Pigeonhed. Irgendwie seltsam, irgendwie einzigartig

Text: | Ressort: Musik | 28. August 2008

Diese Handvoll wirklich großer weirder artfremder Irgendwiesoul-Platten, die es gibt, ich meine so eklektische, zuweilen atemberaubende Entwürfe wie „Head On“ von Super Collider oder „Insect Funk“ von Elmore Judd, oder, eine Ebene dahinter, auch Lieder wie „Freedom of ’76“ von Ween oder die bloße Existenz von AR Kane. Und, in seinen besten Momenten, als König dieser Disziplin, TAFKAP natürlich. Ein Leben im Rhythmus zwischen Falsett und Bass ist nicht nur möglich, manchmal wagt es sogar, unerhört zu klingen und wirken.

Und so begab es sich 1993, dass Steve Fisk, dessen Berufswunsch „Produzentenlegende“ sich ja dann doch nicht zuletzt wg. Nirvana und Soundgarden erfüllen sollte, und Shawn Smith, dessen Berufswunsch „Soullegende“ sich ja irgendwie doch erfüllt hat, auch wenn die Freundeszahlen bei Myspace zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Ermittlungen noch ein gutes Stück von der Vierstelligkeit entfernt sind, zu einer zweifelos legendären Session trafen, in der Wolfsgeheul, Crooning, Synthiestringsgeschmiere, feinstes Hymnen-Pathos und Maschinenpark zu einer „irgendwie seltsamen, irgendwie einzigartigen“* Musik verschmolzen, die dem Subpop-interessierten Hörer nicht nur damals, sondern auch heutzutage angenehm deplatziert erscheinen muss. Manche behaupten sogar, bei Pigeonheds Debüt handle es sich um den einzig aushaltbaren, weil rockklischeefreiesten Output des Labels. Aber das ist ja Geschmackssache.

*So beschreibt der Deep-Purple-Typ, der mich netterweise mitgenommen hat, die Musik auf der Cassette, die nur mit „Pigeonhed“ beschriftet ist und von der er behauptet, er hätte sie mitgehen lassen von einem Musiker, der ansonsten im Cassettenrecorder immer nur das neueste Zeugs von dubiosen Hardrockbands mit Namen wie Soundgarden oder Mudhoney hätte, Bands, von denen er noch nie etwas gehört hatte, sie seien aber ausnahmelos geil. Im Falle Pigeonhed aber läge der Fall wohl etwas anders. „Schon Soul, aber ins Bett mit deiner Alten magst du dazu auch nicht.“ Wir peitschen über die Landstraße Richtung Ostsee, kiffen und müssen feststellen, dass sie allerdings sehr wohl zum Autofahren taugt. Später schenkt er mir die Cassette, entlässt mich in den Regen und braust eine Pappelallee hinunter, bis er am Horizont verschwindet, um dahinter die Rockmusik neu zu entdecken.

Pigeonhed auf MySpace

Dies ist ein weiterer Nachtrag zu unserem großen Special über 20 Jahre Sub Pop in Persona Non Grata # 76.

Labelspecial – 20 Jahre Sub Pop

Sub Pop 3.0 – Die Wahrnehmung eines verklärten Prototyp-Labels in der deutschen Mainstreamlandschaft

von Tom und Christoffer Greiß

The Flanell Years 1989 – 1991
von Jensor und Christoffer Greiß

Lutz R. Mastmeyer – 12 Inches of Fame
von Dude und Jörg Gruneberg

Slater Bradleys Doppelganger-Projekte – … suffers just like Kurt
von Nadine Söll

Sub Pop, Sunny Day Real Estate and the Second Wave of Emo
von Matthias Rauch

Schickere Hemden – Der Warner Deal
von Björn und PM Hoffmann

Red House Painters – A Beginning Without an End
von Lars Tuncay und Eva Gschwender

Fox-New: American Dreams in dunkleren Schattierungen
von Jörg Gruneberg

It’s not a Joke – Sub Pop und Comedy
von Nadine Söll

CSS – Unterschlupf für brasilianischen Kunstpopkram
von Björn

Tiny Vipers – Hand Across the Void
von Markus Hockenbrink

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