Die PnG-Kinotipps

Text: | Ressort: Film | 13. Juli 2012

Cosmopolis

F/CDN/POR/I 2012 / R: David Cronenberg / D: Robert Pattinson, Juliette Binoche

Man mag es seinen jüngsten Filmen nicht mehr unbedingt ansehen, aber David Cronenberg war einst das Enfant Terrible unter den amerikanischen Regisseuren. Wer hätte damals ernsthaft gedacht, dass die eigenen Eltern jemals einen seiner Filme sehen würden. „Eine dunkle Begierde“ war die bisherige Krönung seines Richtungswechsels, wurde hier doch endgültig fast ausschließlich über Sex und Gewalt referiert, statt sie wie früher ausführlich in Szene zu setzen. Dennoch blieb Cronenbergs Faszination für diese Themen ungebrochen und er hob sie auf eine intellektuelle Ebene, was Kritiker rund um den Filmglobus jauchzen ließ.

Nun legt der Kanadier, der im nächsten Jahr seinen 70. Geburtstag feiern wird, ein Werk vor, das nahezu komplett im Kopf des Protagonisten statfindet. Dennoch bedeutet „Cosmopolis“ für Cronenberg einen Schritt zurück zu den Wurzeln seines Schaffens.

Der Film spielt fast vollständig in der Stretchlimo eines neureichen Jungunternehmers. Hier empfängt der 28jährige Börsenguru Eric Packer die Untergebenen in seinem Imperium. Ein schalldichtes Büro auf Rädern, das ihn vor der Realität der Straßen New Yorks schützt. Doch die hat sich längst Bahn gebrochen, sein Reich beginnt zu bröckeln und Selbstzweifel plagen ihn.

Im kühlen Neon der Börsenmonitore gehen Schauspielgrößen wie Juliette Binoche und Mathieu Amalric ein und aus. Jeder von ihnen hat nur eine Szene, dann rollt die Adaption des Romans von Don De Lillo weiter. Die Figuren bleiben unzugänglich und reden unaufhörlich über den globalen Status Quo, den Kapitalismus, die Existenz, dass es einem als Zuschauer schon mal schwindlig werden kann. Die Befürchtungen, die mit der Wahl des Hauptdarstellers – „Twilight“-Blutsauger Robert Pattinson – einhergehen, sind unberechtigt. Er ist in jeder Einstellung präsent und überraschend ausdrucksstark.

Sleep Tight

E / R: Jaume Balagueró / D: Luis Tosar, Marta Etura, Alberto San Juan

Mit dem morbiden Mikrokosmos eines spanischen Mehrfamilienkomplexes hatte sich Regisseur Jaume Balagueró bereits in seinem Horror-Erfolg „[Rec]“ auseinandergesetzt. Nun gibt er dem Portier César (Luis Tosar) die Fäden in die Hand. Für die betuchten Bewohner des Mietshauses in Barcelona ist er nur Fußabtreter und Mädchen für Alles. Als Zuschauer entwickelt man zunächst Verständnis und Mitgefühl für den Einzelgänger, der geduldig die Erniedrigungen seiner Mitmenschen erträgt.

Das ändert sich jedoch bald, als wir mit ansehen, womit der zwielichtige Typ seine Nächte verbringt: wenn alle schlafen, schleicht er sich in die Wohnung von Clara, um ihr das Leben zur Hölle zu machen. Er erträgt ihr perfektes Leben nicht und setzt alles daran, ihr Glück zu zerstören. Doch er ist nicht der einzige der nächtens durch die Flure wandert. Sein perfides Spiel droht aufzufliegen.

Der spanische Charakterdarsteller Luis Tosar („Und dann der Regen“) ist die Idealbesetzung für den Psychopathen César. Hinter dessen dichten Augenbrauen verbergen sich menschliche Abgründe. Im Gegensatz zu dem rohen Vorgänger setzt Balagueró diesmal nicht auf hektische Handkamerabilder, sondern erzeugt mit ruhiger Hand eine beklemmende Atmosphäre in stilvollen Bildern. Trotzdem ist sein domestizierter Horror nichts für Zartbesaitete.

2 Tage New York

USA 2012 / R: Julie Delpy / D: Julie Delpy, Chris Rock, Albert Delpy

Ein unbequemes Wiedersehen mit den Charakteren aus Julie Delpys Überraschungserfolg von 2007: Marion (Delpy) ist zwischenzeitlich von Paris nach New York gezogen und lebt mit ihrem neuen Partner Mingus (Chris Rock) und zwei Kindern ein weitgehend geregeltes Leben – bis ihre Familie im Big Apple auftaucht und es gehörig aus der Spur bringt. Ihr schräger Vater (Albert Delpy) und die nymphomanische Schwester Rose (Alexia Landeau) wären ja allein schon genug. Allerdings ist auch Roses Freund Manu (Alex Nahon) mit an Bord, der nicht nur Marions Ex ist, sondern insgesamt dezent gestört. Das Chaos ist vorprogrammiert und nicht ganz so witzig wie im Vorgänger. Es ist trotzdem schön, die Mischpoke erneut auf der Leinwand erleben zu dürfen.

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2 Kommentare »

  1. hallo lars,
    „ausdrucksstark“ bezieht sich wohl auf das mediale bild und die verklärt projezierten mädchenträume, denn auf das bekannt statische minenspiel?
    und wo bleibt die erwähnung des umstandes, dass frau delpy mit dem vorgänger dem stereotyp vom französischen film als an körperverletzung reichende dialogorgie einen bärendienst geleistet hat? ganz zu schweigen vom abarbeiten diverser plattheiten und vorurteile. dann wär da noch noch das frauenbild: dauergeil, sprunghaft, zickig,,,,
    „zwei tage paris“ war der schlimmste film den ich mir seit langem, aufgrund eines gruppenzwanges, antun musste!!! respekt an alle, die nach dem durcheinandergequatsche und dem ganzen hüh und hott keine kopfschmerzen bekommen haben. und jetzt auch noch chris rock, der seit dem 5. element nirgens positiv aufgefallen ist. auch ein schauspieler, der nur einen typ darstellen kann. das kann nicht schön sein!

  2. hey kai, „ausdrucksstark“ bezieht sich auf genau das minenspiel, das ausnahmsweise mal nicht so statisch ist. mich hat die schauspielerische leistung von pattinson angenehm überrascht. das hätte ich ihm nicht zugetraut, wo ich ihn grad noch in „bel ami“ erleben musste. aber es gibt hoffnung…
    „2 tage paris“ wiederum mochte ich, weil sie die klischees bewusst einsetzte und intelligent auf die spitze trieb. teil zwei macht dagegen das selbe in plump und unlustig…

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