Gutes im Kino

Text: | Ressort: Film | 15. Dezember 2013

Jung & Schön

Reizvoll

François Ozon macht uns an und wir schaun gerne zu.

Wer ist der Voyeur – der Inszenierende oder der Betrachter? Bei François Ozon findet man sich oft in der Situation wieder, die Gedanken um die eigene Scham und den Reiz am Zugucken spielen zu lassen. Verführte er uns in seinem letzten Werk, der böshumorigen Gesellschaftssatire „In ihrem Haus“, noch dazu, einem fremden Familiengefüge beim alltäglichen Leben zuzusehen, hat er sich diesmal ein wesentlich schlüpfrigeres Thema ausgesucht: die Prostitution einer Minderjährigen.
Die 17jährige Isabelle erlebt in den Sommerferien ihr erstes Mal mit einem jungen deutschen Urlauber und ist fortan fasziniert von der eigenen Körperlichkeit und ihrer Wirkung auf Männer. Zurück in der Schule geht sie auf ein Angebot eines älteren Mannes ein und entdeckt den Reiz des käuflichen Sexes. Für einige hundert Euro gibt sie ihren jungen Körper vor allem älteren, gut betuchten Männern hin, von denen zwar einige fragen, ob sie denn schon volljährig sei, sich aber mit einem lapidaren „Ja“ schnell zufrieden geben. Isabelle schlägt sich alleine durch, ohne dass ihre Eltern davon erfahren. Als es jedoch bei einem ihrer Dates zu einem Zwischenfall kommt, droht das reizvolle und lukrative Nebeneinkommen aufzufliegen.
Ozon spielt dabei bewusst mit den Moralvorstellungen des Kinogängers, so wie er es seit seinem radikalen Debüt „Sitcom“ immer schon getan hat. Die junge Protagonistin weiß ziemlich genau, was sie tut. Die genauen Gründe bleiben im Verborgenen und Ozon bemüht sich weder um eine Aufklärung, noch sie vordergründig psychoanalytisch zu sezieren. Vielmehr geht es ihm darum, sexuelles Erwachen und das Heranwachsen einer jungen Frau abzubilden, für die er mit dem 22jährigen Ex-Model Marine Vacth eine starke Hauptdarstellerin gefunden und den Film ganz auf sie zugeschnitten hat.

F 2013 / R: François Ozon / D: Marine Vacth, Géraldine Pailhas, Frédéric Pierrot etc.

Blue Jasmine

Manischer Martini

Cate Blanchett liefert ein meisterhaftes Porträt einer gestörten Figur in einem etwas anderen Woody Allen.

Jasmine heißt eigentlich Jeanette. Ihr Leben gleicht einer Blase. Die Fassade aus perfekt frisierten Haaren und snobistischem Habitus beginnt zu bröckeln, als sie bei ihrer Schwester Ginger in San Francisco strandet. Wir erfahren, dass ihr Glashaus in sich zusammengefallen ist. Aus mit den Dinnerpartys und Martinis auf der Veranda. Ihr Mann war eine Luftnummer, der unzählige Klienten um ihre Ersparnisse gebracht hat. Jetzt sitzt er im Knast und der Besitz wurde gepfändet. Jasmine verdrängt diese Tatsache so gut es geht. Aber mit ihrer arroganten Art kommt sie nicht weit, weder bei der aufopferungsvollen Ginger und ihrem windigen Lebenspartner, noch bei der Suche nach einem eigenen.
Ein wenig erinnert das an Jason Reitmanns „Young Adult“, wo Charlize Theron als gescheiterte Buchautorin sich unter das einfache Volk mischte. Auch aus pathologischer Sicht: während sich Therons Figur Schmerzen zufügt, betäubt Jasmine sie mit Alkohol und Pillen. Doch der ätzende Humor von „Young Adult“ geht „Blue Jasmine“ nahezu gänzlich ab. Woody Allens Neuer ist düster und abgründig. Zwar wird wie gewohnt gern und viel geredet und die Dialoge strahlen, aber auf der Charakterseite sieht das anders aus. Hier steht eine furchtlose Cate Blanchett im schwarzen Herzen des Films und liefert ein vielschichtiges Porträt einer gestörten Person. Fulminant und oscarreif. Sie sorgt dafür, dass das unangenehme Gefühl bleibt, wenn sich der Vorhang längst geschlossen hat.

USA 2013 / R: Woody Allen / D: Cate Blanchett, Sally Hawkins, Alec Baldwin etc.

Escape Plan

Alte Knackies

Der feuchte Traum der Achtziger: Stallone und Schwarzenegger gemeinsam gegen böse Buben.

Sly Stallone hat in den letzten Jahren mit den „Expendables“ eine erfolgreiche Beschäftigungsmaßname für gealterte Action-Heroes in die Kinos gebracht. Eingeschränkt war da auch schon Arnold Schwarzenegger mit von der Partie. Nun hat sich Arnie von Frau und Politik befreit und versucht zurück auf der Leinwand an alte Erfolge anzuknüpfen. Das will allerdings nur bedingt klappen, also warum nicht erneut die Kräfte bündeln und ein Tag-Team für neue und alte Fans bilden.
Die Story ist dabei weitgehend egal – ein Ausbrecherkönig (Sly) wird hintergangen, landet im Hochsicherheitsknast und setzt alles daran, mit Hilfe eines deutschen Wissenschaftlers (Arnie) zu entkommen – was zählt ist die Äktschn. Die ist erfreulicherweise mit viel Humor und Selbstironie inszeniert und Arnie darf auch nach „Kindergarten Cop“ zum ersten Mal wieder auf Deutsch fluchen. Daher sei die unterhaltsame Hommage an die 80er-Action von Mikael Hafström („Evil“) den altgedienten Fans besonders im englischen Original empfohlen.

USA 2013 / R: Mikael Haftstrom / D: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Curtis „50Cent“ Jackson etc.

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