Sternbuschweg – Mein Herz schlägt weiter jeden Tag

Text: | Ressort: Musik | 11. September 2008

„Wenn Engel fallen, dann bricht die Hölle los“, wird lakonisch berichtet. Ja, „wenn!“, sage ich, „macht doch mal“. Abgesehen von dem zu bemüht nachdrücklichen Gesang, langweilen die arg schleppenden, hölzern gefühlten Phrasierungen. Über jede zweite Zeile stolpert dazu mein Erstaunen über die dargebotene Profanation der Dichtung: „Ich seh ihr zu, wie sie durch´s Zimmer geht und meint, sie wär die Einzige, die weiß, wie gut es ihr gerade geht“, etc. Mmmmh, kann man da nur resümieren. Oder: ouwh–pffht. Die Musik, ja nun, entgegen den Texten zumindest schon mal erfrischend weniger ärztehaft, mehr kettcar-monostars- bis flowerpornoeisch. Aber was hilft es, wenn die Platte weder gesanglich noch lyrisch zu begeistern versteht. Immerhin als halbwegs korrekte, solide Semesterabschlussfeierband im Fachbereich Maschinenbau bzw. Betriebswirtschaftslehre mag das alles locker durchgehen. Halbwegs tanzbar und auch – oder gerade – wegen Titeln wie „Meine Liebe dauert länger als der Kommunismus“, politisch völlig unsexy.

Was, ich soll wenigstens noch etwas Gutes über diese ansonsten bestimmt supersympathische Band sagen? Na schön: Das Stück „Mary Alice’s Rettungsplan“ ist das beste Stück der Platte, bester Songtitel, mit Abstand am schlüssigsten interpretiert, hier passt die Stimme, die Stimmung, passen die Streicher – auch wenn der Text beim Lesen zunächst nicht besser wirkt als die restlichen –, hier kannst Du sehen, was möglich wäre bei den Sternbuschs, würden sie weniger angestrengt rocken, auch banalste Texte mit aller zur Verfügung stehenden Verve singen, Angst vor Peinlichkeiten, falscher Coolness/Uncoolness komplett aufgeben. Dann wäre das auch Musik für mich. Sternbuschweg, der Weg zum Liebreiz ist keine Autobahn sondern lang und steinig, aber sie sind zumindest schon mal drauf … „Mary Alice’s Rettungsplan. Wir müssen über die Grenzen. Wir müssen suchen was uns fehlt“. Ja genau, und bitte schon mal langsam den Fuß vom Gas.
(TumbleWeedRecords / Brokensilence)

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5 Kommentare »

  1. Persönliche Geschmäcker und Befindlichkeiten sind aufgrund ihres Subjektivismus nicht wirklich diskutabel und unter anderem deshalb eine feine Sache. Methodisch fehlerhaft ist es allerdings, die Musik einer Band aus Deutschland ausschließlich mit der Musik weiterer Bands aus Deutschland zu vergleichen. Das ist popkultureller Nationalismus und (ganz im Gegensatz zum zitierten Songtitel, der im Übrigen bei Belle&Sebastian geklaut ist) nicht nur politisch unsexy, sondern politisch höchst bedenklich. Die Band selbst ist außerdem alles andere als sympathisch, ich hab mit 3 von den 4 angebändelt und alle haben mich Wochen, nein, Tage später wieder fallen gelassen. Drecksbande. Warum verteidige ich sie hier eigentlich? Scheint mir jawohl ein ganz akuter Fall des Stockholm-Syndroms zu sein…

  2. Sprachlich eine Bombe, diese Rezension. Der Lilalaunebär geht um. Oder einfach: ouwh–pffht!

  3. Liebe Kristin. Du hast offenbar mit Antikommunisten gevögelt. Passiert. Den Kritiker deiner 3 von 4 Lovern zum Pop-Nationalisten zu schreiben, nur weil er Flowerpornoes und Monostars in seine Vergleichsliste aufnimmt, scheint mir eine dissoziative Reaktion zu sein. Das sind doch gerade keine so rechten teutschen Bands!? Ist ja auch gemein, immerhin nimmt damit doch noch mal jemand diese abgelutschten Sexbusch-Fucker in den Mund. Dabei sollten sie doch schon längst an Gonorröe eingegangen sein.

    Wann kommt die neue Ausgabe eigentlich?

    Fuechschen

  4. Die Gültigkeit der These vom popkulturellen Nationalismus haben sie, liebes Fuechschen, aufgrund ihrer offensichtlichen hermeneutischen Probleme leider nicht mal angekratzt. Dass „aus Deutschland stammend“ nicht umfunktioniert werden kann zu einer Eigenschaftsbeschreibung „deutsch“ (wie auch immer die aussähe), sondern ganz offensichtlich in einem staatsbürgerlichen Sinn zu verstehen ist, liegt auf der Hand. Und sämtliche vier zum Vergleich angeführte Bands stammen nunmal aus Deutschland. Ein bisschen mehr Sorgfalt wäre wünschenswert. Ach und ansonsten: Pfui! Ich gebe ihnen eine 4minus, bitte setzen.

    PS: Ich bin wieder im Geschäft! Der vierte ist mit Abstand der coolste, hätte ich das nur früher gewusst! Ein Gentleman der alten Schule! Ich liebe das Stockholm-Syndrom!

  5. Na holla, ein neuer Kommentar zu deinem Artikel „bla, bla, bla“, ist eingegangen,
    Autor (schon wieder jene Kristin …). Nun denn, will ich wenigstens kurz
    mal öffentlich antworten:
    Hallo Kristin,
    na, soll mich das jetzt wirklich freuen (dass da um
    ein redundantes Geschreibsel plötzlich so ein Wind
    gemacht wird … wer steckt dahinter, die Sternbusch-
    PR-Agentur)?
    Andererseits, immerhin entsteht aus meinem
    ‚Artikelchen“ offenbar eine ebenso anspruchsvolle
    wie schlagfertige Diskussion (ganz zu schweigen
    vom deftigen Unterhaltungswert, Sex sells, klar!). Pop und Nationalismus?
    Verkaufen sich im Moment weniger gut, sind aber offenbar doch nochThemen,
    über die sich Leute echt aufregen, den Kopf heiss reden mögen. Beinahe
    hätte man ja schon annehmen können, dass manch eine „Pop“-Redaktion diese
    Felder bereits vollständig aufgegeben, bzw. der Zynismus- oder Witz-Abteilung zum
    Recycling überantwortet hat.
    Würde mich freuen, wenn diese Diskussion nicht abreisst – vielleicht sogar im
    kommenden Heft noch einmal breiter aufgefächert werden könnte.
    Gruss
    Joerg

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