin, deren Schlagzeuger John Paul Jones 2004 die Datsuns-LP „Outta Sight/Outta Mind“ produzierte, und mit denen Kritiker*innen die Datsuns oft verglichen haben, sind jedoch bei Wolfmother wesentlich eindeutiger – zumindest auf deren arg auf Retro geschliffenen Studio-Alben. Daneben sind Vergleiche mit den Replacements sicher nicht ganz aus der Luft gegriffen. Einige Songs klingen stilistisch sehr ähnlich, wobei sich Musik und der Sound der Replacements im Wesentlichen heterogener zeigen, die Band Folk und Country eindeutig näher steht.

Trotz des anhaltenden Seventies-Rock-Revivals, mit viel Retro und Kostümierung, haben sich die Datsuns mit ihrer Punk-Metal-Hexenküche eine Nische erhalten, in der es sich offenbar ganz gut weiter kreativ brutzeln lässt. So ist das neue Album fulminant explosiv, klingt konsequent roh und ungeschliffen. Kein Beigeschmack von Comeback-Album oder Spätwerk zu spüren. Zwischen erfrischend und wissend zaubern die Datsuns Song für Song aus dem Hut, gerade so, als ginge es um ihr Erstlings-Werk. Repetitive Metal-Gitarrenlinien, kombiniert mit soulhaftem, balladesquem Gesang, prägen die Songs.

Die Single „Brain To Brain“ ist bereits zu hören, als Appetizer im Netz. Die ebenfalls tolle B-Seite „Wake Up Slow“ ist leider nicht auf dem Album enthalten. Natürlich darf man den Anlass nutzen, auch den Backkatalog der Datsuns wieder zu entdecken – da gibt es ebenfalls kaum Anlass zur Mäkelei. Das konsequent raue, und auf Lauthören gemischte, „Auge In Auge“ ist ein starker Wurf, inklusive wunderschön-gruseligem, nicht beschrifteten Cover, worauf eine Teufelskralle einen Kristallbecher mit Blut hält, worin ein Auge schwimmt, welches seinerseits in eine Art Sonne über ihm blickt …

Jörg Gruneberg

The Datsuns – Eye To Eye, VÖ 28. Mai 2021 via Hellsquad Records

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